Kreislaufwirtschaft: EU verbietet Vernichtung von Kleidung ab Juli
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 23:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mehrere Initiativen in Deutschland, der Schweiz und Asien zeigen, wie Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammenarbeiten, um ElektrogerÀte, Textilien und Möbel lÀnger im Umlauf zu halten.
Verbundprojekt âLebensLĂ€ngerâ startet
Ein zentraler Baustein ist das auf drei Jahre angelegte Projekt âLebensLĂ€ngerâ. Gefördert durch die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) lĂ€uft es bis MĂ€rz 2029. Beteiligt sind unter anderem der Runde Tisch Reparatur e.V., der WWF Deutschland, das Wuppertal Institut und die UniversitĂ€t Bamberg. Ziel ist der Aufbau von vier spezialisierten Netzwerken, die Kommunen, Forschung, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Gruppen verbinden.
Parallel dazu hat das Unternehmensnetzwerk Klimaschutz (UNK) des DIHK eine digitale Plattform gestartet. Projektleiter Dominik Horn betont, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Plattform kostenfrei nutzen können. Sie dient dem Austausch ĂŒber Energieeffizienz und zirkulĂ€re GeschĂ€ftsmodelle.
Reparaturbonus in ZĂŒrich: 100 Franken pro Jahr
Die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen ist hoch. Eine Umfrage des TĂV Rheinland unter Kunden einer Reparaturversicherung im Mai 2026 zeigt: 87 Prozent der Befragten achten bereits beim Kauf auf ReparaturfĂ€higkeit. 80 Prozent sehen in Versicherungsmodellen einen zusĂ€tzlichen Anreiz fĂŒr umweltbewusstes Handeln.
In ZĂŒrich startete Mitte Juli ein Pilotprojekt mit einem Reparaturbonus. Stadtbewohner erhalten jĂ€hrlich 100 Franken fĂŒr Instandsetzungen bei teilnehmenden Fachbetrieben. Die Verantwortlichen erwarten durch rund 40.000 Reparaturen eine CO2-Einsparung von etwa 960 Tonnen.
Pilzmyzel als Alternative fĂŒr Elektronik
Ab dem 19. Juli ist die Vernichtung unverkaufter Kleidung fĂŒr groĂe Unternehmen EU-weit verboten. Wer jetzt nicht umstellt, riskiert Strafen und Wettbewerbsnachteile. Dieser Report zeigt Ihnen in einer Checkliste alle Fristen, konkrete Recycling-Lösungen fĂŒr Mischtextilien und die 5 Schritte zur EPR-Umsetzung bis 2028. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Die weltweite Elektroschrottmenge könnte bis 2030 auf 82 Millionen Tonnen steigen. Forscher der TU Bergakademie Freiberg arbeiten deshalb an biologisch abbaubaren Leiterplatten aus Pilzmyzel. Das Material fĂ€llt als Abfallprodukt der ZitronensĂ€ureindustrie an. Laut den Wissenschaftlern lĂ€sst sich der CO2-FuĂabdruck von Elektronikkomponenten damit um bis zu 56 Prozent reduzieren â besonders geeignet fĂŒr Prototypen.
Die KSB Gruppe setzt auf diamantartige Kohlenstoffbeschichtungen fĂŒr Pumpen und Armaturen. Die Beschichtung soll die Lebensdauer der Komponenten im Vergleich zu herkömmlichen Materialien verdreifachen.
EU verbietet Vernichtung unverkaufter Kleidung
Im Textilsektor wird der Wandel besonders sichtbar. Ab dem 19. Juli greift fĂŒr groĂe Unternehmen ein EU-weites Verbot, unverkaufte Kleidung zu vernichten. Das Kölner Start-up CRCL entwickelt deshalb Verbundstoffe aus nicht recycelbaren Mischtextilien â einsetzbar in der Automobil- und Möbelindustrie.
Circular Republic hat zudem Empfehlungen fĂŒr ein deutsches System der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) vorgelegt. Der Bericht schlĂ€gt verbindliche Recyclingquoten und eine ökologisch gestaffelte Abgabenstruktur bis April 2028 vor. Mitgearbeitet haben unter anderem BASF, SAP und die Schwarz Gruppe.
CO2-Daten ĂŒber die Lieferkette hinweg
Das EU-Verbot trifft nicht nur groĂe ModehĂ€user â mittelgroĂe Unternehmen folgen 2030. Doch schon jetzt steigt der Druck durch die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR). Unser Leitfaden hilft Ihnen, zirkulĂ€re GeschĂ€ftsmodelle aufzubauen und Alttextilien gewinnbringend zu verwerten â mit Praxisbeispielen aus der Automobil- und Möbelindustrie. Leitfaden zirkulĂ€re GeschĂ€ftsmodelle jetzt sichern
Transparenz ĂŒber den ökologischen FuĂabdruck ist entscheidend fĂŒr die Kreislaufwirtschaft. Mitte Juli wurde in Asien ein Pilotprojekt abgeschlossen, bei dem erstmals CO2-FuĂabdruckdaten ĂŒber mehrere Zulieferstufen auf Basis europĂ€ischer Industriestandards ausgetauscht wurden. Partner wie LG Electronics und KG Mobility nutzten die Infrastruktur von Cofinity-X.
Das Forschungsprojekt Factory-X endete ebenfalls. Ăber zweieinhalb Jahre entwickelte es Konzepte fĂŒr industrielle DatenrĂ€ume. Das Ergebnis: eine Integrationsarchitektur mit Open-Source-Softwarekomponenten, die RessourcenkreislĂ€ufe besser steuerbar machen soll.
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