Kritische, Infrastruktur

Kritische Infrastruktur: 747 Drohnen-VorfÀlle und 165 Sabotagen seit 2026

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

165 SabotageverdachtsfÀlle und 747 DrohnenvorfÀlle verstÀrken den Ruf nach staatlicher Koordination, neuen Befugnissen und höheren Investitionen.

KRITIS-Schutz: Mehr SabotagefÀlle erhöhen Druck auf Betreiber
Ein Hochspannungsumspannwerk mit großen Transformatoren und Stahlgittermasten bei DĂ€mmerung. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts einer verĂ€nderten Bedrohungslage fordern Sicherheitsbeamte und Branchenexperten eine deutliche VerstĂ€rkung der Schutzvorkehrungen fĂŒr die kritische Infrastruktur (KRITIS) in Deutschland.

Wie aus Berichten von Mitte September 2026 hervorgeht, rĂŒcken dabei sowohl die Abwehr physischer Sabotageakte als auch der Schutz vor digitalen und hybriden Bedrohungen in den Fokus. Die Forderungen reichen von erweiterten Betreiberpflichten bis hin zu neuen Befugnissen bei der Drohnenabwehr.

Zunahme von SabotagefÀllen und DrohnenvorfÀllen

Die Notwendigkeit fĂŒr ein entschlosseneres Handeln wird durch aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) unterstrichen. Einem vertraulichen Bericht zufolge wurden seit Anfang 2026 insgesamt 165 mutmaßliche SabotagefĂ€lle sowie 747 Drohnen-VorfĂ€lle ĂŒber militĂ€rischen Anlagen oder KRITIS-Standorten registriert. Die Bedrohung durch staatliche Akteure und hybride KriegsfĂŒhrung wird dabei in ganz Europa als wachsend eingestuft.

Konkrete VorfÀlle in den letzten Monaten verdeutlichen die Verwundbarkeit der Versorgungssysteme. So ereignete sich im Juni 2026 in Reutlingen ein Brandanschlag auf ein Umspannwerk, der zeitweise die Stromversorgung von rund 40.000 Menschen unterbrach.

In der ersten Septemberwoche 2026 kam es am Umspannwerk Bergheim-Rheidt des Betreibers Amprion zu einem Erdschluss durch eine gezielte Attacke. Ein großflĂ€chiger Stromausfall konnte hier nur durch Krisenvorsorge verhindert werden.

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Zudem meldete die Polizei in Sachsen Anfang September den Fund von 21 GerĂ€ten an Hochspannungsleitungen. Am 8. September 2026 nahmen Beamte zudem einen 48-jĂ€hrigen VerdĂ€chtigen nahe dem Kraftwerk Weisweiler fest, der Sprengstoff mit sich fĂŒhrte und mit Sabotageakten in mehreren BundeslĂ€ndern in Verbindung gebracht wird.

Forderungen nach staatlicher Koordination und neuen Befugnissen

Innerhalb der Energiewirtschaft wird der Ruf nach klareren Strukturen laut. Uniper-Chef Michael Lewis forderte die Einrichtung einer zentralen staatlichen Einheit fĂŒr den KRITIS-Schutz. Zudem bemĂ€ngelte er Unklarheiten bei fehlenden Regelungen im seit MĂ€rz 2026 geltenden KRITIS-Dachgesetz.

Auch der Betreiber Netze BW sieht Bedarf fĂŒr eine bessere Koordination zwischen Bund, LĂ€ndern und Unternehmen sowie fĂŒr zusĂ€tzliche finanzielle Mittel fĂŒr Sicherheitsinvestitionen. Das Unternehmen verwaltet ein Netz von 100.000 Kilometern LĂ€nge und verzeichnet jĂ€hrlich rund 4.500 Störungen.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Überwachung und Abwehr von Drohnen. E.ON-Chef Birnbaum sprach sich fĂŒr einen verstĂ€rkten Einsatz von Drohnen zur Überwachung von Netzanlagen aus, sieht jedoch Hindernisse im Luftraumrecht, im Datenschutz und bei Genehmigungsverfahren.

Amprion-Chef MĂŒller betonte hingegen, dass die aktive Drohnenabwehr unter das staatliche Gewaltmonopol falle und keine Aufgabe der Unternehmen sei. Er forderte stattdessen eine lĂŒckenlose VideoĂŒberwachung des Anlagenumfelds.

Bundesinnenminister Dobrindt wiederum beabsichtigt, den Betreibern die Drohnenabwehr kĂŒnftig ausdrĂŒcklich zu erlauben. In Brandenburg wird bereits an einem Gesetzentwurf gearbeitet, der Betreibern die Abwehr per Beleihung ermöglichen soll.

Regionale Initiativen und InvestitionsplÀne

Auf Landesebene werden bereits spezifische Maßnahmen umgesetzt. Der baden-wĂŒrttembergische Innenminister Manuel Hagel kĂŒndigte an, die Betreiberpflichten zu verschĂ€rfen. Bis zum Jahresende sollen KRITIS-Anlagen beispielsweise bei Kartendiensten wie Google Earth verpixelt werden. Zudem hat Baden-WĂŒrttemberg ein Abkommen mit der Ukraine geschlossen, das den Austausch zu Spionage, CyberkriminalitĂ€t und Drohnentechnologie regelt.

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Parallel zum Sicherheitsausbau treiben die Betreiber den Netzausbau voran. Netze BW und EnBW planen bis zum Jahr 2045 Investitionen in Höhe von ĂŒber 35 Milliarden Euro. Geplant sind unter anderem 2.900 Kilometer neue Hochspannungsleitungen und die Erweiterung von 90 Prozent der Umspannwerke.

Um diese Prozesse zu beschleunigen, plant Baden-WĂŒrttemberg fĂŒr den Herbst 2026 eine Task Force, welche die ZeitrĂ€ume fĂŒr den Netzausbau von zehn auf fĂŒnf bis sieben Jahre senken soll. Laut Expertenmeinung umfasst die kritische Infrastruktur in Deutschland mittlerweile ĂŒber 8.000 Einheiten, wĂ€hrend europaweit mehr als 40.000 Anlagen geschĂŒtzt werden mĂŒssen.

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