Kunsttherapie bei chronischen Erkrankungen: Gemälde senken Cortisol um 22 Prozent
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Diagnose und Bewältigung einer chronischen Erkrankung stellt Betroffene oft vor erhebliche seelische Belastungen. Neben der klassischen medizinischen Versorgung rücken zunehmend ergänzende Formate in den Fokus, die auf psychische Unterstützung und gezielte Stressreduktion abzielen. Das Spektrum reicht von patientengerechten Audioformaten über künstlerische Ausdrucksformen bis hin zu bewegungstherapeutischen Ansätzen.
Digitale Informationsangebote und Entlastung im Alltag
Um Patientinnen und Patienten eine Informationsaufnahme ohne Zeitdruck zu ermöglichen, entstehen spezialisierte Medienangebote. An der Universitätsklinik Mainz betreiben onkologische Fachpflegekräfte beispielsweise den Podcast „Meenzer Onkoschwestern“. Das Format richtet sich an Krebspatienten und vermittelt praxisnahes Wissen, das die Hörerinnen und Hörer im jeweils eigenen Tempo rezipieren können.
Dass der Bedarf an Konzepten zur Stressbewältigung generell hoch ist, unterstreicht eine Umfrage der KKH unter 1.005 gesetzlich und privat versicherten Personen ab 18 Jahren. Darin gaben 54 Prozent an, mehr Stress zu erleben als vor ein bis zwei Jahren.
Zudem berichteten 61 Prozent über Müdigkeit oder Schlafstörungen, 57 Prozent fühlten sich erschöpft oder ausgebrannt, und bei mehr als jeder dritten Person traten gedrückte Stimmungen bis hin zu depressiven Verstimmungen auf. Obwohl 70 Prozent eine langfristige Gesundheitsvorsorge für wichtig erachten, nehmen sich lediglich 33 Prozent in stressigen Zeiten aktiv Zeit dafür.
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Kulturelle Aktivitäten und therapeutische Interventionen
Kreative Ansätze werden parallel dazu in der stationären und ambulanten Versorgung verankert. Die Elbe Kliniken Stade, die jährlich rund 45.000 stationäre und 190.000 ambulante Patientinnen und Patienten versorgen, setzen auf Kunsttherapie als nicht-medikamentöses Angebot im Einzel- und Gruppensetting.
Die Methoden umfassen unter anderem Malerei, Tonarbeit, Collagen, Fotografie und Buchbinden und kommen wöchentlich auf geschlossenen Stationen sowie in der Tagesklinik und der psychiatrischen Institutsambulanz zum Einsatz.
Auf physiologischer Ebene untersuchen Studien die Wirkung kultureller Reize. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Untersuchung mit 50 gesunden Erwachsenen im Alter von 18 bis 40 Jahren zeigte, dass die rund 20-minütige Betrachtung von Originalgemälden in einer Galerie mit einem Rückgang des Cortisolspiegels um etwa 22 Prozent und des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-6 um rund 30 Prozent einherging.
Eine Kontrollgruppe mit Bildreproduktionen wies dieses koordinierte Muster nicht auf. Wegen der geringen Stichprobengröße von 25 Personen pro Gruppe lassen sich daraus jedoch keine direkten Therapieempfehlungen ableiten.
Ergänzend dazu dokumentierte eine in den PNAS publizierte Studie des Institute of Psychology der Chinese Academy of Sciences an 120 gesunden jungen Erwachsenen, dass Musik in der Erholungsphase nach einer akuten Stressbelastung die Normalisierung körperlicher Parameter und die Stimmungsaufhellung beschleunigte.
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Körperorientierte Methoden und soziale Faktoren
Als weitere supportive Maßnahme gewinnt die Bewegungstherapie an Bedeutung. Nach Angaben von Richard Crevenna von der MedUni Wien kann Qigong Muskelverspannungen lösen, Schmerzen lindern und Beweglichkeit fördern.
Crevenna verweist darauf, dass die Methode eine sinnvolle Ergänzung in der supportiven Krebstherapie darstelle und positive Effekte auf tumorbedingte Fatigue sowie den Schlaf zeigen könne, eine medizinische Behandlung aber nicht ersetze.
Für die rund 1,8 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen in Österreich bieten sich solche Verfahren zur Schmerzlinderung an; in Wien finden hierzu vom 2. Oktober bis 4. Dezember 2026 geförderte Kurse statt.
Neben aktiven Übungen bleibt das persönliche Umfeld ein maßgeblicher Schutzfaktor. Eine an der Hebrew University Jerusalem durchgeführte Untersuchung verdeutlichte, dass die Anwesenheit vertrauter Bezugspersonen Stressreaktionen und Stoffwechselwerte nach Belastungen schneller stabilisieren kann, was den Stellenwert sozialer Unterstützung bei chronischen Belastungen unterstreicht.
