Kurkuma-Studie, Präparate

Kurkuma-Studie: 76 Prozent der Präparate ohne echte Wirkung

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kritische Analyse zeigt: Viele Nahrungsergänzungsmittel halten wissenschaftlicher Prüfung nicht stand. Studien belegen teils erhebliche Wirkungslücken.

Supplement-Markt: Kurkuma, Kreatin & Co. zwischen Hype und Fakten
Ein Labor mit einer Petrischale voller Kurkumapulver vor verschwommenen wissenschaftlichen Instrumenten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der Branche für Nahrungsergänzungsmittel wächst die Kritik an der wissenschaftlichen Validität vieler Vermarktungsstrategien. Unternehmer bemängeln zunehmend, dass eine fundierte Datengrundlage für zahlreiche Produkte fehle. Während der Markt für Supplemente stetig wächst, deuten aktuelle Analysen und Studien auf erhebliche Lücken zwischen Werbeversprechen und tatsächlicher Evidenz hin.

Der Fall Kurkuma: Datenmanipulation und Bioverfügbarkeit

Ein prominentes Beispiel für die Diskrepanz zwischen Vermarktung und Wissenschaft stellt das Gewürz Kurkuma beziehungsweise dessen Wirkstoff Curcumin dar. Eine Marktanalyse der MHH untersuchte 125 verschiedene Kurkuma-Präparate und stellte fest, dass 76 Prozent der in Deutschland erhältlichen Produkte Bioverfügbarkeits-Verstärker enthalten. Diese Zusätze sollen die Aufnahme des Wirkstoffs verbessern, stehen jedoch in der Kritik hinsichtlich ihrer tatsächlichen Wirksamkeit im menschlichen Organismus.

Zudem belasten wissenschaftliche Unregelmäßigkeiten den Sektor. Bharat Aggarwal vom MD Anderson Cancer Center steht im Zentrum einer Debatte, nachdem mindestens 30 seiner wissenschaftlichen Arbeiten zu Curcumin aufgrund manipulierter Daten zurückgezogen werden mussten. Parallel dazu zeigen klinische Untersuchungen des Amsterdam UMC ernüchternde Ergebnisse. In einer Humanstudie aus dem Jahr 2023 mit 47 Teilnehmern lagen die gemessenen Blutwerte von Curcumin weit unter den für eine Wirkung notwendigen Konzentrationen. Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2025, an der neun Männer teilnahmen, bestätigte diese Befunde selbst für hochdosierte Präparate.

Neben der fragwürdigen Wirksamkeit werden Sicherheitsbedenken laut. Bei hochdosierten Kurkuma-Produkten sind seltene Leberschäden als mögliche Nebenwirkung dokumentiert. Meta-Analysen zur Anwendung bei Arthrose deuten zwar auf eine mögliche Besserung hin, stufen die Evidenzlage jedoch insgesamt als unsicher ein.

Kreatin und Protein: Zwischen Leistungssport und Onkologie

Auch bei etablierten Supplementen wie Kreatin differenzieren Experten zwischen nachgewiesenen Effekten und überzogenen Erwartungen. Dr. Hülsemann von der Sporthochschule Köln weist darauf hin, dass die Leistungssteigerung durch Kreatin bei kurzen, intensiven Belastungen lediglich ein bis zwei Prozent betrage. Eine tägliche Einnahme von drei Gramm gelte jedoch als unbedenklich.

Interessante Impulse kommen aus der präklinischen Forschung. Eine iScience-Studie aus dem Jahr 2026 zeigt im Mausmodell, dass Kreatin dritische Zellen unterstützt und das Wachstum von Melanomen verlangsamen kann. Bereits eine Veröffentlichung im JEM aus dem Jahr 2019 legte nahe, dass CD8-T-Zellen von Kreatin profitieren könnten, insbesondere in Kombination mit einer PD-1-Blockade. Eine Darmkrebs-Studie aus dem Jahr 2025 beschreibt zudem, dass Kreatin den ERK2-FSP1-Signalweg hemmen und so die Wirkung von Anti-PD-1-Therapien verbessern könne. Die Forscher betonen jedoch, dass diese Ergebnisse aus dem Labor stammen und keine Empfehlung für Krebspatienten darstellen.

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Im Bereich der Proteinzufuhr korrigieren Experten gängige Mythen. Während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine Zufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht empfiehlt und die meisten Menschen als überversorgt einstuft, halten andere Fachleute einen Bereich von 1,2 bis 1,6 Gramm für sinnvoll. Dabei sei die Qualität des Proteins wichtiger als die reine Menge. Es wird klargestellt, dass Protein allein keine Muskeln aufbaue, sondern zwingend ein begleitendes Krafttraining erfordere.

Ballaststoffe und Pflanzenextrakte: Evidenz vs. Dosierung

Die Differenz zwischen Empfehlung und Realität zeigt sich auch bei Ballaststoffen. Die DGE rät zu 30 Gramm täglich, während der tatsächliche Verzehr im Schnitt bei etwa 20 Gramm liegt. Ein übermäßiger Konsum, oft als „Fibermaxxing“ bezeichnet, könne laut DGE jedoch zu Verdauungsbeschwerden führen.

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Positivere Evidenz liegt für spezifische Fasern vor. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023, die 22 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) auswertete, ergab, dass Hefe-Beta-Glucan das Risiko für Atemwegsinfektionen um 25 Prozent senken kann. Für Beta-Glucan aus Hafer zeigten 58 Studien, dass drei Gramm täglich den LDL-Cholesterinspiegel um 10 bis 15 mg/dL reduzieren können. Bei Typ-2-Diabetikern führte eine Dosis von fünf Gramm täglich über sechs Wochen zu einer Senkung des Nüchternblutzuckers um 18 Prozent.

Vorsicht mahnen Experten hingegen bei anderen Pflanzenstoffen an. Bockshornklee könne zwar den Blutzucker und den HbA1c-Wert senken, die Wirkung auf den Testosteronspiegel sei jedoch nur bei bereits niedrigen Werten nachweisbar. Vor Risiken wird bei Lakritze gewarnt: Der Inhaltsstoff Glycyrrhizin könne bei einer Aufnahme von mehr als 100 Milligramm pro Tag den Blutdruck erhöhen und zu Wassereinlagerungen sowie Muskelschwäche führen. Zudem könne in Lakritze enthaltenes Ammoniumchlorid Übelkeit und neurologische Störungen hervorrufen.

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