Kyphoplastie, Betroffene

Kyphoplastie: Viele Betroffene können nach ein bis zwei Tagen wieder gehen

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vertebroplastie und Kyphoplastie können Schmerzen lindern; Forschungsteams erproben elastischere Zemente, die Wärmeentwicklung vermeiden.
Ein steriler Operationsraum mit einem modernen C-Bogen Röntgengerät über einem unbesetzten Operationstisch. Illustration mit AI erstellt.

Die perkutane Vertebroplastie und Kyphoplastie gehören zu den etablierten minimalinvasiven Eingriffen, um osteoporotische Wirbelkörperkompressionsfrakturen rasch zu stabilisieren.

Daten der International Osteoporosis Foundation (IOF) verdeutlichen die Dimension der zugrundeliegenden Erkrankung: Weltweit ereignen sich jährlich rund 8,9 Millionen osteoporotische Frakturen, was statistisch einem Knochenbruch alle drei Sekunden entspricht.

Angesichts der Häufigkeit solcher Verletzungen gewinnen Verfahren an Bedeutung, die eine zeitnahe Mobilisierung ermöglichen und längere Bettlägerigkeit verhindern.

Stabilisierung durch Zementinjektion unter Bildgebung

Bei fortgeschrittenem Knochenabbau können bereits alltägliche Belastungen wie Bücken, das Heben von Lasten oder minimale Stöße zu einem Einbrechen der Wirbelkörper führen. Typische Symptome sind akute Rückenschmerzen, Beschwerden beim Husten sowie drohende Deformitäten der Wirbelsäule.

Bei der perkutanen Vertebroplastie und der Ballon-Kyphoplastie wird über einen kleinen Zugang am Rücken unter kontinuierlicher Bildgebung Knochenzement direkt in den frakturierten Wirbel injiziert.

Der Eingriff erfolgt meist unter lokaler Betäubung und nimmt in der Regel etwa 30 bis 60 Minuten in Anspruch. Gewebetrauma und Blutverlust bleiben bei der perkutanen Durchführung gering.

Bei den meisten behandelten Personen lässt der Schmerz rasch nach, häufig bereits innerhalb von 24 bis 48 Stunden. In der Praxis können viele Patienten bereits nach ein bis zwei Tagen – gestützt durch eine entsprechende Bandage – wieder aufstehen und sich bewegen.

Risiken, Indikationen und Grenzen des Verfahrens

Mediziner betonen, dass eine Zementinjektion nicht für jeden Patienten gleichermaßen infrage kommt. Die Indikation muss anhand der genauen Fraktursituation und des Schmerzbildes gestellt werden. Wie jeder chirurgische Eingriff birgt auch dieses Verfahren Risiken: Neben Infektionen, Blutungen, Nervenschäden und allergischen Reaktionen besteht die Gefahr einer Zementleckage in umliegendes Gewebe.

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Zudem heilt das Einbringen von Zement die Osteoporose als Grunderkrankung nicht und schützt nicht vor neuen Frakturen an anderen Skelettpartien wie Hüfte oder Handgelenk. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen richtet sich nach den geltenden Regelungen und dem individuellen Krankheitsbild.

Auch im Rahmen von Fachveranstaltungen wird die Weiterentwicklung dieser Techniken thematisiert: An der Stadtklinik Hemer referiert der Chefarzt für Wirbelsäulenchirurgie und Orthopädie, Dr. Karsten Knizia, am Mittwoch, 28. Oktober, um 17 Uhr über minimalinvasive und endoskopische Operationsverfahren an der Lendenwirbelsäule, einschließlich der Stabilisierung über kleine Zugänge.

Forschung an bioaktiven Zementen der nächsten Generation

Klassischerweise kommt bei der Wirbelkörperaugmentation Polymethylmethacrylat (PMMA) zum Einsatz. Um dessen Nachteile wie starke Wärmeentwicklung beim Aushärten und ein verändertes biomechanisches Verhalten abzufedern, arbeiten Forschungsteams der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), der Universität Genf (UNIGE) sowie des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) an neuen Werkstoffen.

Die Wissenschaftler entwickeln eine injizierbare Paste auf Basis von Alpha-Trikalziumphosphat (?-TCP). Diese kristallisiert bei einer Körpertemperatur von 37 Grad Celsius zu kalziumdefizientem Hydroxylapatit (CDHA) und vermeidet dadurch thermische Gewebeschäden.

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Ein weiterer Vorteil liegt in der Elastizität: Mit einem Elastizitätsmodul von 0,1 bis 1,0 Gigapascal (GPa) liegt das neue Material deutlich unter den 2,0 bis 3,0 GPa von herkömmlichem PMMA. Dies vermindert das Risiko von Spannungsabschirmungen und Folgefrakturen an benachbarten Wirbelkörpern.

Vorbeugung und Schutz vor Folgekomplikationen

Eine zügige Mobilisierung ist bei älteren Betroffenen von zentraler Bedeutung, da eine längere Bettruhe das Risiko von Folgekomplikationen wie Lungenentzündungen und Druckgeschwüren drastisch steigert. Fachleute weisen daher darauf hin, dass neben operativen Maßnahmen die Prophylaxe essenziell bleibt.

Regelmäßige Knochendichtemessungen ab dem 50. Lebensjahr, eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D sowie Übungen zum Erhalt von Muskelkraft und Gleichgewichtssinn bilden die Basis, um Frakturen wirksam vorzubeugen.

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