Lachen: Meta-Analyse zeigt 31,9 Prozent weniger Cortisol nach Interventionen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deEinfache körperliche Handlungen und Reize wie Lachen, Berührung oder Wärmeanwendungen können die Ausschüttung von Botenstoffen wie Oxytocin oder Endorphinen anregen und das Wohlbefinden beeinflussen. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen und klinische Erhebungen untersuchen die physiologischen Mechanismen, über die solche Reize Stressreaktionen dämpfen und körperliche sowie psychische Beschwerden lindern können.
Neurobiologie und Wirkung des Lachens
Lachen tritt überwiegend im sozialen Austausch auf. In Gesprächen ist die Wahrscheinlichkeit zu lachen etwa 30-mal höher als in Situationen allein. Im Schnitt verzeichnen Menschen rund sechs kurze, tiefere Lacher pro zehn Minuten Konversation.
Intensiveres, hilfloses Lachen fällt länger und höher aus und aktiviert zwei unterschiedliche Netzwerke im Gehirn: Einerseits sprechen der vordere cinguläre Cortex, der Temporallappen sowie subkortikale Regionen an, die evolutionär älter sind und mit angenehmen Empfindungen sowie dem Opioid- und Serotonin-System in Verbindung stehen.
Andererseits werden motorische und prämotorische Areale aktiviert, die keine Emotionen abbilden, jedoch die Sprachfähigkeit vorübergehend beeinträchtigen. Bei Untersuchungen im Rahmen der Epilepsiechirurgie am Niguarda Hospital in Mailand zeigte sich zudem, dass eine elektrische Stimulation in fünf bis sechs Hirnarealen lautes Lachen auslösen kann.
Neben neurobiologischen Effekten hat das Lachen messbare physische Konsequenzen. Zehn bis 15 Minuten Lachen verbrennen schätzungsweise 10 bis 40 Kilokalorien zusätzlich, während Beteiligte von gesteigerter Energie und geringeren Hemmungen berichten.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die acht Studien mit insgesamt 315 Teilnehmenden zusammenfasste, ermittelte nach Lachinterventionen im Schnitt um 31,9 Prozent niedrigere Cortisolwerte im Vergleich zu Kontrollgruppen.
In der Praxis kommen solche Ansätze sowohl im präventiven als auch im klinischen Rahmen zum Einsatz. Lachcoach Geert Van De Vijver verfügt über 20 Jahre Erfahrung mit mehr als 35.000 Teilnehmenden und veranstaltete eine Jubiläumssession im Gentse Wintercircus für fünf Euro Teilnahmegebühr.
In einer türkischen Studie von Goncagul Aldan am Ankara Bilkent Hospital wurden 63 COPD-Patienten in drei gleich große Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe absolvierte über acht Wochen dreimal wöchentlich je 30 Minuten eine Lachtherapie mit Übungen, rhythmischen Bewegungen und bewusster Atmung.
Die Teilnehmenden wiesen nach acht Wochen weniger Atemnot und eine verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität auf, wobei die positiven Effekte über das Studienende hinaus anhielten.
Das Lachen trainiert das kräftigere Ausatmen, unterbricht den Teufelskreis aus Angst und Atemnot und trägt durch Endorphin-Ausschüttung zur Entspannung bei. Die Vergleichsgruppen nutzten die Lippenbremse oder erhielten eine Standardbehandlung.
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Effekte von Wärme und Hyperthermie
Auch thermische Einflüsse wirken auf das Nervensystem. An der University of Wisconsin-Madison zeigte eine Landmark-Studie vor zehn Jahren mit 30 depressiven Personen, dass eine rund zweistündige Ganzkörper-Infrarotanwendung auf 38,5 Grad Celsius bei der Mehrheit zu einer Symptomreduktion von 50 Prozent innerhalb einer Woche führte.
Dieser Effekt blieb über ein Follow-up von sechs Wochen bestehen. Daten von fast 20.000 Personen, die Ashley Mason von der University of California, San Francisco (UCSF) untersuchte, deuten darauf hin, dass depressive Menschen eine höhere Hauttemperatur und eine geringere tägliche Schwankung aufweisen.
Zwei kleine Pilotstudien kombinierten zudem acht Wochen kognitive Verhaltenstherapie mit vier Sitzungen Infrarot-Hyperthermie; die meisten Teilnehmer erreichten eine Remission.
Aktuell rekrutiert Eva Hilland von der Oslo Metropolitan University 50 Personen für eine randomisierte kontrollierte Studie mit zwei wöchentlichen Saunasitzungen in Osloer Hafensaunen in Verbindung mit psychischen Gesundheitsroutinen.
Regelmäßige Saunagänge werden zudem mit präventiven Langzeiteffekten assoziiert. Eine Langzeitstudie des Finnish Institute for Health and Welfare mit knapp 14.000 Männern und Frauen im Alter von 30 bis 69 Jahren über einen Beobachtungszeitraum von 20 Jahren ergab bei neun bis zwölf Saunagängen im Monat ein um mehr als die Hälfte reduziertes Demenzrisiko im Vergleich zu maximal vier Besuchen pro Monat.
Studienleiter Paul Knekt vermutet, dass bereits drei Saunabesuche pro Monat mit einem deutlich verringerten Risiko verbunden sein könnten, wenngleich eine Kausalität nicht belegt ist.
Zudem zeigte sich in der finnischen Erhebung bei zwei bis drei Besuchen pro Woche ein um 24 Prozent geringeres Hypertonie-Risiko und bei vier bis sieben Besuchen pro Woche ein um 45 Prozent niedrigeres Risiko als bei einem wöchentlichen Gang.
Sascha Ketelhut von der Universität Bern empfiehlt ein- bis dreimal wöchentlich Sauna mit ein bis drei Tagen Pause. Dabei genügen acht bis 15 Minuten pro Durchgang bei maximal drei Durchgängen, während in Finnland oft 20 bis 30 Minuten bei 80 bis 100 Grad Celsius üblich sind.
Wärme zeigt auch in anderen Therapieformen Resultate. Eine in Frontiers in Integrative Neuroscience veröffentlichte Studie des Affiliated Hospital of Jiangnan University in Wuxi untersuchte 204 Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen, die über vier Wochen 20 Sitzungen wärmesensitive Moxibustion erhielten.
Die Schmerzwerte auf der visuellen Analogskala fielen von 5,87 auf 2,21, was einer Reduktion von 3,66 entspricht. Der Oswestry Disability Index sank von 33,86 auf 18,42. 117 von 186 Patienten sprachen mit einer Schmerzreduktion von mindestens 50 Prozent an, während die Abbruchquote bei 8,8 Prozent lag. Es traten 28 selbstlimitierende unerwünschte Ereignisse bei 24 Patienten auf.
Gleichzeitig sank der Entzündungsmarker hs-CRP von 4,72 auf 2,53 Milligramm pro Liter. Der Anstieg von Beta-Endorphin korrelierte mit der Schmerzlinderung und erklärte 44,9 Prozent des Mediationseffekts. Die Untersuchung verfügte über keine Kontrollgruppe und keine Verblindung.
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Körperliche Nähe und hormonelle Balance
Neben Lachen und Wärme wirkt auch physischer Kontakt regulierend auf das Hormonsystem. Häufiger Hautkontakt zwischen Eltern und Kindern wie Umarmen, Streicheln oder Massieren stimuliert die Ausschüttung von Oxytocin, stabilisiert die Emotionen, stärkt die Stresstoleranz und unterstützt die Gehirnentwicklung.
Oxytocin balanciert zudem das vegetative Nervensystem aus. Ein Mangel an Körperkontakt kann hingegen die Ausschüttung von Cortisol in der Nebennierenrinde beeinflussen; übermäßige Mengen des Hormons können die Darmbewegung beeinträchtigen und das Mikrobiom stören.
Zwischenartliche Effekte analysierte eine Studie der Kyoto-Universität an 29 Katzen und 19 Haltern über einen Monat unter Einsatz von BLE-Beacons, Urin-Hormonanalysen und Fragebögen.
Die Forscher stellten eine positive Korrelation der Oxytocin-Werte zwischen Tieren und Menschen fest. Höhere Oxytocin-Spiegel der Katzen gingen mit niedrigeren Cortisol-Werten und weniger negativen Emotionen der Halter einher.
Eine verbesserte Stimmung der Besitzer war dabei nicht an die Dauer der Haltung, sondern an physische Nähe gekoppelt, wobei es sich um Assoziationen und keinen Kausalnachweis handelt. Die Ergebnisse unterstreichen in der Gesamtschau das Potenzial elementarer Reize für die körpereigene Stressregulation.
