Ladeinfrastruktur, Batterien

Ladeinfrastruktur: Batterien als virtuelle Speicher gegen Lastspitzen

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsprojekte und neue Produkte verbessern die Zuverlässigkeit industrieller Ladesysteme und senken Ausfallzeiten mobiler Arbeitsgeräte.

Ladeinfrastruktur: Neue Technologien für stabile Energieversorgung in der Industrie
Modernes industrielles Ladesystem für mobile Arbeitsgeräte in einer Fabrikhalle mit Fokus auf Energieeffizienz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur hat sich zu einem kritischen Faktor für die Aufrechterhaltung der betrieblichen Produktivität entwickelt. Defekte an Ladestationen oder ineffiziente Batteriemanagementsysteme führen bei mobilen Arbeitsgeräten unmittelbar zu Ausfallzeiten und einer verringerten Akku-Lebensdauer. Aktuelle technologische Entwicklungen und Forschungsergebnisse zeigen Wege auf, wie Unternehmen die Verfügbarkeit ihrer mobilen Flotten sichern und die Effizienz ihrer Energiesysteme steigern können.

Industrielle Gleichspannungsnetze und bidirektionale Nutzung

Ein zentraler Ansatz zur Stabilisierung industrieller Energieversorgungen wurde im Forschungsprojekt DCI4Charge untersucht, das im April 2026 abgeschlossen wurde. Die Projektpartner, zu denen unter anderem das Fraunhofer IPA, die TH OWL, das Fraunhofer IISB sowie die Unternehmen Ambibox, Eaton und Weidmüller gehörten, demonstrierten dabei die Integration von E-Auto-Ladeinfrastruktur in industrielle Gleichspannungsnetze (DC-Netze).

Die im Rahmen des Projekts eingesetzten DC/DC-Wandler erzielen hohe Wirkungsgrade und ermöglichen das bidirektionale Laden. Ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung ist die Funktion der Fahrzeugbatterien als virtuelle Speicher. Diese dienen dazu, Lastspitzen im Netz abzufedern. Darüber hinaus fungieren die Batterien der Elektroautos als flexible Notfallreserve, um Spannungsschwankungen innerhalb des industriellen Gleichspannungsnetzes auszugleichen und so die Versorgungssicherheit für angeschlossene Systeme zu erhöhen.

Automatisierung und Analyse in der Ladetechnik

Für den Bereich der schweren Nutzfahrzeuge hat das Fraunhofer IVI ein Unterflur-Ladesystem namens Underbody Charging System (UBCS) entwickelt. Diese Lösung ist für Ladeleistungen im Megawattbereich konzipiert und ermöglicht einen vollautomatischen Ladevorgang von unten, ohne dass offen liegende Kabel benötigt werden. Das System gilt als vandalismussicher und wurde als Finalist für den The Smarter E Award nominiert. Ergänzend dazu ermöglicht die Plattform IVImon eine detaillierte Analyse der Betriebskosten der Ladeinfrastruktur, was die wirtschaftliche Planung und den effizienten Betrieb unterstützt.

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Im Bereich der gewerblichen und privaten Wallboxen wurden ebenfalls Fortschritte erzielt. Das Unternehmen MENNEKES führt mit der Serie AMTRON 4Business 700 eine Lösung für den gewerblichen Einsatz ein, die über Protokolle wie OCPP, ein Mobilfunkmodem sowie RFID-Funktionen verfügt. Eine eichrechtskonforme Variante ist laut Herstellerangaben bereits seit Oktober 2024 verfügbar. Für das Laden im privaten Umfeld ist das Programm AMTRON 4You vorgesehen, das in verschiedenen Leistungsklassen angeboten wird.

Absicherung gegen Spannungsschwankungen und vorausschauende Wartung

Um Produktivitätsverluste durch Netzinstabilitäten direkt an der Maschine zu verhindern, kommen spezialisierte Hardware-Komponenten zum Einsatz. Weidmüller bietet hierfür die Gleichstrom-USV Duramax für 24-Volt-Anwendungen an. Das System schaltet bei Spannungsschwankungen auf externe Batterien um und erfüllt die Anforderungen des Cyber Resilience Act.

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Parallel dazu gewinnen Lösungen für die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) an Bedeutung, um mechanische Ausfälle der Infrastruktur zu minimieren. Das Edge-Modul i.Cee² von Igus erfasst Maschinendaten wie Strom, Temperatur und Feuchtigkeit lokal und analysiert diese ohne zwingende Internetverbindung. Über diverse Schnittstellen wie CAN, RS485 oder RJ45 lassen sich die Daten in bestehende IT-Strukturen integrieren, um Wartungsbedarfe frühzeitig zu identifizieren.

Mobile Anwendungen und flexible Stromversorgung

Auch bei spezialisierten Arbeitsgeräten in der Fertigung setzt sich die Akku-Technologie weiter durch. HAHN+KOLB vertreibt mobile Misch- und Dosiersysteme von FLACO für Kühlschmierstoffe, die akkubetrieben arbeiten und digital steuerbar sind. In der Pro-Variante werden Prozessdaten gemäß TRGS 611 dokumentiert, was die regulatorische Konformität im industriellen Einsatz sicherstellt.

Für die mobile Stromversorgung von Kleingeräten im Arbeitsalltag werden zudem modular konzipierte Lösungen relevanter. Nimble bietet mit SharePower eine teilbare Powerbank an, die eine Gesamtkapazität von 10.000 mAh aufweist. Das System lässt sich magnetisch in zwei Module zu je 5.000 mAh trennen. Während der Preis beim Hersteller mit 79,95 US-Dollar (ca. 69,30 Euro) angegeben wird, ist das Produkt bei Apple für 69,95 Euro gelistet. Solche flexiblen Energielösungen tragen dazu bei, die Einsatzbereitschaft mobiler Endgeräte auch abseits fester Ladestationen zu gewährleisten.

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