Langlebigkeit: Sardische Hundertjährige haben 5× mehr Akkermansia
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 07:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine Studie der Universität Hohenheim deutet darauf hin, dass die absolute Menge der Darmbakterien eine entscheidende Rolle spielt.
In Versuchen mit Mäusen erzielten sowohl ballaststoffreiche Ernährung als auch Intervallfasten ähnliche entzündungshemmende Wirkungen. Die bakterielle Zusammensetzung unterschied sich in beiden Gruppen – die positiven Effekte blieben aber vergleichbar. Die Forscher plädieren daher für eine stärkere Berücksichtigung der Bakterienmenge in Diagnostik und Therapie.
Darmflora und Alter: Weniger Vielfalt, mehr Risiko
Eine Untersuchung der Universität Göteborg, veröffentlicht in Nature Communications, zeigt einen klaren Zusammenhang. Die Analyse von über 2.000 schwedischen Frauen zwischen 75 und 80 Jahren ergab: Eine geringere Diversität der Darmflora korreliert mit höherer Gebrechlichkeit und gesteigertem Sturzrisiko.
Statistisch ließen sich 404 Bakterienarten mit dem Gebrechlichkeitsindex verknüpfen. Bakterien der Gattung Faecalibacterium waren mit besserer körperlicher Verfassung assoziiert, während Keime wie Enterocloster oder Clostridium häufiger bei Frauen mit höherem gesundheitlichem Risiko auftraten. Eine chinesische Vergleichsgruppe stützte die Ergebnisse – eine Kausalität sei damit aber noch nicht belegt, betonen die Forscher.
Hundertjährige: Sardinien liefert Hinweise auf Langlebigkeitskeim
Die sogenannten „Blue Zones“ – Regionen mit ungewöhnlich vielen Hundertjährigen – stehen im Fokus der Forschung. Eine Analyse von NB1 und DataPulse Research untersuchte die Darmflora sardischer Männer, die dort fast ebenso oft 100 Jahre alt werden wie Frauen.
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Das Ergebnis: Sardische Hundertjährige weisen eine fast fünfmal höhere Konzentration des Bakteriums Akkermansia muciniphila auf als Vergleichsgruppen. Ihm wird zugeschrieben, die Darmbarriere zu stärken und die Ausschüttung des Stoffwechselhormons GLP-1 anzuregen. Eine pflanzliche, ballaststoffreiche Ernährung gilt als förderlich für die Ansiedlung dieses Keims.
KI soll personalisierte Ernährung ermöglichen
Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) arbeitet seit Mitte Juli an einer KI-basierten Plattform namens „CPN-Map“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt über fünf Jahre mit 1,8 Millionen Euro.
Ziel ist es, Daten aus Wearables, Stoffwechselanalysen und Mikrobiom-Profilen zu integrieren. Daraus sollen individuelle Ernährungsempfehlungen entstehen, die chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Übergewicht vorbeugen. Auch das US-Unternehmen Juno Bio sicherte sich im Juli frisches Kapital – 3,8 Millionen Dollar für den Ausbau von Diagnoseplattformen auf Basis von Next-Generation-Sequencing.
Boom der Stuhltests: Experten mahnen zur Vorsicht
Die Nachfrage nach privaten Mikrobiom-Analysen steigt deutlich. Beobachter make dafür unter anderem populärwissenschaftliche Dokumentationen auf Streaming-Plattformen verantwortlich. Anbieter wie medivere oder das Institut Allergosan bieten verschiedene Verfahren an – die Preisspanne reicht von rund 100 Euro bis über 450 Franken.
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Fachleute sehen den Trend kritisch. Viele der angebotenen Tests seien wissenschaftlich noch nicht ausreichend validiert. Eine internationale Expertengruppe rät derzeit von einer rein kommerziellen Nutzung ohne medizinische Begleitung ab. Die Interpretation der komplexen Daten bleibe schwierig.
Unbestritten bleibt dagegen der Nutzen einer ballaststoffreichen Ernährung. Fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi oder Kefir gelten als unterstützend für die Darmflora – wobei die individuelle Verträglichkeit variieren kann. Ein ungünstiges Mikrobiom wird weiterhin mit einem erhöhten Risiko für entzündliche Darmerkrankungen, Adipositas und neurologische Erkrankungen wie Alzheimer oder Depressionen in Verbindung gebracht.
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