Wasserkreislauf, Klimakrise

Experten: Wasserkreislauf der Erde aus dem Gleichgewicht

12.10.2023 - 10:42:39

Laut einem Bericht haben mindestens 40 Prozent der Weltbevölkerung mindestens einen Monat pro Jahr nicht ausreichend Trinkwasser zur VerfĂŒgung. Das schreibt die WMO in einem Bericht.

Der Wasserkreislauf der Erde gerĂ€t nach einem Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) infolge des Klimawandels und menschlicher AktivitĂ€ten aus dem Gleichgewicht. «Wir haben global weniger Wasser in Reservoiren und wir haben Grundwasser verloren», sagte WMO-Chef Petteri Taalas am Donnerstag in Genf. Quantifizieren lasse sich das noch nicht. Verwertbare Daten ĂŒber die Wasserreserven liegen nach Angaben der WMO erst seit 2002 vor. Seitdem geht der Trend abwĂ€rts, geht aus dem Bericht «Zustand der globalen Wasserressourcen 2022» hervor.

Wichtig sei es, das Wassermanagement zu verbessern, sagte Stefan Uhlenbrook, Direktor der WMO-Abteilung fĂŒr Wasser und KryosphĂ€re, womit die mit Eis bedeckten FlĂ€chen gemeint sind. 70 Prozent des Wassers entfalle auf die Landwirtschaft. Dort mĂŒsse sparsamer bewĂ€ssert werden. «Es gibt kein Patentrezept, um das Problem zu lösen», sagte Uhlenbrook. Auch Entsalzung von Meerwasser gehöre dazu, aber das brauche viel Energie, und die AbwĂ€sser aus solchen Entsalzungsanlagen dĂŒrften die Umwelt nicht zusĂ€tzlich belasten.

Nur rund zwölf Prozent der Wasserressourcen werden als Trinkwasser verbraucht, sagte Uhlenbrook. In dem Bericht verweist die WMO darauf, dass weltweit 3,6 Milliarden Menschen - mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung - mindestens einen Monat im Jahr nicht genĂŒgend Trinkwasser zur VerfĂŒgung haben. Die Zahl werde bis 2050 auf mehr als fĂŒnf Milliarden Menschen steigen.

Steigende Temperaturen stören den Wasserkreislauf

In den meisten FĂ€llen sei es 2022 bei FlĂŒssen und Stauseen trockener gewesen als im langjĂ€hrigen Mittel. Ähnlich sei die Lage bei der Verdunstung von Wasser aus Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und WasseroberflĂ€chen gewesen. Europa habe im Sommer eine erhöhte Verdunstung und geringere Bodenfeuchtigkeit erlebt, bedingt durch die Trockenheit. Vielerorts kam es zu DĂŒrren und tiefen WasserstĂ€nden: In den USA und am Horn von Afrika, ebenso an der Donau, am Rhein und am Yangtze in China, wĂ€hrend das Flussgebiet des Indus in Pakistan extreme Überschwemmungen erlebte.

Der Schnee in den Alpen, in den Anden in SĂŒdamerika und anderen hochgelegenen Gebieten blieb unter dem langjĂ€hrigen Mittel, was den Abfluss in FlĂŒsse beeintrĂ€chtigte, heißt es in dem Bericht weiter. «Die Gletscher und die Eisdecke ziehen sich vor unseren Augen zurĂŒck», sagte WMO-Chef Petteri Taalas. «Steigende Temperaturen haben den Wasserkreislauf beschleunigt - und auch gestört. Eine wĂ€rmere AtmosphĂ€re speichert mehr Feuchtigkeit. Es kommt zu viel stĂ€rkeren NiederschlĂ€gen und Überschwemmungen. Und im entgegengesetzten Extrem gibt es mehr Verdunstung, trockene Böden und intensivere DĂŒrren.»

Die WMO stellt aber fest, dass es nach wie vor viel zu wenig Messungen und prĂ€zise Daten zum Beispiel ĂŒber Grundwasser-Reservoirs oder Feuchtigkeit in Böden gebe. Sie rief die LĂ€nder auf, dies dringend zu verbessern, um FrĂŒhwarnungen zu geben und besseres Wassermanagement einzufĂŒhren.

@ dpa.de