Lazarus-Gruppe: 643 Millionen Dollar Krypto-Raub in sechs Monaten
Veröffentlicht am: 05.07.2026 um 03:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sie zielt gezielt auf Software-Entwickler und Krypto-Plattformen ab. Mit manipulierten Programmierwerkzeugen und dateiloser Schadsoftware umgehen sie selbst moderne Sicherheitsmechanismen.
Tarnung als vertraute Build-Tools
Ende Juni entdeckte der Sicherheitsdienstleister JFrog sechs bösartige Pakete in der npm-Registry. Die Pakete mit Namen wie rollup-packages-polyfill-core und rollup-runtime-polyfill-core tarnten sich als legitime Erweiterungen fĂŒr das weit verbreitete Build-Tool Rollup â eine Bibliothek, die wöchentlich hunderttausendfach heruntergeladen wird.
Der Schadcode wird bereits beim Import des Pakets aktiviert. Das umgeht die Sicherheitsvorkehrungen von npm Version 12, die Installationsskripte blockieren sollen. In einer mehrstufigen Infektionskette laden die manipulierten Pakete weitere Komponenten nach. Am Ende landet ein Trojaner auf dem System â ein Remote Access Trojaner (RAT).
Das Ziel: Browser-Zugangsdaten, Krypto-Wallets, SSH-SchlĂŒssel und Anmeldedaten fĂŒr Cloud-Dienste wie AWS und Azure stehlen. Auch Zwischenablagedaten und Konfigurationen von Entwicklungsumgebungen wie VS Code, Windsurf oder Cursor werden ausgespĂ€ht.
Dateiloser Schatten im Arbeitsspeicher
Parallel zu den Supply-Chain-Angriffen setzt Lazarus auf eine neue Methode. Laut Berichten von Fox-IT nutzt die Gruppe vermehrt die Schadsoftware âRemotePEâ. Dabei handelt es sich um einen dateilosen RAT, der ausschlieĂlich im Arbeitsspeicher operiert â und kaum forensische Spuren hinterlĂ€sst. Die Analysten entdeckten das Werkzeug bei einer Untersuchung einer Organisation im Bereich der dezentralen Finanzen (DeFi).
Der Erstzugriff lĂ€uft hĂ€ufig ĂŒber Social Engineering auf Plattformen wie Telegram. Die Angreifer geben sich als potenzielle GeschĂ€ftspartner aus. Sie nutzen gefĂ€lschte Domains von Terminbuchungsdiensten wie Calendly oder Picktime, um Opfer zur Installation bösartiger Software zu verleiten. Die Infektionskette ist modular aufgebaut und zielt darauf ab, EDR-Systeme (Endpoint Detection and Response) zu umgehen.
108 bösartige Pakete in einer Kampagne
Die sogenannte âPolinRiderâ-Kampagne zeigt das AusmaĂ der Bedrohung. Insgesamt 108 bösartige Pakete wurden ĂŒber Plattformen wie npm, Packagist und Go-Module verteilt. Die Kampagne steht in Verbindung mit gefĂ€lschten VorstellungsgesprĂ€chen. Entwickler werden dazu gebracht, prĂ€parierte Repositories herunterzuladen.
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Die Angreifer nutzen dabei spezifische Funktionen von VS Code aus, die Code automatisch beim Ăffnen eines Ordners ausfĂŒhren. Die Folge: Fast 2.000 GitHub-Verzeichnisse wurden kompromittiert. Als Payloads dienen Stealer-Programme wie BeaverTail und OmniStealer, die sensible Daten abziehen.
643 Millionen Dollar Schaden in sechs Monaten
Die AktivitÀten nordkoreanischer Hacker haben in der ersten JahreshÀlfte 2026 massive finanzielle SchÀden verursacht. SchÀtzungen zufolge wurden Kryptowerte im Wert von rund 643 Millionen US-Dollar entwendet. Das entspricht etwa zwei Dritteln aller weltweit durch Cyberangriffe gestohlenen KryptowÀhrungen.
Zu den gröĂten VorfĂ€llen zĂ€hlen Angriffe auf Drift Anfang April mit einem Schaden von 285 Millionen US-Dollar sowie auf KelpDAO Ende April mit 292 Millionen US-Dollar. Bereits Anfang MĂ€rz traf es den Dienstleister Bitrefill. Ăber den kompromittierten Laptop eines Mitarbeiters verschafften sich die Angreifer Zugriff auf Datenbanken und Hot Wallets. Dabei wurden DatensĂ€tze von rund 18.500 EinkĂ€ufen sowie etwa 1.000 Kundennamen exponiert.
Experten weisen darauf hin, dass die Erlöse aus diesen CyberaktivitÀten einen erheblichen Teil der staatlichen Programme Nordkoreas finanzieren.
Neue Bedrohungen jenseits von Lazarus
WĂ€hrend Lazarus primĂ€r Finanzziele verfolgt, beobachten Sicherheitsforscher auch andere Gruppen mit spezialisierten Methoden. Die Gruppe Armored Likho â auch bekannt als Eagle Werewolf â richtet ihre Angriffe derzeit verstĂ€rkt gegen Regierungsbehörden und den Energiesektor in LĂ€ndern wie Russland, Brasilien und Kasachstan.
Entwickler, die bereits gefĂ€lschte Jobangebote auf Telegram beobachten, brauchen jetzt einen klaren Fahrplan gegen Social Engineering â bevor die nĂ€chste Infektionswelle Ihre Build-Pipeline trifft. Dieser Leitfaden liefert konkrete Warnsignale und Sicherheits-Checklisten. Social-Engineering-Fahrplan jetzt sichern
Dabei kommt die Schadsoftware BusySnake zum Einsatz, die unter anderem durch KI-generierte Loader unterstĂŒtzt wird. Alle fĂŒnf Minuten löst sie Persistenzmechanismen auf den betroffenen Systemen aus.
Zudem wurde mit âJadePufferâ erstmals ein Fall dokumentiert, bei dem ein KI-Agent auf Basis eines Large Language Models einen Ransomware-Angriff weitgehend automatisiert durchgefĂŒhrt hat â inklusive Erkundung, Datendiebstahl und VerschlĂŒsselung.
