Lebensmittel-Sicherheit, Gewürze

Lebensmittel-Sicherheit: 67% der Gewürze mit verbotenen Pestiziden belastet

09.06.2026 - 02:39:30 | boerse-global.de

Verschärfte EU-Kennzeichnungsregeln und ein Pestizid-Skandal erschüttern die Lebensmittelbranche. Eine Zuckersteuer für Deutschland ist beschlossen.

Lebensmittelbranche: Neue EU-Regeln und Pestizid-Skandal
Lebensmittel-Sicherheit - Nahaufnahme von Lebensmittelverpackungen mit Etiketten, die Nährwertangaben und Produktinformationen zeigen, im Hintergrund ein unscharfer Supermarktgang. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue EU-Richtlinien und nationale Gesetze verschärfen die Anforderungen an Kennzeichnung, Inhaltsstoffe und Sicherheit. Betroffen sind Produkte vom Frühstückstisch bis zur Gewürztheke.

Marmelade ist wieder Marmelade – und Honig wird ehrlicher

Ab dem 14. Juni 2026 tritt die überarbeitete EU-Frühstücksrichtlinie in Kraft. Die wohl sichtbarste Änderung: Der Begriff „Marmelade" darf künftig wieder für Produkte aus allen Obstsorten verwendet werden. Seit 1979 war er praktisch nur Zitrusfrüchten vorbehalten – ein Erbe britischer Verhandlungspolitik. Alles andere musste als „Konfitüre" durchgehen.

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Doch die Regeln gehen tiefer. Der Mindestfruchtgehalt steigt von 350 auf 450 Gramm pro Kilogramm. Bei Extra-Qualität sind künftig 500 Gramm Pflicht. Auch Honiggläser werden ehrlicher: Hersteller müssen alle Ursprungsländer mit genauen Prozentanteilen auflisten. Schluss mit vagen „EU- und Nicht-EU-Mischungen".

Foodwatch deckt Pestizid-Skandal auf – Lidl reagiert, andere nicht

Neben den Kennzeichnungsregeln rücken Sicherheitsrisiken in den Fokus. Ein Labortest von Foodwatch aus Ende Mai sorgt für Aufsehen. Die Organisation untersuchte 64 Proben aus mehreren EU-Ländern – das Ergebnis ist alarmierend: Rund 67 Prozent enthielten Pestizide, die in der EU verboten sind.

Besonders dramatisch ist die Lage bei Gewürzen. Bei Kreuzkümmel-Proben wurden Herbizid-Grenzwerte massiv überschritten. Lidl zog Konsequenzen und rief die Eigenmarke Kania zurück. Andere Händler verweigerten laut Bericht trotz Mehrfachbelastungen ähnliche Schritte. Ein WHO-Bericht vom Juni 2026 untermauert die Dringlichkeit: Demnach sterben jährlich über 1,5 Millionen Menschen weltweit an unsicheren Lebensmitteln.

Zuckersteuer kommt 2028 – freiwillige Reduktion enttäuscht

Auch fiskalisch tut sich was. Deutschland plant für 2028 eine Zuckersteuer auf Getränke. Die Abgabe: 26 Cent pro Liter bei über 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Ab 8 Gramm steigt sie auf 32 Cent. Geschätzte Einnahmen: rund 450 Millionen Euro jährlich.

Der Hintergrund: Freiwillige Reduktionsstrategien der Industrie zeigen nur mäßigen Erfolg. Offiziell hieß es, der Zuckergehalt sei bei starken Produkten um fast 15 Prozent gesunken. Doch interne Analysen des Agrarministeriums für den Zeitraum 2018 bis 2024 belegen eine tatsächliche Reduktion von lediglich 9,1 Prozent über das gesamte Sortiment. Die Politik zieht nun die Notbremse.

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Einweg-Ketchup ade – Mehrweg-System für Gläser kommt

Mitte August 2026 tritt die neue EU-Verpackungsverordnung in Kraft. Ihre wohl folgenreichste Regel: Einweg-Portionspackungen für Ketchup, Mayonnaise oder Kaffeesahne sind beim Verzehr vor Ort ab 2030 verboten.

Parallel dazu arbeiten 24 Branchenakteure an einem einheitlichen Mehrweg-Pfandsystem für Glasverpackungen. Namenhafte Hersteller wie Develey und Carl Kühne sind dabei. Geplant sind Pfandbeträge von 50 Cent für Glasflaschen und 25 Cent für Schraubgläser. Das Ziel: den Verpackungsmüll reduzieren. In Deutschland lag die Pro-Kopf-Menge zuletzt bei 237 Kilogramm pro Jahr – einer der höchsten Werte in Europa.

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