Lebensmittelabfälle: Neue ETH-Methode bindet 97mg CO2 pro Gramm
20.06.2026 - 05:11:51 | boerse-global.de
Eine Delegation reiste am 19. Juni nach Kopenhagen, um von der dänischen Hauptstadt zu lernen.
Dortmund auf dem Weg zur Klimaneutralität
Das Handlungsprogramm „Klima-Luft 2030“ der Stadt Dortmund hat ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2035 will die Stadt klimaneutral sein. Ein zentraler Baustein ist die Ernährungswende. Seit Anfang 2023 treibt die Koordinierungsstelle Klimaschutz im Umweltamt das Thema voran.
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Eine 27-köpfige Delegation aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft besuchte Kopenhagen, um neue Impulse für die Gemeinschaftsverpflegung zu sammeln. Die dänische Hauptstadt gilt als Vorreiter: Städtische Einrichtungen erreichen dort einen Bio-Anteil von 90 Prozent.
In Dortmund zeigt sich ein gemischtes Bild. Der städtische Kitaträger FABIDO betreibt 48 Frischeküchen und kommt auf eine Bio-Quote von knapp 70 Prozent. Die Verpflegung im Offenen Ganztag ist laut einer Bestandsaufnahme aus 2025 dagegen noch uneinheitlich.
Im Sommer 2026 startet ein strukturierter Prozess zur Entwicklung einer kommunalen Ernährungsstrategie. Das Programm „Dortmund tischt auf“ bietet bereits Beratungen für Produktionsküchen an.
Mehrweg statt Einweg: Industrie stellt um
Auch die Verpackungslogistik rückt in den Fokus. 24 Markenhersteller planen die Umstellung von Glasverpackungen auf ein Kreislaufsystem. Das Startup Dotch koordiniert das Projekt. Das Pfandsystem sieht 50 Cent für Flaschen und 25 Cent für Schraubgläser vor.
Treiber der Entwicklung sind steigende CO2-Industriepreise und die EU-Verpackungsverordnung. Schätzungen zufolge könnten durch konsequente Mehrweglösungen jährlich bis zu 409.000 Tonnen CO2 eingespart werden.
Im Bio-Fachhandel läuft das System bereits. Gespräche mit großen Ketten wie Rewe, Edeka und Lidl sind noch nicht abgeschlossen.
Lebensmittelabfälle binden CO2 aus der Luft
Ein innovatives Verfahren der ETH Zürich sorgt für Aufsehen. Die Studie, veröffentlicht am 18. Juni im Fachjournal PNAS, nutzt Abfallprodukte aus der Lebensmittelproduktion für die direkte Luftabscheidung (Direct Air Capture, DAC).
Aus Resten der Molke- und Tofuerzeugung gewinnen Forschende Proteinkügelchen, die Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. Ein Gramm des Materials nimmt 97 Milligramm CO2 auf. Das übertrifft die Effizienz herkömmlicher Methoden um 10 bis 50 Prozent.
Das gebundene Gas lässt sich bei Raumtemperatur mit milden Säuren und Basen wieder freisetzen. Das Material bleibt über 30 Zyklen stabil und kann anschließend als Dünger in der Landwirtschaft dienen.
Politik bremst: Kein Durchbruch in Bonn
Trotz lokaler Erfolge und technologischer Fortschritte hakt es auf internationaler Ebene. Die Bonner Zwischenverhandlungen für die Weltklimakonferenz COP31 endeten am 18. Juni ohne nennenswerten Durchbruch im Agrarsektor.
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Fortschritte gab es bei der Methan-Vermeidung im Abfallsektor. Die Landwirtschaft blieb jedoch weitgehend ausgeklammert. UN-Klimachef Simon Stiell warnte vor einem selektiven Vorgehen und mahnte mehr Tempo an.
Auch national regt sich Widerstand. Der Schweizerische Gewerbeverband lehnte eine Ernährungsinitiative ab. Die Begründung: Sie schränke die Wahlfreiheit ein und gefährde die landwirtschaftliche Produktion in Bergregionen.
Die Debatten zeigen das Spannungsfeld zwischen notwendigen Klimaschutzmaßnahmen und wirtschaftlicher sowie individueller Gestaltungsfreiheit.
