Lebensmittelinflation, Niño

Lebensmittelinflation: El Niño treibt Preise bis 2027 auf 5 Prozent

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 06:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die weltweite Teuerung bei Nahrungsmitteln dürfte laut JP Morgan bis 2027 auf 5 Prozent klettern. Klimaextreme und geopolitische Krisen treiben die Preise.

JP Morgan: Lebensmittelinflation könnte bis 2027 auf 5 Prozent steigen
Trockenes, rissiges Ackerland unter sengender Sonne, das die Auswirkungen klimatischer Extremwetterlagen verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die globale Teuerung bei Nahrungsmitteln steht vor einer signifikanten Beschleunigung. Einer aktuellen Analyse der US-Großbank JP Morgan zufolge könnte die weltweite Lebensmittelinflation bis zur ersten Jahreshälfte 2027 auf 5 Prozent steigen.

Im Vergleich dazu lag dieser Wert in der ersten Hälfte des Jahres 2026 noch bei 2,8 Prozent. Experten führen diese Entwicklung auf eine Kombination aus klimatischen Extremen, geopolitischen Spannungen und strukturellen Problemen in den Lieferketten zurück.

Klimatische Risiken durch Super-El-Niño

Ein wesentlicher Treiber der prognostizierten Preissteigerungen ist das Wetterphänomen El Niño. JP Morgan sieht eine Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent für das Eintreten eines sogenannten Super-El-Niño bis zum Ende des Jahres 2026. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Phänomen bis weit in das Jahr 2027 anhält, wird sogar auf 97 Prozent beziffert.

Auch wissenschaftliche Institute stützen diese Einschätzungen: Die US-Klimabehörde NOAA prognostiziert eine Wahrscheinlichkeit von bis zu 95 Prozent für einen sehr starken El Niño im Zeitraum von Oktober bis Dezember.

Klimaphysiker wie Velle Toll weisen darauf hin, dass die aktuelle Ausprägung des Phänomens die stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen werden könnte. Dies dürfte im Jahr 2027 zu neuen Hitzerekorden führen. Laut JP Morgan könnten die klimatischen Bedingungen zusammen mit den Energiekosten etwa 1,3 bis 1,5 Prozentpunkte zur globalen Lebensmittelinflation beitragen.

Geopolitik und die Krise der Düngemittelversorgung

Neben dem Wetter belasten bewaffnete Konflikte, insbesondere der Krieg unter Beteiligung des Iran, die globalen Märkte. Die Bank identifiziert fünf Kernfaktoren für die aktuelle Krise: Krieg, Wetterbedingungen, Herausforderungen bei der Lagerhaltung, Wasserknappheit und Verschwendung.

Insbesondere die Situation im Nahen Osten gefährdet die Versorgung mit Düngemitteln. Die Region stellt 42 Prozent der weltweiten Exporte von Harnstoff (Urea) und 27 Prozent des Ammoniaks bereit.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Straße von Hormus, deren potenzielle Blockade oder Beeinträchtigung die internationale Düngemittelversorgung massiv bedrohen würde. Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in nationalen Haushalten wider. Für Indien wird erwartet, dass die staatlichen Düngemittelsubventionen einen Wert von 31 Milliarden US-Dollar überschreiten könnten, um die heimische Landwirtschaft zu stützen.

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Auswirkungen auf spezifische Agrarrohstoffe

Die Prognosen für einzelne Lebensmittelgruppen verdeutlichen den Druck auf die Verbraucherpreise. JP Morgan warnt, dass El Niño die Preise für Reis um 10 bis 20 Prozent in die Höhe treiben könnte. In Indien wird zudem für die Saison 2026/27 mit einem Rückgang der Zuckerrohrproduktion um bis zu 6 Prozent gerechnet.

Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) ergänzen dieses Bild. Für das Jahr 2027 prognostiziert die Behörde in einer Basisprojektion einen Anstieg der Lebensmittelpreise um 2,9 Prozent, wobei die statistische Spanne aufgrund der hohen Volatilität von minus 5,6 Prozent bis plus 12,3 Prozent reicht.

Bereits im Jahr 2026 verzeichnete das USDA bei Rind- und Kalbfleisch Preissteigerungen von 10,7 Prozent. Zudem sind die Weizenbestände in den USA um 22 Prozent gesunken, während die weltweiten Endbestände für die Saison 2026/27 auf etwa 273,25 Millionen Tonnen geschätzt werden.

Wirtschaftliche und humanitäre Konsequenzen

Der Kreditversicherer Atradius weist darauf hin, dass die langanhaltenden Auswirkungen von El Niño bis 2027 erhebliche Risiken für deutsche Unternehmen bergen. Betroffen seien vor allem Lieferketten, Rohstoffpreise sowie die Liquidität von Abnehmern, was zu vermehrten Forderungsausfällen führen könne.

Auch logistische Nadelöhre wie der Panama-Kanal, der aufgrund von Wassermangel die zulässigen Tiefgänge bereits mehrfach reduzieren musste, verschärfen die Situation.

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Die humanitäre Dimension der steigenden Preise bleibt kritisch. JP Morgan erinnert daran, dass weltweit bereits 645 Millionen Menschen hungern und rund 2,1 Milliarden Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen sind.

Die Lebensmittelinflation dürfte laut der Bank mit etwa 0,6 Prozentpunkten zur globalen Gesamtinflationsrate beitragen, was den Spielraum für Zentralbanken und die Kaufkraft der privaten Haushalte weltweit weiter einschränken könnte.

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