Legal-Tech-Boom, Avvoka

Legal-Tech-Boom: Avvoka, Thomson Reuters und Harvey starten KI-Tools

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 01:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Avvoka startet mit Curate eine KI-Lösung zur automatisierten Erstellung von Rechtsdokumenten. Der Markt für Legal-Tech-Anwendungen erlebt derzeit zahlreiche Produkteinführungen.

Avvoka präsentiert KI-Tool Curate: Automatisierte juristische Vorlagen im Beta-Test
Ein moderner, aufgeräumter Arbeitsplatz in einer Anwaltskanzlei mit einem Laptop, auf dem komplexe Dokumentenstrukturen zu sehen sind. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Technologieunternehmen Avvoka hat mit der Einführung von Curate ein neues Werkzeug zur automatisierten Erstellung juristischer Vorlagen vorgestellt. Wie das Unternehmen am 20. August 2026 mitteilte, befindet sich die Anwendung derzeit in einer Beta-Phase.

Curate nutzt Algorithmen der künstlichen Intelligenz (KI), um hochgeladene Transaktionsdokumente zu analysieren, spezifische Sprachmuster zu identifizieren und daraus direkt anpassbare Vorlagen für die weitere Verwendung zu generieren.

Gezielte Markteinführung und technologische Basis

Die Anwendung ist in der ersten Phase ausschließlich für ausgewählte Kanzleien aus dem Kreis der AMLaw-100 verfügbar. Eine allgemeine Verfügbarkeit des Tools stellt Avvoka für den Zeitraum nach September in Aussicht. Bei der Entwicklung arbeitete das Unternehmen eng mit der Kanzlei Fried Frank als Design-Partner zusammen.

Technologisch setzt Curate auf eine Kombination verschiedener großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs). Hierbei kommen nach Unternehmensangaben Technologien von OpenAI sowie Anthropic zum Einsatz, um die Analyse der komplexen juristischen Texte zu bewältigen.

Erweiterung des Marktes für agentische KI-Lösungen

Die Ankündigung von Avvoka fällt in eine Phase intensiver Produktstarts im Legal-Tech-Sektor. Ebenfalls am 20. August präsentierte Thomson Reuters die nächste Generation von CoCounsel Legal. Diese agentische KI für juristische Arbeit umfasst Funktionen wie den Westlaw Brief Builder, dedizierte Workspaces sowie Werkzeuge für die Tabellenanalyse.

Letztere ist darauf ausgelegt, bis zu 10.000 Dokumente und 100 Fragestellungen gleichzeitig zu bearbeiten. CoCounsel basiert auf dem Claude Agent SDK von Anthropic und wird zunächst in den USA eingeführt, während Kanada, Großbritannien und Australien im weiteren Jahresverlauf folgen sollen.

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Zusätzlich kündigte DocStyle am 19. August die Anwendung DocStyle AI an, welche eine Verbindung zwischen der eigenen Dokumenten-Engine und Claude für Microsoft Word sowie Microsoft Copilot herstellt. Das System nutzt das Model Context Protocol (MCP) und soll am 1. Oktober allgemein verfügbar sein.

Die offizielle Präsentation ist für die Branchenkonferenz ILTACON geplant, die Ende August in Nashville stattfindet. CEO Chris Cangero betonte in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten zur konversationellen Wiederverwendung und Strukturierung von Dokumenten sowie die Automatisierung von Formatierungsprozessen.

Effizienzsteigerung und spezialisierte Analysewerkzeuge

Andere Anbieter fokussieren sich auf die Optimierung von Workflows und Kosteneffizienz. NetDocuments veröffentlichte am 19. August den sogenannten Legal Context Engineering Benchmark. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz eines Legal Context Graph die Kosten für korrekte KI-Antworten um 48 Prozent senken kann, während die Token-Nutzung pro Antwort um 52 Prozent zurückging.

Für eine Kanzlei mit 2.000 Mitarbeitern und einem jährlichen Aufkommen von 4 Millionen KI-Fragen entspreche dies Einsparungen von etwa 1 Million US-Dollar. Ergänzend führte NetDocuments Funktionen wie Tabular Review zur automatisierten Due Diligence von Dokumentensätzen mit über 100 Spalten ein.

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Im Bereich der Kanzleisoftware stellte Harvey am 19. August Harvey II vor. Das System verfügt über eine Memory-Funktion, die den Schreibstil und die Präferenzen von Anwälten erlernt, ohne diese Daten für das allgemeine Training der Modelle zu verwenden. Zudem wurde eine Kooperation mit DeepL bekannt gegeben, um Dokumentenübersetzungen in über 100 Sprachen zu unterstützen.

Niederschwellige Angebote für kleinere Akteure

Neben Lösungen für Großkanzleien entstehen vermehrt Angebote für den Massenmarkt und kleinere Unternehmen. Docu Legalia bietet seit dem 19. August KI-gestützte Dokumentenerstellung für KMU und Freelancer ab einem Preis von 1 Euro pro Dokument an.

In Japan startete Deemó am 1. August den Service LegalBase+, der für eine monatliche Gebühr ab 10.000 Yen Vertragsprüfungen und den Zugriff auf über 1.100 Vorlagen ermöglicht. Filevine wiederum stellte mit LOIS Explore ein kostenloses Testtool zur Verfügung, das Dokumente bis zu einer Größe von 5 GB verarbeiten kann, wobei sämtliche Daten nach der Testphase dauerhaft gelöscht werden.

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