Legal-Tech: Thomson Reuters und Laurel quantifizieren KI-Gewinn
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 20:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Legal-Tech-Branche richtet ihren Fokus neu aus: Weg vom Experimentierstadium, hin zum nachweisbaren Return on Investment. Eine neue Partnerschaft zwischen Thomson Reuters und Laurel soll Anwaltskanzleien dabei helfen, den finanziellen Wert von KI-Tools prĂ€zise zu beziffern. Der Schritt kommt nicht zufĂ€llig â neue Daten belegen erhebliche ProduktivitĂ€tsgewinne durch den Einsatz KĂŒnstlicher Intelligenz.
Der Kampf um jede abrechenbare Minute
Das HerzstĂŒck der Kooperation: Laurels Work-Intelligence-Plattform wird in CoCounsel Legal und weitere professionelle Tools integriert. Das System zeichnet AnwaltstĂ€tigkeiten passiv auf und ordnet sie automatisch Mandaten und Sachverhalten zu. Damit schlieĂt die Integration eine hartnĂ€ckige LĂŒcke zwischen KI-Nutzung und messbarer ProfitabilitĂ€t.
Die ersten Daten sprechen eine deutliche Sprache: Bis zu 30 Minuten zusĂ€tzliche abrechenbare Zeit pro Anwalt und Tag sollen sich zurĂŒckgewinnen lassen. Die automatische Zeiterfassung und die Reduzierung von Abschreibungen könnten den Umsatz beteiligter Kanzleien um vier bis elf Prozent steigern. Der Dienst ist zunĂ€chst fĂŒr US-Kunden von Thomson Reuters verfĂŒgbar.
Generative KI als Wachstumsmotor
Die AnkĂŒndigung folgt auf den Finanzbericht von Thomson Reuters fĂŒr das zweite Quartal 2026, der die wachsende Bedeutung von KI im GeschĂ€ftsmodell unterstreicht. Der Gesamtumsatz stieg um neun Prozent auf 1,954 Milliarden US-Dollar, das organische Wachstum erreichte acht Prozent.
Rund 32 Prozent des Vertragswerts basieren inzwischen auf generativer KI. Angesichts dieser Dynamik hat das Unternehmen seine Prognose fĂŒr das organische Umsatzwachstum angehoben. Auch das hauseigene KI-Modell âThomson" glĂ€nzt: Beim LegalBench-Benchmark erzielte es einen Wert von 0,823. Ab August soll es breiter in CoCounsel Legal ausgerollt werden.
Microsoft Copilot: ProduktivitÀtsschub in der Praxis
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WĂ€hrend Kanzleien auf abrechenbare Stunden fokussieren, melden breiter aufgestellte Rechts- und Compliance-Abteilungen Effizienzgewinne durch allgemeine Unternehmens-KI. Cifas, ein britisches BetrugsprĂ€ventionsunternehmen, hat kĂŒrzlich einen Pilotversuch mit Microsoft 365 Copilot abgeschlossen â in Zusammenarbeit mit CGI.
Das Ergebnis: durchschnittlich 56 Prozent ProduktivitĂ€tssteigerung bei den relevanten Aufgaben. Die Zeitersparnis pro Aufgabe lag zwischen drei Minuten und drei Stunden. 78 Prozent der Teilnehmer nutzten das Tool regelmĂ€Ăig, 55 Prozent gelten als Power-User. Nach der Identifikation von drei skalierbaren AnwendungsfĂ€llen ist nun ein breiterer Rollout geplant.
Microsoft hat sein Copilot-Ăkosystem zudem durch neue Integrationen erweitert, die Anfang der Woche angekĂŒndigt wurden. Partnerschaften mit LegalZoom und Paychex bringen spezialisierte Rechts- und HR-Tools direkt in die Microsoft-365-Umgebung. Eine Kooperation mit Darktrace integriert Cybersicherheitssignale in den KI-Assistenten.
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Spezialisierte Anbieter drÀngen in den Markt
Die erste Augustwoche 2026 zeigt: Der Run auf KI-Workflows im Rechtsbereich ist lĂ€ngst nicht auf die groĂen Plattformanbieter beschrĂ€nkt.
Arctera und Arca: Arctera, Teil der Cloud Software Group, hat sich am 5. August mit Arca zusammengetan. Ziel ist die EinfĂŒhrung regulierter Legal-KI-Workflows. Die Integration nutzt das Model Context Protocol, um KI-Agenten auf regulierte Unternehmensdaten aus mehr als 130 Inhaltsquellen anzuwenden.
Ironclad und Legora: Der Vertragsmanagement-Spezialist Ironclad kooperiert mit Legora, um KI fĂŒr interne Rechtsabteilungen zu integrieren. Zudem launchte Ironclad spezifische KI-Agenten fĂŒr den Einkauf â inklusive Tools zur Verpflichtungsextraktion und SAP-Anbindung. Das Ziel: die elf Prozent des verhandelten Werts zurĂŒckzugewinnen, die typischerweise durch unverfolgte Vertragsbedingungen verloren gehen.
Wordsmith AI: Das Edinburgher Startup sicherte sich eine Series-B-VerlĂ€ngerung ĂŒber 14 Millionen US-Dollar. Die Gesamtfinanzierung belĂ€uft sich damit auf 114 Millionen US-Dollar. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um das Vierzehnfache â mit GroĂkunden wie BT und Sage.
Vodafone und Aavalynx: Vodafone wagt den Einstieg in den Legal-Tech-Markt. Gemeinsam mit dem Startup Aavalynx entsteht eine KI-gesteuerte Litigationsplattform. Das Tool soll Rechtsstreitigkeiten verwalten und potenzielle finanzielle Kosten prognostizieren.
GC AI: Das Unternehmen launchte am 5. August seine Funktion âContract Intelligence". Damit lassen sich bis zu 100.000 unstrukturierte VertrĂ€ge abfragen â mit belegten Antworten und automatischer VerknĂŒpfung von VertragsĂ€nderungen.
