LehrkrÀfte-Belastung, PISA-Ergebnisse

LehrkrĂ€fte-Belastung: 50.000 unbezahlte Überstunden pro Woche

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die PISA-Ergebnisse 2025 zeigen sinkende Leistungen, hohe Belastungen fĂŒr LehrkrĂ€fte und einen Investitionsstau von 68 Milliarden Euro.

PISA 2025: Deutschlands Schulen unter wachsendem Reformdruck
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit leeren Holztischen in einer ruhigen, konzentrierten AtmosphÀre. Illustration mit AI erstellt.

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025, die Anfang September veröffentlicht wurden, zeichnen ein kritisches Bild des deutschen Bildungssystems. Mit den niedrigsten Werten in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000 steht die pĂ€dagogische Arbeit vor einer Zerreißprobe.

LehrkrÀfte sehen sich nicht nur mit sinkenden Leistungen konfrontiert, sondern auch mit der psychischen Herausforderung, ihre berufliche IdentitÀt grundlegend neu zu definieren.

Historischer Tiefstand der SchĂŒlerleistungen erhöht den Reformdruck

Dem OECD-LĂ€nderbericht zur PISA-Studie 2025 zufolge sind die Durchschnittsleistungen in Deutschland im Vergleich zu 2022 signifikant gesunken. In Mathematik und im Lesen erreicht rund jeder dritte 15-JĂ€hrige nicht mehr das erforderliche Mindestniveau.

Auch in den Naturwissenschaften verfehlt jeder Vierte diese Basisqualifikationen. WÀhrend die Werte in den Naturwissenschaften statistisch keine signifikante VerÀnderung zu den Vorjahren aufweisen, markieren sie im Gesamttrend der PISA-Reihe den bisherigen Tiefpunkt.

Schulleitungen berichten von einer zunehmenden Spannweite bei den Lernvoraussetzungen. Besonders der Bedarf an Sprachförderung und Defizite beim abstrakten Transferdenken werden als zentrale HĂŒrden identifiziert. Ein Schulleiter aus Hessen verwies in diesem Zusammenhang auf die negativen Auswirkungen eines frĂŒhen und intensiven Medienkonsums, der die KonzentrationsfĂ€higkeit und das Abstraktionsvermögen beeintrĂ€chtige.

Der Wandel zum Lernbegleiter als psychische Herausforderung

Angesichts dieser Ergebnisse fordern Bildungsexperten und Schulleitungen eine radikale Bildungsrevolution. Der traditionelle Lehrerberuf soll sich hin zu einer Rolle als Lernbegleiter oder „Coach“ entwickeln. In ersten Ausbildungsprogrammen fĂŒr Lehramtsstudenten wird bereits erprobt, wie Kinder selbststĂ€ndiger arbeiten können, wĂ€hrend sich die LehrkrĂ€fte im Hintergrund halten.

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Dieser Rollenwechsel wird jedoch von erheblichen psychischen Belastungen begleitet. Silke MĂŒller, eine bekannte Schulleiterin, kritisierte in einer aktuellen Stellungnahme, dass das Schulsystem LehrkrĂ€fte an den Rand ihrer Belastungskraft fĂŒhre.

Die Anforderungen durch heterogene SchĂŒlergruppen, fehlende Integration und die Kommunikation mit sogenannten Helikoptereltern erzeugten einen hohen psychischen Druck. Auch die SchĂŒler selbst sind betroffen: In Hamburg fĂŒhlt sich laut Berichten fast jeder dritte SchĂŒler durch den Schulalltag stark belastet, was teilweise zu krankheitsbedingten AusfĂ€llen fĂŒhrt.

Strukturelle Überlastung und finanzielle Defizite

Die psychische Belastung korreliert eng mit den strukturellen Rahmenbedingungen. Die Landeselternkonferenz NRW beziffert den bundesweiten Investitionsstau im Bildungswesen auf 68 Milliarden Euro, wovon allein 23 Milliarden Euro auf Nordrhein-Westfalen entfallen.

ZusĂ€tzlich verschĂ€rft die ungelöste Arbeitszeitfrage die Situation. Eine Studie zur Arbeitszeit aus Niedersachsen belegte bereits fĂŒr das Schuljahr 2015/2016, dass die tatsĂ€chliche Arbeitszeit deutlich ĂŒber dem 40-Stunden-Soll lag. An Gymnasien fielen demnach rund 50.000 unbezahlte Überstunden pro Woche an.

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Trotz dieser Daten verneinte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig jĂŒngst einen generellen Ausgleichsanspruch fĂŒr diese Mehrarbeit. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) reagierte darauf mit der Forderung nach einer verbindlichen Arbeitszeiterfassung und einem langfristigen „10-Jahres-Plan Gute Bildung“, der ĂŒber Legislaturperioden hinweg Bestand haben soll.

Regionale Reaktionen und gewerkschaftliche Forderungen

Die Unzufriedenheit innerhalb der Branche entlĂ€dt sich bundesweit in Protesten. Das BĂŒndnis „Bildungswende jetzt“ mobilisierte kĂŒrzlich an 13 Standorten Hunderte von Eltern, LehrkrĂ€ften und SchĂŒlern. Die GEW-Bundesvorsitzende Maike Finnern und regionale Vertreter fordern eine deutliche Entlastung des Personals sowie gezielte Mittel fĂŒr besonders belastete Standorte.

Auch im deutschsprachigen Ausland zeigen sich Ă€hnliche Tendenzen. In der Schweiz berichtet der Kanton ZĂŒrich zwar von einer vorĂŒbergehenden Entspannung bei der Personalknappheit an Volksschulen, jedoch arbeitet in einigen Kantonen weiterhin rund ein Viertel der LehrkrĂ€fte ohne entsprechendes Diplom.

In Österreich wiederum belasten politische Debatten, wie etwa das seit dem Schuljahr 2026/27 geltende Kopftuchverbot fĂŒr MĂ€dchen unter 14 Jahren, das Schulklima. LehrkrĂ€fte kritisieren hierbei den Eingriff in die Selbstbestimmung und berichten von zunehmenden Spannungen im Schulalltag.

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