LehrkrÀfte-Wohlbefinden: Erasmus+ fördert europÀisches Projekt mit 250.000 Euro
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deEuropĂ€ische Kooperation fĂŒr gesĂŒndere Arbeitsbedingungen
Laut einem Bericht vom 15. Oktober 2026 fördert das Programm Erasmus+ das Projekt zur Neuausrichtung des Wohlbefindens von LehrkrĂ€ften mit 250.000 Euro ĂŒber eine Laufzeit von zwei Jahren.
Die Initiative, die unter dem englischen Titel âRethinking Teacher Well-Being: Shared Responsibility Models for Sustainable Education Systemsâ gefĂŒhrt wird, setzte sich in einem Wettbewerb mit mehr als 1300 AntrĂ€gen durch. Die Gesamtkoordination liegt bei der Bal?kesir University in der TĂŒrkei.
Zu den weiteren institutionellen Partnern gehören die Tor Vergata University Rom in Italien, die österreichische UniversitĂ€t Graz sowie die Erfurt School of Education der UniversitĂ€t Erfurt. Als Erfurter Projektpartner ist PD Dr. habil. Benjamin Dreer-Göthe beteiligt, der der Expertengruppe fĂŒr Wohlbefinden an Schulen der EuropĂ€ischen Kommission angehört.
Ziel des Vorhabens ist es, die Gesundheit von Unterrichtenden nicht als individuelle BĂŒrde zu betrachten, sondern als geteilte Verantwortung zwischen Schule, Institutionen und dem gesamten Bildungssystem zu verankern. Geplant sind neben vertieften Analysen der tatsĂ€chlichen Arbeitsbedingungen auch die Erstellung digitaler Lehrinhalte sowie institutionelle UnterstĂŒtzungsmodelle.
Belastungsfaktoren im internationalen Bildungsalltag
Dass systemische Interventionen notwendig sind, unterstreichen internationale Vergleichsdaten. Laut einer Erhebung der Walton Family Foundation, des Instituts Gallup und des Mattering Institute, die zwischen dem 28. Juli und dem 14. August 2026 unter 1.952 US-amerikanischen LehrkrĂ€ften durchgefĂŒhrt wurde, fĂŒhlt nur eine von drei LehrkrĂ€ften an den Schulen eine starke WertschĂ€tzung.
Unter den BeschĂ€ftigten mit geringer wahrgenommener Anerkennung leiden 68 Prozent hĂ€ufig unter Burnout. Nach einer Untersuchung der RAND Corporation aus dem Jahr 2024 berichten LehrkrĂ€fte etwa doppelt so oft ĂŒber berufsbedingten Stress wie vergleichbare Berufsgruppen und bewĂ€ltigen durchschnittlich eine Wochenarbeitszeit von rund 53 Stunden.
Wer sich tĂ€glich mit hohen Belastungen und engen ZeitplĂ€nen konfrontiert sieht, findet in diesem kostenlosen Ratgeber effektive Strategien fĂŒr eine bessere Work-Life-Balance. Erfahren Sie, wie Sie Stress reduzieren und beruflichen Erfolg mit persönlichem Wohlbefinden in Einklang bringen. 5 SofortmaĂnahmen fĂŒr mehr Ausgeglichenheit kostenlos sichern
Die Weltgesundheitsorganisation stuft Burnout als berufsbedingtes Syndrom ein, das infolge von chronischem, nicht bewÀltigtem Stress durch Erschöpfung, Zynismus und verminderte LeistungsfÀhigkeit gekennzeichnet ist.
Ăhnliche Problemfelder zeigen sich in Europa. Bei einer gemeinsamen Erhebung der Organisationen ANPE und SATSE in Spanien unter 6.221 Beteiligten gaben 80,2 Prozent der Befragten an, dass ĂŒbermĂ€Ăige BĂŒrokratie ihren Hauptstressfaktor darstelle, gefolgt von der KlassengröĂe mit 70,9 Prozent.
Der spanische Hilfsdienst fĂŒr Lehrpersonal registrierte im Schuljahr 2024â2025 insgesamt 2.004 FĂ€lle, wobei 71,3 Prozent der Ratsuchenden unter akuten AngstzustĂ€nden litten.
AnsĂ€tze fĂŒr Ausbildung und schulische Praxis
Wissenschaftliche Analysen weisen darauf hin, dass UnterstĂŒtzungsmaĂnahmen mehrdimensional greifen mĂŒssen. Eine Ăbersichtsarbeit von Luke Aaron Tomlin an der University of Western Australia, die 247 Studien ĂŒber 25 Jahre aus 42 LĂ€ndern analysierte, weist sozio-emotionales Lernen, Achtsamkeit sowie kombinierte Gesundheitsprogramme als wirksamste AnsĂ€tze aus. Neben Verhaltensstrategien raten Fachleute zu einem konsequenten Abbau des administrativen Aufwands.
Wenn die Anforderungen im Berufsalltag steigen, helfen oft gezielte Techniken, um die eigene Belastbarkeit und innere Ruhe zu stĂ€rken. Dieser Gratis-Leitfaden zeigt Ihnen praxisnahe Ăbungen, mit denen Sie Stressfaktoren im Hamsterrad des Alltags souverĂ€n begegnen. Kostenlosen Work-Life-Balance-Guide jetzt herunterladen
Praktische Trainingskonzepte werden bereits in der Ausbildung erprobt. An der PĂ€dagogischen Hochschule Wien wurde ein Emotionsregulationstraining entwickelt, das auf drei SĂ€ulen beruht: Kontext, Situation und Individuum.
Eine im Jahr 2026 publizierte Untersuchung der Forschenden Peter Vogl, Melanie Methlagl und Michaela Hanfstingl zeigte, dass 86 teilnehmende Studierende im Vergleich zu 42 Personen einer Kontrollgruppe signifikant weniger gedankliches GrĂŒbeln aufwiesen und vermehrt körperliche sowie kognitive Regulierungsstrategien einsetzten.
Studienautor Vogl betonte, dass emotionale Kompetenzen kein bloĂes Beiwerk seien, sondern eine Kernqualifikation fĂŒr den Lehrberuf darstellten. Das neue Erasmus-Projekt soll diese Erkenntnisse aufgreifen, um nachhaltige Strukturen fĂŒr die psychische StabilitĂ€t von LehrkrĂ€ften im europĂ€ischen Raum zu schaffen.
