Leihbibliothek, Bochum

Leihbibliothek in Bochum: Mehr als 3.500 Alltagsgegenstände zum Ausleihen

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Leihangebote, Tauschbörsen und Reparaturtreffs verlängern die Nutzung von Alltagsgegenständen und helfen, Ressourcen zu schonen.

Leihen, Tauschen, Reparieren: Initiativen fördern nachhaltigen Konsum
Ein helles, aufgeräumtes Regal in einer Leihbibliothek mit verschiedenen Alltagsgegenständen und Werkzeugen. Illustration mit AI erstellt.

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger setzen auf das gemeinschaftliche Nutzen, Leihen und Tauschen von Alltagsgegenständen, anstatt selten benötigte Produkte neu anzuschaffen. Zahlreiche regionale Initiativen, von spezialisierten Leihbibliotheken über lokale Warentauschbörsen bis hin zu organisierten Reparaturtreffs, verdeutlichen die wachsende Bedeutung dieser ??- und Kreislaufmodelle für einen nachhaltigen Lebensstil.

Gegenstände leihen statt besitzen

Ein prominentes Beispiel für den Wandel im Konsumverhalten ist die Bochumer „bib der dinge“. Das seit 2021 bestehende Projekt erstreckt sich über eine Fläche von gut 500 Quadratmetern und führt nach eigenen Angaben mit mehr als 3.500 Alltagsgegenständen das deutschlandweit größte Leihsortiment dieser Art.

Nutzerinnen und Nutzer können dort gegen eine Jahresgebühr von 100 Euro Gegenstände wie Werkzeuge, Küchengeräte oder Freizeitausrüstung entleihen. Getragen wird die Initiative von rund 25 ehrenamtlich Helfenden sowie Mitgründerin Najine Ameli auf einer Teilzeitstelle. Zentrales Ziel ist es, den Ressourcenverbrauch durch vermiedene Neuanschaffungen zu senken.

Auch klassische Bildungsinstitutionen erweitern zunehmend ihr Spektrum über Bücher hinaus. Die von Martina Magnet geleiteten AK-Bibliotheken in Klagenfurt und Villach, die rund 23.000 aktive Nutzerinnen und Nutzer sowie 200.000 Medien zählen, binden neben einem Filmstreaming-Angebot mit mehr als 3.500 Titeln auch Spielkonsolen und eine Saatgut-Bibliothek in ihr Konzept ein.

Tauschen und Weitergeben im lokalen Raum

Parallel zu Leihläden erfreuen sich Tauschveranstaltungen anhaltender Nachfrage. Bei der Warentauschbörse des Deutschen Roten Kreuzes in Blumberg am 26. September 2026 wechselten hunderte gebrauchte Gegenstände unentgeltlich den Besitzer.

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Ähnliche Schwerpunkte setzen Initiativen im Textilbereich: In der Rostocker Nikolaikirche ist vom 29. September bis zum 3. Oktober 2026 der „Schätzchen“-Kleidertausch angesetzt, bei dem bis zu 15 saubere Kleidungsstücke ab Größe 152 abgegeben werden dürfen.

Weitere Aktionen folgen am 2. Oktober an der Louise-Otto-Peters-Schule in Hockenheim mit einem Limit von maximal zehn Stücken pro Person sowie am 17. Oktober durch das Klimaforum Schallstadt.

Dass der Wunsch nach Weiterverwendung in der Bevölkerung verankert ist, spiegeln auch Erhebungen wider. Eine im Dezember 2019 durchgeführte repräsentative Befragung von 800 Müttern im Auftrag des Mietanbieters Tchibo Share ergab, dass 49 Prozent der Teilnehmerinnen Interesse an Kleidertauschpartys zeigten. Als Hauptmotive für Miet- und Tauschkonzepte nannten 69 Prozent finanzielle Ersparnisse und 59 Prozent Nachhaltigkeitsaspekte.

Reparieren und Retten zur Ressourcenschonung

Ergänzt wird das Teilen durch die Verlängerung der Produktlebensdauer. Beim Reparatur-Café in Bad Rappenau am 19. September 2026 konnten laut dem Vereinsvorsitzenden Klaus Ries-Müller 23 von 31 untersuchten Geräten wieder instand gesetzt werden; eine Fortsetzung im Hotel Häffner ist für den 21. November 2026 geplant.

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Am 29. September 2026 bietet der Verein „Chancengleich in Europa“ im Hörder Zentrum für Vielfalt kostenfreie Unterstützung bei der Reparatur von Haushaltsgeräten und Spielzeug an. Für den 31. Oktober 2026 kündigt das Repair-&-Share-Festival in Wuppertal zudem einen Weltrekordversuch für die meisten reparierten Objekte binnen eines Monats an.

Die Notwendigkeit solcher Formate betont auch die Organisation iFixit, die bestehende Nutzungseinschränkungen durch Hersteller kritisiert und ein klares Recht auf Selbstreparatur fordert. Neben Sachgütern greift der Gedanke des Erhalts auch bei Lebensmitteln: In Mainz engagieren sich rund 100 Betriebe bei Foodsharing-Initiativen, wo Ehrenamtliche über acht öffentliche Verteilstellen überschüssige Waren vor der Entsorgung bewahren.

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de | wissenschaft | 70190719 |