Leitungswasserschäden, Fälle

Leitungswasserschäden: 1 Million Fälle jährlich kosten 4,9 Mrd. Euro

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach dem Urlaub drohen Wasserschäden und Legionellen. Versicherte sollten Leitungen spülen und den Haupthahn kennen, um Risiken zu minimieren.

Rückkehr aus dem Urlaub: Wasserleitungen richtig spülen und Schäden vermeiden
Nahaufnahme eines Haupthahns für die Wasserleitung in einem modernen Hauswirtschaftsraum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Rückkehr aus dem Sommerurlaub ist für viele Haushalte mit technischen und hygienischen Herausforderungen verbunden. Stillstehende Wasserleitungen und ungenutzte Hausinstallationen bergen sowohl wirtschaftliche Risiken durch unentdeckte Leckagen als auch gesundheitliche Gefahren durch Bakterienbildung. Experten und Branchenverbände weisen in aktuellen Analysen auf notwendige Schutzmaßnahmen und die rechtliche Situation für Versicherungsnehmer hin.

Wirtschaftliche Dimension und technische Schwachstellen

Die Relevanz von Vorsorgemaßnahmen wird durch statistische Erhebungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verdeutlicht. Demnach werden in Deutschland jährlich mehr als 1 Million Leitungswasserschäden gemeldet. Allein im Jahr 2024 summierte sich der hiermit verbundene Schadenaufwand auf 4,9 Milliarden Euro.

Analysen des Instituts für Schadenverhütung (IFS) aus dem August 2026 zeigen detailliert auf, wo die technischen Schwachstellen liegen. Mit 27 Prozent stellen Verbindungen und Dichtungen die häufigste Ursache dar, gefolgt von Defekten an Geräten mit 24 Prozent und Armaturen mit 19 Prozent.

Besonders kritisch bewerten die Experten Installationsfehler, die für 40 Prozent der Schäden verantwortlich zeichnen. Ein spezifisches Risiko geht vom sogenannten Flexschlauch aus: Dieser ist für 8 bis 10 Prozent der Schäden ursächlich und kann bei einem Bruch eine Austrittsmenge von bis zu 25 Litern Wasser pro Minute erreichen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Pflichten der Versicherten

Hinsichtlich des Versicherungsschutzes bestehen oft Unsicherheiten über die Pflichten während der Abwesenheit. Laut den Versicherungsbedingungen VGB/VHB 2022 existiert für bewohnte Wohnungen keine explizite Urlaubsklausel. Dennoch sind Versicherungsnehmer zur Schadensminderung verpflichtet. Der Bund der Versicherten (BdV) empfiehlt daher präventiv, den Haupthahn vor Beginn einer Reise konsequent zu schließen.

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Sollte es dennoch zu einem Schaden kommen, ist das Verhalten unmittelbar nach der Entdeckung entscheidend für die Regulierung. Experten raten dazu, den Haupthahn sofort zu schließen, die Stromzufuhr in betroffenen Bereichen zu unterbrechen und die Schäden umfassend zu dokumentieren.

Dass Nachlässigkeit rechtliche Konsequenzen haben kann, zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom 10. Juli 2025 (Az. 11 U 179/24). In diesem Fall wurde bei einem unbewohnten Haus wegen grober Fahrlässigkeit eine Kürzung der Versicherungsleistung um ein Drittel vorgenommen.

Hygienische Risiken durch Legionellenbildung

Neben den Sachschäden rückt die hygienische Beschaffenheit des Trinkwassers nach einer Stagnationsphase in den Fokus. Die AOK warnt vor der Vermehrung von Legionellen, die insbesondere in warmem, stehendem Wasser bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius gedeihen.

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Dirk Schneider, Serviceregionsleiter der AOK, betonte in einer Stellungnahme im August 2026 die Notwendigkeit, nach der Rückkehr aus dem Urlaub alle Wasserleitungen für einige Minuten sowohl heiß als auch kalt durchzuspülen.

Dieser Vorgang dient dazu, das Infektionsrisiko zu minimieren. Da eine Ansteckung primär durch das Einatmen von Aerosolen – etwa beim Duschen – erfolgt, sollten Bewohner während des Spülvorgangs den Raum verlassen oder für eine intensive Belüftung sorgen.

Die gesundheitlichen Folgen einer Infektion können gravierend sein. Während das Pontiac-Fieber als milde Form gilt und meist innerhalb weniger Tage ausheilt, stellt die Legionärskrankheit eine schwere Lungenentzündung dar, die in rund 10 Prozent der Fälle tödlich verläuft.

Zu den Risikogruppen zählen laut AOK insbesondere ältere Menschen, Raucher sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem. Zur Prävention wird empfohlen, die Wassertemperatur im System nicht unter 60 Grad Celsius zu senken, da Legionellen ab 55 Grad in ihrem Wachstum gehemmt werden und ab 60 Grad absterben.

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