Leukämie, Adipositas

Leukämie und Adipositas: IL-17A und GLP-1-Mangel treiben Krebs

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 23:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie belegt: Chronische Entzündungen durch Übergewicht begünstigen Leukämie. GLP-1-Medikamente und Antikörper zeigen in Tierversuchen Erfolge.

Adipositas-Entzündungen: Neuer Leukämie-Risikofaktor entdeckt
Abstrakte Darstellung zellulärer Entzündungen und GLP-1-Signale mit verwobenen roten und blauen molekularen Bahnen vor einer menschlichen Silhouette. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Forscher identifizierten eine gefährliche Kombination: Das Entzündungsprotein IL-17A und verminderte GLP-1-Signale treiben die Krebsentstehung voran. In Tierversuchen reduzierte eine Therapie aus Anti-IL-17A-Antikörpern und GLP-1-Medikamenten die Leukämie-Last deutlich.

Die Ergebnisse basieren auf Daten von über 440.000 Personen aus der UK Biobank. Auch eine Studie der Universität Graz vom 13. Juli bestätigt die zentrale Rolle von Entzündungsmediatoren. Dort untersuchten Forscher entzündungshemmende Vitamin-E-Metaboliten, die vor Gewebeschäden schützen könnten.

Abnehmspritzen: Erfolg mit Nebenwirkungen

GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid ermöglichen erhebliche Gewichtsverluste – bis zu 20,9 Prozent mit Mounjaro. Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin warnt vor dem Verlust an Muskelmasse.

Experten raten zu begleitendem Krafttraining und proteinreicher Ernährung. Ohne Gegenmaßnahmen droht eine Sarkopenie.

Ein weiteres Problem: 10 bis 30 Prozent der Patienten sprechen kaum auf die Präparate an. Als Ursachen gelten Anwendungsfehler, Insulinresistenz und genetische Faktoren. Eine Mutation im PAM-Gen, die bei etwa 10 Prozent der Bevölkerung vorkommt, sowie Varianten der GLP-1- und GIP-Rezeptoren beeinflussen den Therapieerfolg. Frauen reagieren tendenziell stärker auf die Medikamente.

Neue Wirkstoffe erweitern das Spektrum

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In der Phase-III-Studie TRANSCEND senkte der Wirkstoff Setmelanotid den BMI bei Patienten mit hypothalamischer Adipositas über 52 Wochen um 16,5 Prozent. Die Placebogruppe verzeichnete dagegen eine Zunahme.

In der präklinischen Forschung zeigt ein KI-identifiziertes Peptid namens BRP vielversprechende Ergebnisse: Es zügelt den Appetit und führt vorrangig zu Fettverlust – ohne Muskelabbau. Mit einer Marktzulassung rechnen Forscher frühestens in fünf bis zehn Jahren.

Gewichtsneutrale Ansätze im Kommen

Die für August 2026 angekündigte EASE-Studie der JLU Gießen verfolgt einen anderen Weg. Mit 40 Teilnehmern untersucht sie, ob Achtsamkeit und der Abbau von Stigmatisierung das Wohlbefinden steigern – ohne Gewichtsreduktion als primäres Ziel.

Rechtliche Anerkennung und besorgniserregende Trends

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Das Bundessozialgericht entschied am 11. Juni 2026 (Az. B 9 SB 1/25 R): Adipositas permagna muss im Schwerbehindertenrecht als verstärkender Faktor berücksichtigt werden. Das Urteil unterstreicht die Anerkennung der Erkrankung als gravierende körperliche Beeinträchtigung.

Parallel warnen Onkologen vor einer besorgniserregenden Entwicklung: Die Darmkrebsinzidenz bei 20- bis 39-Jährigen in Deutschland steigt jährlich um über 3 Prozent. Forscher führen dies auf den westlichen Lebensstil und eine beschleunigte biologische Alterung zurück. Die Geburtskohorten der 1990er-Jahre altern deutlich schneller als vorangegangene Generationen. Adipositas und die damit verbundenen Entzündungsprozesse gelten als wesentliche Treiber.

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