Lithium, GedÀchtnisverlust

Lithium verlangsamt GedÀchtnisverlust: Studie zeigt fast 50% weniger Verfall

18.06.2026 - 10:21:02 | boerse-global.de

Eine Pilotstudie deutet auf neuroprotektive Effekte von niedrig dosiertem Lithium bei leichten kognitiven BeeintrÀchtigungen hin.

Lithium gegen Demenz: Neue Studie zeigt verlangsamten kognitiven Verfall
Lithium - Nahaufnahme eines menschlichen Gehirns mit leuchtenden neuronalen Pfaden und ĂŒberlagerten Lithiumkristallstrukturen in einem Labor. 18.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

In der Psychiatrie ist das Metall seit Jahrzehnten etabliert. Nun rĂŒckt es in den Fokus der Alzheimer-Forschung. Klinische Tests deuten auf neuroprotektive Eigenschaften hin – selbst in niedriger Dosierung.

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GedÀchtnisverlust um fast die HÀlfte verlangsamt

Die University of Pittsburgh untersuchte in einer zweijÀhrigen Pilotstudie die Wirkung von Lithiumcarbonat. 80 Àltere Probanden mit leichten kognitiven BeeintrÀchtigungen (MCI) nahmen teil. Die Ergebnisse veröffentlichte das Fachjournal JAMA Neurology.

Die primĂ€ren Endpunkte verfehlte die Studie zwar. Doch bei der GedĂ€chtnisleistung zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In der Lithium-Gruppe sank das verbale GedĂ€chtnis jĂ€hrlich um 0,73 Punkte. In der Kontrollgruppe waren es 1,42 Punkte – fast doppelt so viel.

Die Forscher stuften die Anwendung als sicher und machbar ein. Klar ist aber: Umfassendere klinische BestÀtigungen stehen noch aus.

Warum Lithium im Gehirn von Alzheimer-Patienten fehlt

Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2025 lieferte Einblicke in die biochemischen ZusammenhÀnge. Dr. Robert H. Shmerling und sein Team fanden heraus: Lithium ist das einzige Metall, das im Gehirn von Alzheimer-Patienten in signifikant reduzierter Konzentration vorkommt.

Offenbar wird das Metall in Amyloid-Plaques eingeschlossen. FĂŒr normale neuronale Prozesse steht es dann nicht mehr ausreichend zur VerfĂŒgung.

Tierversuche mit Ratten untermauern die These: Ein Lithiummangel in der ErnĂ€hrung fĂŒhrte zu vermehrter Plaquebildung. Eine Behandlung mit Lithiumorotat konnte den GedĂ€chtnisverlust verhindern. Allerdings ist Lithiumorotat derzeit nur als NahrungsergĂ€nzungsmittel erhĂ€ltlich – nicht zur medizinischen Behandlung von Alzheimer zugelassen.

Demenz-Zahlen könnten auf 2,1 Millionen steigen

Die Dringlichkeit prÀventiver AnsÀtze zeigt eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Veröffentlicht im Juni 2026 im European Journal of Epidemiology, prognostiziert sie: Bis 2060 könnten die DemenzfÀlle in Deutschland auf bis zu 2,1 Millionen steigen. Aktuell sind es rund 1,3 Millionen Betroffene.

Die regionalen Unterschiede sind enorm: In MĂŒnchen liegt die PrĂ€valenz bei 1,7 Prozent. Im Landkreis Elbe-Elster sind es bis zu 6,2 Prozent.

Neben medikamentösen AnsÀtzen setzen Experten auf LebensstilÀnderungen. Eine Leipziger Studie auf Basis der NAKO-Gesundheitsstudie mit rund 150.000 Teilnehmern vom Mai 2026 zeigt: Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen beeintrÀchtigen die kognitive LeistungsfÀhigkeit bereits im Alter zwischen 20 und 39 Jahren. SchÀtzungen zufolge sind etwa 36 Prozent der DemenzfÀlle in Deutschland durch PrÀvention beeinflussbar.

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Weitere Wirkstoffe in der Pipeline

Die Lithium-Forschung ist nur ein Teil eines breiteren Spektrums. Im Juni 2026 prĂ€sentierten Forscher der ETH ZĂŒrich Ergebnisse zum Wirkstoff CPD10. Er hemmt in MĂ€usen das Enzym GRK2 und stabilisiert so die Mitochondrienfunktion in Nervenzellen.

Ebenfalls im Juni 2026 veröffentlichte die Monash University Daten zu einem kupferbasierten Medikament namens Cu(ATSM). In Labormodellen reduzierte es Beta-Amyloid-Ablagerungen um 42 Prozent. Das rÀumliche GedÀchtnis verbesserte sich um fast 44 Prozent.

Und dann ist da noch Glucosamin: Forscher identifizierten es im Juni 2026 im Fachjournal Nature Metabolism als potenziellen Risikofaktor. Es könnte die Hyperglykosylierung im Gehirn verstÀrken und den Krankheitsfortschritt beschleunigen.

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