LogSync-Hirnchip, Erkennt

LogSync-Hirnchip: Erkennt kognitive ZustÀnde und löst gezielte Impulse aus

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der energiearme Implantatchip erkennt neuronale Muster und steuert gezielte Impulse; bis zum klinischen Einsatz sind weitere Entwicklungsschritte nötig.
Ein steriler, hochmoderner Laborarbeitsplatz mit metallischen OberflÀchen in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Erforschung und Behandlung neurologischer sowie psychiatrischer Erkrankungen setzt zunehmend auf miniaturisierte Elektronik und maschinelles Lernen. Ein zentraler Fortschritt in diesem Feld ist die Entwicklung von Systemen, die neuronale AktivitÀten nicht nur passiv aufzeichnen, sondern dynamisch auf VerÀnderungen im Gehirn reagieren können.

An der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hat ein Forschungsteam um Mahsa Shoaran mit dem implantierbaren Chip LogSync ein System konzipiert, das die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnarealen erfasst und kognitive sowie emotionale ZustÀnde in Echtzeit bestimmen kann.

Adaptive Steuerung und energieeffiziente Signalverarbeitung

Der LogSync-Chip misst rund 4 mal 2 Millimeter und zeichnet sich durch einen besonders geringen Energiebedarf aus. Nach Angaben aus Fachberichten verbraucht das System weniger als 200 Mikrowatt. Diese Energieeffizienz wird maßgeblich durch logarithmische Berechnungen ermöglicht, welche die rechenintensive Netzwerkanalyse in Echtzeit direkt auf dem Implantat erlauben.

Ein integrierter Algorithmus auf Basis von maschinellem Lernen extrahiert spezifische Netzwerk-Biomarker wie Oszillationen und Synchronie zwischen Hirnarealen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen der Tiefenhirnstimulation, die hÀufig mit starren, kontinuierlichen Parametern arbeiten, verfolgt das System einen geschlossenen Regelkreis: Erkennt der Algorithmus ein bestimmtes AktivitÀtsmuster, löst der Chip gezielte elektrische Stimulationsimpulse aus.

Die FunktionsfĂ€higkeit des Konzepts wurde bereits anhand von menschlichen Hirndaten sowie in Tierversuchen ĂŒberprĂŒft. Bei menschlichen Aufzeichnungen konnte das System kognitive Beteiligung wĂ€hrend Denkaufgaben sowie emotionale Erregung beim Betrachten von Videoclips identifizieren. In Versuchen an Ratten an der University of Minnesota löste das Implantat Stimulationspulse prĂ€zise in zuvor definierten AktivitĂ€tsphasen aus.

Potenziale fĂŒr psychiatrische Erkrankungen und weitere Schritte

Das ĂŒbergeordnete Ziel dieser Entwicklung liegt in der Verbesserung von Behandlungsoptionen fĂŒr schwere psychiatrische Leiden wie Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen und Zwangsstörungen. WĂ€hrend die Tiefenhirnstimulation seit Jahrzehnten erfolgreich bei Bewegungsstörungen wie Parkinson eingesetzt wird, steht die prĂ€zise Anpassung an schwankende emotionale ZustĂ€nde vor grĂ¶ĂŸeren Herausforderungen.

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Die Forschungsarbeit wurde mit 6,6 Millionen Schweizer Franken durch das US-amerikanische National Institute of Mental Health (NIMH) gefördert. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dazu wurden im September 2026 im Fachjournal IEEE Journal of Solid-State Circuits publiziert.

Bis zu einer klinischen Anwendung sind jedoch weitere Entwicklungsstufen notwendig. KĂŒnftige ForschungsansĂ€tze zielen zudem auf Anwendungen bei Bewegungsstörungen, nichtinvasive Stimulationsverfahren sowie Schnittstellen auf Ultraschallbasis ab.

ErgĂ€nzende AnsĂ€tze zur kognitiven FrĂŒherkennung

Parallel zu interventionellen Implantaten gewinnen auch multimodale Sensorsysteme fĂŒr die FrĂŒherkennung neurodegenerativer Prozesse an Bedeutung. Am ICMC-USP im brasilianischen SĂŁo Carlos entwickelt ein Team unter der Leitung von Roberto Douglas GuimarĂŁes de Aquino und Supervisor Alexandre Delbem eine Plattform, die Virtual Reality, EEG-HirnaktivitĂ€tsanalysen und Eye-Tracking kombiniert. Das im FAPESP-finanzierten Zentrum ciaGsaĂșde und in Partnerschaft mit der EESC-USP angesiedelte Projekt zielt darauf ab, leichte kognitive BeeintrĂ€chtigungen frĂŒhzeitig festzustellen.

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FachschĂ€tzungen zufolge sind etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen ĂŒber 65 Jahre von leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen betroffen; rund die HĂ€lfte von ihnen kann innerhalb von bis zu fÜnf Jahren eine Demenzform wie Alzheimer entwickeln.

Mithilfe tiefer neuronaler Netze und interpretierbarer Modelle analysiert die Plattform Blick- und AktivitÀtsmuster wÀhrend virtueller Aufgaben. Nach Abschluss der klinischen Validierung planen die Entwickler, die Software sowie anonymisierte DatensÀtze quelloffen auf GitHub bereitstellen.

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