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LOIS Legal Research: KI-Citator findet 174 schwerwiegende Fehler in 2.073 Zitaten

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 03:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Filevine ergänzt LOIS um KI-gestützte Quellenkontrolle und zeigt erhebliche Fehlerquoten in geprüften US-Gerichtsdokumenten auf.

Filevine erweitert LOIS um KI-Citator und Halluzinationsprüfung
Ein minimalistisches Anwaltsbüro mit leerem Schreibtisch und einfallendem Tageslicht vor unscharfen Bücherregalen. Illustration mit AI erstellt.

Das Legal-Tech-Unternehmen Filevine hat eine Erweiterung seiner Plattform LOIS Legal Research um einen KI-basierten Citator sowie Funktionen zur Erkennung von Halluzinationen bekannt gegeben.

Wie das Unternehmen Anfang September 2026 mitteilte, zielen die neuen Werkzeuge darauf ab, die Integrität juristischer Schriftsätze durch eine automatisierte Prüfung von Zitaten und Rechtsquellen sicherzustellen. Laut CEO Ryan Anderson erreiche die Leistung des neuen Systems ein Niveau, das mit etablierten Branchenlösungen wie LexisNexis oder Thomson Reuters vergleichbar oder diesen überlegen sei.

Automatisierte Validierung von Zitaten und Autoritäten

Die neuen Funktionen innerhalb von LOIS sind darauf ausgelegt, Schriftsätze systematisch auf halluzinierte oder veränderte Zitate sowie falsch dargestellte juristische Autoritäten zu prüfen. Das Tool hebt spezifische Textpassagen hervor, damit Anwälte verifizieren können, ob die angeführten Quellen noch geltendes Recht darstellen oder durch neuere Rechtsprechung überholt wurden.

Zur offiziellen Einführung der Technologie ist für den 10. September 2026 ein Webinar angekündigt, in dem die Funktionsweise der Werkzeuge detailliert erläutert werden soll.

Die Mechanik des LOIS-Citators erlaubt es Juristen, bestimmte Passagen zu markieren. Das System verfolgt daraufhin spätere Meinungen und Urteile zu derselben Rechtsfrage, selbst wenn diese den ursprünglichen Fall nicht explizit zitieren. Das Ergebnis wird in Form einer quellenverlinkten Notiz ausgegeben.

Hohe Fehlerquote in untersuchten Gerichtsdokumenten

Hintergrund der Entwicklung sind Analysen zur Zuverlässigkeit juristischer Einreichungen. In einem Testlauf prüfte Filevine 68 sanktionierte Einreichungen bei US-Bundesgerichten. Von den insgesamt 2.073 untersuchten Zitaten konnten 61,8 % verifiziert werden, während 38,2 % zur weiteren Überprüfung durch einen Anwalt markiert wurden. Bei 8,4 % der Zitate – insgesamt 174 Fällen – handelte es sich um schwerwiegende Fehler.

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Laut den Berichten vom September 2026 wies jedes der getesteten Dokumente mindestens eine Markierung auf. Während die sauberste Einreichung mit einer hohen Anzahl an Zitaten eine Fehlerquote von rund 9 % aufwies, waren bei dem am schlechtesten bewerteten Dokument 76 % der Angaben fehlerhaft.

In den Tests identifizierte das System unter anderem ein vollständig erfundenes Urteil im Fall Renschler v. Yosh sowie fehlerhafte Zitate im Fall Shcherbakovskiy v. Da Capo Al Fine, in dem der Begriff „deponent“ fälschlicherweise durch „party“ ersetzt worden war.

Zudem erkannte die Software Fälle, in denen die Rechtsfolge ins Gegenteil verkehrt wurde, wie im Fall Watson v. State of California, oder Gesetzestexte durch das Einfügen zusätzlicher Wörter in ihrem Sinn verändert wurden.

Technologische Differenzierung gegenüber etablierten Anbietern

Filevine positioniert sein Produkt als Ergänzung zu bestehenden Diensten wie Westlaw KeyCite oder Lexis Shepard's, nicht als vollständigen Ersatz. In einem Kopf-an-Kopf-Test gab das Unternehmen an, dass LOIS 14 sogenannte „stille“ negative Behandlungen von Rechtsfällen erkannt habe, die von KeyCite und Shepard's übersehen worden seien.

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Zur Begründung der Notwendigkeit neuer Ansätze verweist das Unternehmen auf Studien zur Konsistenz bestehender Citatoren. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 habe gezeigt, dass Shepard's, KeyCite und BCite bei der Bewertung negativer Behandlungen nur in 53 von 357 Fällen übereinstimmten, was einer Uneinigkeit von 85 % entspricht. Die Fehlerraten wurden dabei für Shepard's mit 33 %, für KeyCite mit 38 % und für BCite mit 72 % angegeben.

Trotz der technologischen Unterstützung bleibt die anwaltliche Sorgfaltspflicht gemäß ABA Model Rule 1.1 bestehen. Die Verantwortung für die endgültige Verifizierung der juristischen Argumentation liegt weiterhin bei den handelnden Juristen.

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