Long-COVID, Patienten

Long-COVID: 27% der Patienten haben persistierende Virus-RNA

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 12:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

UCSF-Studie: Bei Long-COVID-Patienten finden sich persistierende Virus-RNA im Darm. Neue Biomarker-Forschung soll Diagnose und Therapie verbessern.

Long-COVID: Darm-Immunsystem kann Virusreste nicht beseitigen
Ein medizinisches Labor-Mikroskop mit einer Gewebeprobe zur Erforschung von Long-COVID-Symptomen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Erklärungsansätze für die anhaltenden Beschwerden nach einer Infektion mit SARS-CoV-2. Im Fokus der Forschung steht dabei zunehmend der Magen-Darm-Trakt. Eine aktuelle Preprint-Studie der University of California, San Francisco (UCSF) deutet darauf hin, dass das Immunsystem im Darm von Long-COVID-Patienten das Virus nicht effektiv eliminieren kann. Diese Erkenntnisse könnten die Grundlage für verbesserte Diagnoseverfahren und Therapieansätze bilden.

Persistierende Viruslast im Darmgewebe nachgewiesen

Die Untersuchung der UCSF stützt sich auf die Daten von 44 Patienten, die unter Long-COVID leiden. Die Forscher stellten fest, dass bei einem signifikanten Anteil der Betroffenen Virus-Rückstände im Körper verbleiben. Konkret fanden sich bei 27 Prozent der Probanden – 12 von 44 Patienten – persistierende SARS-CoV-2-RNA-Spuren im Darmgewebe.

Zum Vergleich wurden auch Daten von genesenen Personen erhoben. In dieser Kontrollgruppe wies lediglich eine von 13 Personen entsprechende Rückstände auf. Diese Differenz unterstreicht die Vermutung, dass die Unfähigkeit des Körpers, Virusbestandteile vollständig aus dem Darmgewebe zu entfernen, eng mit dem Krankheitsbild von Long-COVID verknüpft sein könnte.

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Unkoordinierte Immunantwort als zentrales Problem

Die Forscher der UCSF identifizierten bei den betroffenen Patienten spezifische Immunanomalien im Darm. Die Analyse der Gewebeproben ergab eine unkoordinierte Reaktion des Immunsystems: Während Entzündungsprozesse im Darm aktiv blieben, war die Fähigkeit des Körpers zur effektiven Virus-Eliminierung deutlich geschwächt.

Diese anhaltende Entzündungsaktivität ohne den Erfolg, die verursachenden Virusreste zu beseitigen, scheint den Forschern zufolge ein wesentlicher Treiber der Symptomatik zu sein. Ein Problem für die medizinische Praxis ist dabei die Diagnose: Die Studie zeigt auf, dass herkömmliche Blutuntersuchungen diese spezifischen Gewebeveränderungen und immunologischen Fehlfunktionen im Darm oft nicht erfassen. Die lokal begrenzten Anomalien bleiben bei Standardtests meist unentdeckt.

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Ausbau der Forschung durch das VIPER-Programm

Um diese Zusammenhänge weiter zu verifizieren und in klinisch nutzbare Verfahren zu übersetzen, wurde im März 2026 das VIPER-Programm initiiert. Das Projekt wird mit Mitteln in Höhe von 1,35 Millionen US-dollar durch die Organisation PolyBio finanziert. Ziel dieses Programms ist die Validierung von Biomarkern, die eine Virus-Persistenz im Körper zuverlässig nachweisen können.

An der Studie nehmen insgesamt 150 Probanden teil, aufgeteilt in 100 Long-COVID-Patienten und eine Kontrollgruppe von 50 genesenen Personen. Die Wissenschaftler konzentrieren sich dabei auf die Entwicklung schneller klinischer Tests. Durch die Identifizierung valider Biomarker soll es künftig möglich sein, die Virus-Persistenz im Gewebe ohne invasive Eingriffe nachzuweisen und gezielte Behandlungsstrategien für die betroffenen Patienten zu entwickeln. Das Programm markiert einen wichtigen Schritt in der Erforschung der langfristigen immunologischen Folgen der Pandemie.

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