Long, Flu

«Long Flu»: Langzeitfolgen auch nach Grippe möglich

15.12.2023 - 11:16:55

Long Covid ist mittlerweile in aller Munde. Über Langzeitfolgen der Grippe wird hingegen weniger geredet. Forschende haben die beiden PhĂ€nomene verglichen.

Ähnlich wie bei Corona kann auch eine Grippe-Infektion bei Klinikpatienten schwerwiegende Langzeitfolgen haben. Darauf weisen US-Forscher im Fachjournal «The Lancet Infectious Diseases» hin. Sie hatten die gesundheitliche Entwicklung von Patienten, die wegen Corona oder Grippe ins Krankenhaus eingewiesen wurden, ĂŒber einen Zeitraum von 18 Monaten beobachtet und miteinander verglichen.

Die Gruppe um Ziyad Al-Aly von der Washington University School of Medicine in St. Louis (Missouri, USA) stellten dabei unter anderem fest, dass sowohl bei Corona als auch bei der Grippe in der akuten Phase (bis 30 Tage nach Infektionsbeginn) das Risiko fĂŒr bestimmte schwere gesundheitliche Probleme geringer war als in der Zeit danach. Im Durchschnitt war das Risiko schwerwiegender Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion höher als nach einer Grippe.

Al-Aly und Kollegen nennen die langwierigen Auswirkungen der Grippe «Long Flu», wobei «flu» die Kurzform des englischen Begriffs fĂŒr Grippe ist. FĂŒr die langwierigen Folgen von Covid-19 hat sich auch in Deutschland der Begriff «Long Covid» eingebĂŒrgert.

«Infektion kann zu einer chronischen Krankheit fĂŒhren»

Nicht im Fokus der Studie stand die Frage, wie hĂ€ufig Long Covid oder Long Flu bei Klinikpatienten auftreten. «Eine wichtige Lektion, die wir von Sars-CoV-2 gelernt haben, ist, dass eine Infektion, von der ursprĂŒnglich angenommen wurde, dass sie nur eine kurze Krankheit verursacht, auch zu einer chronischen Krankheit fĂŒhren kann», wird Al-Aly in einer Uni-Mitteilung zitiert.

Die Forscher wollten wissen, ob und in welchem Ausmaß Menschen mit Grippe auch langfristige gesundheitliche Probleme haben. Sie untersuchten die FĂ€lle von 81.280 Patienten, die zwischen 1. MĂ€rz 2020 und 30. Juni 2022 wegen Covid-19 in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Deren gesundheitliche Entwicklung verglichen sie mit den FĂ€llen von 10.985 Patienten, die zwischen 1. Oktober 2015 und 28. Februar 2019 wegen einer Grippe im Krankenhaus behandelt wurden.

In den jeweils betrachteten 18 Monaten hatten Covid-19-Patienten gegenĂŒber Grippe-Patienten ein um 51 Prozent erhöhtes Risiko zu sterben (28,46 FĂ€lle gegenĂŒber 19,84 FĂ€llen pro 100 Personen).

Impfungen können vor schweren VerlĂ€ufen schĂŒtzen

Das Gesundheitsrisiko war fĂŒr Corona-Patienten in neun von zehn betrachteten Organsystemen höher als fĂŒr Grippe-Patienten. Lediglich im Hinblick auf die Lunge hatten Grippe-Patienten ein höheres Risiko negativer gesundheitlicher Folgen. Die Anzahl verlorener gesunder Lebensjahre (DALY – disability-adjusted life years) lag in der Grippe-Gruppe bei 242,66 Jahren pro 100 Personen, in der Covid-19-Gruppe bei 287,43 Jahren.

«Die Vorstellung, dass Covid-19 oder Grippe nur akute Krankheiten sind, ĂŒbersieht ihre grĂ¶ĂŸeren langfristigen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit», betonte Al-Aly. Mediziner mĂŒssten sich stĂ€rker bewusst machen, dass Vireninfektionen eine bedeutende Ursache fĂŒr chronische Krankheiten sind.

Sowohl bei Covid-19 als auch bei der saisonalen Grippe könnten Impfungen dazu beitragen, schwere KrankheitsverlĂ€ufe zu verhindern und das Risiko von Krankenhausaufenthalten und TodesfĂ€llen zu verringern, sagte Al-Aly. «Die Optimierung der Impfquote muss fĂŒr Regierungen und Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt weiterhin PrioritĂ€t haben». Dies gelte besonders fĂŒr gefĂ€hrdete Bevölkerungsgruppen, wie Ă€ltere Menschen und Menschen mit geschwĂ€chtem Immunsystem.

@ dpa.de