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Long COVID und ME/ CFS: Leopoldina fordert bessere Versorgung für 1,5 Millionen

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Akademie empfiehlt bessere Diagnostik, verknüpfte Gesundheitsdaten und Prävention; eine Studie weist auf erhöhte Risiken bei Nachtarbeit hin.

Long COVID: Leopoldina legt über 30 Vorschläge für bessere Versorgung vor
Ein leerer, ruhig beleuchteter Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung, der die Lücke in der Versorgung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Mehr als 1,5 Millionen Menschen leben in Deutschland laut aktuellen Studien mit Long COVID und/oder ME/CFS. Viele von ihnen leiden monate- oder jahrelang unter Beschwerden, manche können nicht mehr arbeiten.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat diese Größenordnung zum Anlass genommen, in einer Stellungnahme vom 1. Oktober 2026 mit dem Titel „Postinfektiöse Erkrankungen: Versorgung, Dateninfrastruktur, Forschung und Prävention“ mehr als 30 Handlungsoptionen für eine bessere Versorgung vorzulegen. Auch die Bevölkerungswissenschaftlerin Regina Riphahn bestätigte laut einem Bericht die genannte Zahl von 1,5 Millionen Betroffenen.

Diagnostik und Versorgungslücken

Die Stellungnahme attestiert der aktuellen Versorgungslage erhebliche Mängel: Diagnosen würden häufig unter-, über- oder fehlerhaft gestellt, Betroffene erhielten oft verspätete, fehlende oder falsche Einordnungen ihrer Beschwerden. Eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses aus dem Jahr 2023 sei bislang kaum umgesetzt worden.

Zudem fehlten Strukturen für schwer Erkrankte sowie spezialisierte Klinik- und Reha-Zentren. Versorgungslücken bestünden demnach zwischen ambulanter, hausärztlicher und spezialisierter Versorgung sowie in Akutkliniken und Reha-Einrichtungen.

Für schwer Erkrankte brauche es eine sektorenübergreifende, individuell angepasste Betreuung sowie bessere Übergänge zwischen Pädiatrie und Erwachsenenmedizin, so die Leopoldina. Hausärzte sollten Beschwerden, Multimorbidität und mögliche Medikamentenwechselwirkungen stärker berücksichtigen; für schwer Erkrankte seien zudem Hausbesuche notwendig.

Als Lösungsansätze schlägt die Akademie unter anderem eine einheitliche Diagnostik, regelmäßige Verlaufskontrollen sowie eine bessere Verknüpfung von Gesundheits-, Abrechnungs- und Sozialdaten vor.

Gefordert wird außerdem eine engere Verzahnung von Forschung und Versorgung, die Einbindung von Betroffenen, der Aufbau einer Studieninfrastruktur sowie verstärkte Biomarkerforschung – mit dem Ziel, Erkenntnisse rasch in die praktische Versorgung zu übertragen.

Datenlücken als zentrales Hindernis

Ein wiederkehrendes Thema der Stellungnahme ist der Mangel an belastbaren und verknüpfbaren Daten. Deutschland fehle es an ausreichend vielen, qualitativ hochwertigen Datensätzen, die sich sinnvoll zusammenführen ließen.

Die Leopoldina schlägt daher ePA-Datenspenden, ein nationales Register sowie die sichere Verknüpfung medizinischer mit nichtmedizinischer Daten vor. Die elektronische Patientenakte könne dabei als Forschungsgrundlage dienen – vorausgesetzt, die Datennutzung beruht auf einer breiten Einwilligung der Erkrankten.

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Prävention durch Impfung und frühe Behandlung

Neben der Versorgungsstruktur widmet sich die Stellungnahme auch der Prävention. COVID-19-Impfungen könnten demnach nicht nur akute Verläufe abmildern, sondern auch postinfektiösen Erkrankungen vorbeugen und das Risiko schwerer Folgen senken.

Eine frühe antivirale Behandlung beziehungsweise geeignete Medikamente während einer akuten SARS-CoV-2-Infektion könnten die Viruslast rasch reduzieren und machten Long COVID seltener. Die Leopoldina fordert in diesem Zusammenhang aussagekräftige klinische Studien, Biomarker zur Identifikation besonders gefährdeter Personen sowie neue Impfstoffe, etwa gegen das Epstein-Barr-Virus.

Die wirtschaftliche Dimension der Erkrankungen beziffert die Akademie auf langfristige Kosten von 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schichtarbeit als zusätzlicher Risikofaktor

Parallel zur Versorgungsdebatte liefert eine Studie mit dem Titel „Night work, sleep disruption and long-COVID risk“ neue Hinweise auf Risikofaktoren für Long COVID. Die Untersuchung wertete Daten von SARS-CoV-2-Infizierten aus den Jahren 2021 bis 2023 aus; von rund 2.000 Teilnehmenden berichteten knapp 300 über Long-Covid-Symptome, die länger als drei Monate anhielten.

Nachtschichtarbeitende hatten gegenüber Tagarbeitenden demnach ein um 88 Prozent höheres Long-Covid-Risiko. Schlafstörungen erhöhten das Risiko unabhängig von der Schichtarbeit um 42 Prozent. Kamen Nachtarbeit und chronische Schlaflosigkeit zusammen, stieg das Risiko auf das 2,7-Fache. Bei Nachtschichtarbeitenden erhöhte zudem Adipositas das Risiko zusätzlich.

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Diese Befunde ergänzen die Leopoldina-Stellungnahme um einen arbeitsmedizinischen Aspekt: Sie deuten darauf hin, dass Präventionsstrategien künftig nicht nur Impfungen und frühe antivirale Behandlung, sondern auch Arbeitsbedingungen und Schlafqualität stärker berücksichtigen müssten.

Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Leopoldina: Mehr Aufmerksamkeit für Long COVID soll Versorgung verbessern – News“

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