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Long COVID und ME/ CFS: Leopoldina legt mehr als 30 Handlungsoptionen vor

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Akademie empfiehlt Forschung, bessere Daten und spezialisierte Versorgung; die Umsetzung bestehender Vorgaben bleibt vielerorts begrenzt.

Leopoldina legt mehr als 30 Vorschläge zu Long COVID und ME/CFS vor
Ein modernes, steriles medizinisches Forschungslabor mit hochwertiger klinischer Ausstattung und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Nationalakademie der Wissenschaften Leopoldina hat eine Stellungnahme zu Prävention, Versorgung, Forschung und Dateninfrastruktur bei postinfektiösen Erkrankungen vorgelegt, die mehr als 30 Handlungsoptionen für den Umgang mit Long COVID und ME/CFS enthält.

Die Stellungnahme wurde von 16 Gutachterinnen und Gutachtern geprüft, bevor sie veröffentlicht wurde. Sie reiht sich ein in eine Debatte über strukturelle Lücken in der Versorgung, die sich derzeit auf mehreren Ebenen zeigt – von der Bundespolitik bis zu einzelnen Bundesländern und österreichischen Regionen.

Forderungen nach Biomarkern, Registern und spezialisierter Versorgung

Die Leopoldina fordert verstärkte Biomarkerforschung, aussagekräftige klinische Studien sowie verknüpfbare Daten und Register, um postinfektiöse Erkrankungen besser zu verstehen. Hinzu kommen Forderungen nach standardisierter Diagnostik, regelmäßigen Verlaufskontrollen und spezialisierten Versorgungsstrukturen.

Zentral ist zudem die Forderung, erfolgreiche Forschungsergebnisse rascher in die klinische Praxis zu übertragen. Nach Angaben von Regina Riphahn leben in Deutschland 1,5 Millionen Menschen mit Long COVID oder ME/CFS – eine Zahl, die die Dringlichkeit der geforderten Maßnahmen unterstreicht.

Die Stellungnahme verweist auch auf präventive Ansätze: COVID-19-Impfungen senken demnach das Risiko schwerwiegender Krankheitsfolgen, und laut Norbert Suttorp reduzieren sie zudem das Risiko, an Long COVID zu erkranken, deutlich.

Auch antivirale Mittel bei einer akuten SARS-CoV-2-Infektion können laut der Stellungnahme das Long-COVID-Risiko senken. Die langfristigen wirtschaftlichen Kosten postinfektiöser Erkrankungen schätzt die Leopoldina auf 0,1 bis 0,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Als strukturelle Antwort schlägt die Akademie eine Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen vor, die auch Prävention umfassen soll. Um die notwendige Datennutzung für Forschung und Versorgung abzusichern, sollen breite Einwilligungen und ein Opt-out-Verfahren zum Einsatz kommen.

Bestehende Richtlinien bleiben hinter den Erwartungen zurĂĽck

Dass solche Forderungen auf eine bislang unzureichende Umsetzung bestehender Vorgaben treffen, zeigt der Blick auf die Versorgungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aus dem Jahr 2023. Nach Einschätzung von Carmen Scheibenbogen ist diese Richtlinie bislang kaum umgesetzt worden.

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Auch auf Landesebene gibt es Verzögerungen: Die Rheinische Post berichtete, dass interdisziplinäre Kompetenzzentren für ME/CFS in Nordrhein-Westfalen voraussichtlich nicht mehr vor der nächsten Wahl umgesetzt werden, obwohl die schwarz-grüne Landesregierung entsprechende Fördermittel im Koalitionsvertrag zugesagt hatte.

Ă–sterreichische Regionen mit unterschiedlichem Tempo

In Österreich zeigt sich ein uneinheitliches Bild beim Ausbau spezialisierter Angebote. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) entwickelt ein Basisdiagnostik-Tool. Das Burgenland plant ab Oktober eine ME/CFS-Ambulanz in Oberwart sowie ein sechswöchiges stationäres Therapieprogramm in Bad Tatzmannsdorf.

Die Steiermark will bis spätestens November oder Dezember 2026 eine Ambulanz in Graz einrichten. Oberösterreich plant eine Ambulanz für 2027, mit Kosten von rund 1,2 Millionen Euro bis 2028, die je zur Hälfte von Land und Sozialversicherung getragen werden sollen.

Wien plant eine Anlaufstelle für Anfang 2027 mit jährlich 5.000 Behandlungen. In Tirol hingegen bleibt die ärztliche Koordinationsstelle weiterhin vakant, wenngleich inzwischen eine Videosprechstunde eingerichtet wurde.

Spannungsfeld zwischen Forderung und Umsetzung

Die Leopoldina-Stellungnahme trifft damit auf ein Versorgungssystem, in dem sich Ankündigungen und tatsächliche Umsetzung an vielen Stellen auseinanderentwickeln.

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In Deutschland leben 1,5 Millionen Menschen mit Long COVID oder ME/CFS — doch die G-BA-Versorgungsrichtlinie von 2023 ist laut Fachleuten bislang kaum umgesetzt, und spezialisierte Zentren lassen vielerorts auf sich warten. Unser Leitfaden bündelt, welche Anlaufstellen es gibt und wie Sie sich im Versorgungssystem Schritt für Schritt orientieren. Checkliste Anlaufstellen jetzt sichern

Während die Wissenschaftsakademie auf eine koordinierte, datengestützte Strategie mit nationaler Reichweite drängt, zeigen die Beispiele aus Nordrhein-Westfalen und einzelnen österreichischen Bundesländern, wie unterschiedlich schnell Regionen und Länder auf den wachsenden Bedarf reagieren.

Ob die vorgeschlagene Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen die notwendige politische Verbindlichkeit erzeugt, um die mehr als 30 Handlungsoptionen der Leopoldina tatsächlich umzusetzen, bleibt vorerst offen.

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de | wissenschaft | 70215477 |