Long-Covid-Versorgung: Ă–sterreich zeigt Weg fĂĽr 73.600 Betroffene
28.06.2026 - 11:32:39 | boerse-global.de
Unternehmen holen Produktion zurück, Apotheken kämpfen ums Überleben – und Patienten mit chronischen Erkrankungen bangen um ihre Versorgung.
Produktion kehrt zurück – aber zu welchem Preis?
Salutas Pharma will die Medikamentenproduktion gezielt aus dem Ausland zurückholen. Bei einem Besuch in Barleben am 26. Juni wurde klar: Das Unternehmen fährt dort unter anderem die Produktion des Krebsmedikaments Tamoxifen hoch. Ziel ist es, die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu verringern.
Doch der Plan hat einen Haken. Laut Sandoz-Geschäftsführung landen Chargen aus deutschen Werken teilweise in Brasilien – weil die Preise dort wirtschaftlicher sind als im deutschen System. Generika-Hersteller wie Ratiopharm fordern daher staatliche Anpassungen. Die Rechnung: Preiserhöhungen sollen die Versorgung mit kritischen Wirkstoffen sichern. Die Krankenkassen müssten mit Mehrkosten von bis zu 600 Millionen Euro rechnen.
Apotheken: Weniger Ă–ffnungszeiten, mehr Aufgaben
Die flächendeckende Versorgung hängt an den Vor-Ort-Apotheken. Doch viele Standorte kämpfen ums Überleben. Das Bundesgesundheitsministerium reagiert mit einer Verordnung: Künftig sollen Apotheken flexiblere Öffnungszeiten bekommen. Werktags reicht eine Mindestdienstbereitschaft von sechs Stunden zwischen 8 und 18 Uhr, samstags drei Stunden. Am 10. Juli soll der Bundesrat zustimmen.
Parallel dazu plant das Apotheken-Reformgesetz (ApoVWG) eine Honoraranpassung. Das Honorar für rezeptpflichtige Medikamente steigt von 8,35 auf 9 Euro, ab Januar 2027 auf 9,50 Euro. Im Gegenzug dürfen Apotheken künftig Impfungen mit Totimpfstoffen und Injektions-Schulungen anbieten. Die Ärzteschaft zeigt sich skeptisch.
Österreich hat ein einheitliches Versorgungskonzept für Long Covid beschlossen – mit drei Modellen und einer neuen S2-Leitlinie. Der kostenlose Selbst-Check zeigt Ihnen, welcher Pfad zu Ihren Symptomen passt und wie Sie ihn nutzen. Selbst-Check per E-Mail anfordern
Die CSU-Landtagsfraktion bringt zudem ein Rx-Versandverbot ins Spiel. Ausländische Versandapotheken könnten durch erlassene Zuzahlungen Preisvorteile bieten – ein Wettbewerbsnachteil für lokale Apotheken, so die Begründung.
Ă–sterreich zeigt, wie Long-Covid-Versorgung geht
Ein Vorzeigeprojekt kommt aus Österreich. Bund, Länder und Sozialversicherungen einigten sich am 26. Juni auf ein einheitliches Versorgungskonzept für ME/CFS und Long Covid. Rund 73.600 Betroffene sollen strukturierte Behandlungspfade bekommen.
Das Konzept sieht drei Versorgungsmodelle vor, die Sozialversicherung übernimmt die Koordination. Zusätzlich ist eine spezifische S2-Leitlinie geplant – sie soll die medizinische Qualität bei postviralen Erschöpfungssyndromen standardisieren.
Opioid-Krise: Die unterschätzte Gefahr
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Die Zahlen sind alarmierend: 2024 starben in Deutschland 2137 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum. Bei 1286 Verstorbenen spielten Opioide eine Rolle. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 1226 Todesfälle.
Fachleute warnen vor einer Unterfinanzierung der Suchtberatung. Der Konsum von Substanzen wie Crack steigt. Die Folge: Integrierte Versorgungskonzepte für Suchtpatienten werden immer dringender – doch die Politik reagiert bislang zögerlich.
