Loom Video-Prompts: KI lernt jetzt durch Bildschirmaufnahmen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Atlassian-Tochter erlaubt es, KI per Screencast zu trainieren. Ein Trend, der auch deutsche Unternehmen erreicht.
Die Zeiten, in denen man KI-Agenten umständlich per Textbefehle füttern musste, könnten bald vorbei sein. Loom, bekannt für seine Video-Nachrichten-Plattform und Teil des australischen Softwarekonzerns Atlassian, führt ab sofort Video-Prompts für KI-Agenten ein. Nutzer zeichnen ihren Bildschirm auf, sprechen dazu – und die Software erstellt daraus einen strukturierten Aktionsplan für die künstliche Intelligenz.
Wie die Video-Fütterung funktioniert
Das Prinzip ist einfach: Wer einen Arbeitsablauf erklärt, filmt ihn einfach. Loom erfasst dabei Transkript, Klicks, Links und Schlüsselbilder. Aus diesen Daten generiert das System einen strukturierten Aktionsplan, der sich an verschiedene KI-Agenten weitergeben oder direkt in Jira-Aufgaben umwandeln lässt.
Die Ankündigung vom 22. Juli ist Teil einer größeren Offensive. Bereits einen Tag zuvor hatte Atlassian ein ganzes Bündel an Neuerungen für das Jira-Ökosystem vorgestellt: eine Jira-Integration für Slack, einen Jira Planner und einen neuen Jira Coding Agent. Hinzu kommen autonome Workflows und sogenannte agentische Vorlagen, die Entwicklern das Leben leichter machen sollen.
Das Herzstück dieser Verbesserungen ist der Teamwork Graph. Atlassian zufolge steigert er die Genauigkeit der Agenten um 44 Prozent – bei gleichzeitig 48 Prozent weniger benötigten Tokens. Ein Fortschritt, der vor allem für größere Teams in deutschen DAX-Konzernen interessant sein dürfte, die mit komplexen Projektstrukturen kämpfen.
Die Branche zieht mit: Lernen durch Zuschauen
Loom ist nicht allein. Am selben Tag launchte auch Anthropic eine ähnliche Funktion: Mit „Record a skill“ für Claude Cowork können Nutzer ihre Bildschirmaktivitäten aufzeichnen, um der KI wiederkehrende Aufgaben beizubringen. Die Funktion erfasst Mausbewegungen und Tastatureingaben und erstellt daraus automatisierte Abläufe auf den Servern von Anthropic.
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Schon Mitte Juni hatte OpenAI eine vergleichbare Funktion namens „Record and Replay“ für Codex vorgestellt. Die Botschaft der Branche ist klar: KI lernt künftig durch Beobachtung, nicht durch Anleitung. Statt mühsamer Textprompts reicht eine kurze Video-Demonstration.
Spezialisierte KI-Videotools fürs Training
Doch nicht nur bei den großen Playern tut sich was. Am 21. Juli startete Leadde AI in Indien mit einem Agenten, der PDFs, Präsentationen und Arbeitsanweisungen in editierbare Videos in über 120 Sprachen verwandelt. Erste Kunden meldeten eine 90-prozentige Effizienzsteigerung bei der Produktion und 70 Prozent weniger Kosten. Für deutsche Unternehmen mit internationalen Teams könnte das ein echter Gamechanger sein.
Parallel dazu brachte KnowBe4 seinen Custom AI Video Builder auf den Markt – in Partnerschaft mit Synthesia. Das Tool richtet sich an Sicherheitsschulungen und erstellt Videos mit über 120 KI-Avataren. Erhältlich ist es über eine jährliche Vorab-Lizenz, integriert in die Content-Creation-Plattform des Unternehmens.
Infrastruktur für die Agentenflut
Mit der wachsenden Zahl an KI-Agenten steigt auch der Bedarf an Kontrolle und Sicherheit. Am 20. Juli veröffentlichte AWS eine Open-Source-Referenzarchitektur – ebenfalls unter dem Namen Loom – die sich der Governance von Unternehmens-KI-Agenten widmet. Die Plattform implementiert Token-Austauschprotokolle und verlangt, dass alle Ressourcen getaggt werden.
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OpenAI zog am 22. Juli mit Presence nach, einer Plattform für Echtzeit-Sprachagenten und Chatbots. Erste Großkunden wie BBVA und SoftBank testen das System bereits.
Und Harness brachte am 21. Juli sein Agent DLC an den Start – ein Entwicklungs-Framework mit KI-Firewalls und Asset-Katalogen, das Agenten in verschiedenen Cloud-Umgebungen absichern soll.
Die Botschaft ist eindeutig: Video wird zur neuen Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Wer KI wirklich produktiv einsetzen will, kommt an bewegten Bildern bald nicht mehr vorbei.
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