Lungenimmunzellen: 29 Subtypen entschlüsseln Autoimmun-Mechanismen
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 02:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der immunologischen Forschung sind neue Erkenntnisse über die Mechanismen gewonnen worden, die chronische Autoimmunprozesse in der Lunge vorantreiben. Wissenschaftler am La Jolla Institute for Immunology (LJI) identifizierten im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung, wie gewebespezifische Immunzellen diese Prozesse maßgeblich beeinflussen. Die Ergebnisse, die Anfang August 2026 veröffentlicht wurden, geben detaillierte Einblicke in die zelluläre Architektur des Organs und die genetischen Grundlagen entzündlicher Erkrankungen.
Umfangreiche Einzelzell-Analyse im Rahmen des DICE-Projekts
Grundlage der Erkenntnisse ist eine groß angelegte Studie, die als Teil des DICE-Projekts (Database of Immune Cell Expression) durchgeführt wurde. Unter der Leitung der Forscher Vijayanand und Schmiedel analysierte das Team insgesamt 1.150.336 Immunzellen aus dem Lungengewebe von 120 beziehungsweise 128 Probanden. Durch diese Analyse konnten die Wissenschaftler 29 verschiedene Zellsubtypen innerhalb des Lungengewebes identifizieren.
Die Untersuchung markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Kartierung des Immunsystems, da sie sich explizit auf gewebe-residente Zellen konzentriert. Bisherige Forschungen stützten sich häufig auf Blutproben, die jedoch nur bedingt Rückschlüsse auf die spezifischen Vorgänge in einzelnen Organen zulassen. Die nun vorliegenden Daten zeigen laut den Studienautoren deutlich, dass die Immunantwort in der Lunge eigene, hochspezialisierte Merkmale aufweist.
Genetische Effekte und geschlechtsspezifische Unterschiede
Ein zentrales Ergebnis der im August 2026 vorgestellten Analyse betrifft die Genexpression innerhalb des Lungengewebes. Die Forscher identifizierten rund 1.000 Gene, die genetische Effekte ausschließlich im Gewebe und nicht im zirkulierenden Blut zeigen. Diese gewebespezifischen Ausprägungen sind entscheidend für das Verständnis lokaler Autoimmunreaktionen. Insgesamt wurden im Rahmen der Studie 3.550 sogenannte eQTL-Gene (Expression Quantitative Trait Loci) identifiziert, die Aufschluss darüber geben, wie genetische Varianten die Genaktivität beeinflussen.
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Zudem liefert die Untersuchung wichtige Daten zu biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Den Ergebnissen zufolge weisen etwa 1.700 Gene Geschlechtsunterschiede in ihrer Aktivität oder Regulation auf. Diese Erkenntnis könnte erklären, warum bestimmte Autoimmunerkrankungen der Lunge Männer und Frauen in unterschiedlicher Intensität oder Häufigkeit betreffen.
Verknüpfung mit Autoimmunerkrankungen und Datenverfügbarkeit
Die Wissenschaftler des La Jolla Institute for Immunology konnten zeigen, dass spezifische Autoimmun-Gene in den gewebe-residenten Zellen der Lunge aktiv sind. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Gen ZFP57. Die Studie belegt eine Kolokalisierung dieses Gens mit Ergebnissen aus genomweiten Assoziationsstudien (GWAS) zu Autoimmunerkrankungen. Dies deutet darauf hin, dass ZFP57 eine Schlüsselrolle bei der Entstehung oder Aufrechterhaltung chronischer Entzündungsprozesse im Lungengewebe spielen könnte.
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Um die weitere Forschung in diesem Bereich zu unterstützen, wurden die Ergebnisse und Datensätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Informationen sind in der spezialisierten Datenbank lung.dice-database.org hinterlegt. Fachleute gehen davon aus, dass diese detaillierte Karte der Lungenimmunzellen als Basis für die Entwicklung zielgerichteter Therapien dienen kann, die direkt an den lokal aktiven Zellsubtypen ansetzen, anstatt das gesamte Immunsystem systemisch zu beeinflussen.
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