Lungenkrebs-Screening: Hausärzte rechnen Beratung ab August ab
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im deutschen Gesundheitswesen markiert der August 2026 eine entscheidende Phase für die Präventionsmedizin. Hausärzte, Internisten sowie Pneumologen können seit dem 1. August 2026 die Erstberatung zum Lungenkrebs-Screening extrabudgetär abrechnen. Diese Neuerung in der Vergütungsstruktur soll die flächendeckende Umsetzung des Früherkennungsprogramms unterstützen, das bereits im Frühjahr 2026 durch die gesetzlichen Krankenkassen finanziert wurde.
Qualifizierung und Voraussetzungen für Mediziner
Um die Erstberatung extrabudgetär abrechnen zu können, müssen Mediziner eine spezifische Qualifizierung nachweisen. Diese erfolgt über eine einstündige Fortbildung, die gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und dem Deutschen Ärzteverlag angeboten wird. Diese Maßnahme stellt sicher, dass die beratenden Ärzte über die notwendigen Kriterien zur Patientenauswahl und zum Ablauf des Screenings informiert sind.
Bereits seit April 2026 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das eigentliche Screening mittels Niedrigdosis-Computertomographie (Niedrigdosis-CT) bei definierten Risikopatienten. Anspruchsberechtigt sind Personen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang geraucht haben. Zudem müssen mindestens 15 sogenannte Packungsjahre vorliegen, und ein etwaiger Rauchstopp darf nicht länger als 10 Jahre zurückliegen.
Medizinische Relevanz und Heilungschancen
Das Lungenkrebs-Screening verfolgt das Ziel, bösartige Neubildungen in einem Stadium zu entdecken, in dem sie noch behandelbar sind. Statistiken belegen, dass in Deutschland jährlich über 57.000 Neuerkrankungen an Lungenkrebs verzeichnet werden. Der Präsident der DGP, Prof. Christian Taube, betonte in diesem Zusammenhang die signifikant höheren Heilungschancen durch eine frühzeitige Diagnose. Studien zum Lungenkrebs-Screening zeigen, dass die Sterblichkeit durch dieses Verfahren um etwa 20 % gesenkt werden kann.
Fachärzte wie Prof. Tim Hirche von den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden verweisen darauf, dass eine Früherkennung heilend wirken könne, während Diagnosen in der Spätphase mit hohen Kosten und geringeren Erfolgsaussichten verbunden seien. Aktuelle Daten der Wiesbadener Klinik verdeutlichen die Problematik: Etwa 76 % der Lungenkrebs-Patienten werden derzeit erst in einem späten Stadium diagnostiziert.
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Regionale Umsetzung und technologische Unterstützung
Die Implementierung des Screenings schreitet bundesweit voran. Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende hat das Netzwerk „Lungenkrebs CT-Screening Mitteldeutschland“ ins Leben gerufen, dem über 100 Ärzte aus fünf Bundesländern angehören. Dort ist geplant, die Kapazitäten von zunächst 20 auf später 40 Untersuchungen täglich zu steigern. Dabei kommen KI-gestützte Analysen und strukturierte Programme zur Rauchentwöhnung zum Einsatz.
Auch andere Standorte wie die Asklepios Lungenklinik Gauting sind bereits in das Screening-Programm gestartet; weitere Zentren in Hamburg sollen folgen. Diese Einrichtungen setzen auf qualitätsgesicherte Zweitbefundungen und eine enge Anbindung an zertifizierte Lungenkrebszentren. Für operative Eingriffe im Rahmen der Früherkennung werden an spezialisierten Standorten zudem moderne Technologien wie der Operationsroboter „Da Vinci“ für minimalinvasive Verfahren genutzt.
Hürden und gesundheitspolitische Forderungen
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Trotz der neuen Abrechnungsmöglichkeiten gibt es weiterhin Herausforderungen. Mediziner am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart beobachten, dass das Screening-Angebot noch nicht flächendeckend verfügbar ist und bei vielen Rauchern Hemmungen bestehen, das Angebot wahrzunehmen. Da etwa 80 % bis 90 % der Fälle auf das Rauchen zurückzuführen sind, gilt der Rauchstopp als die wichtigste flankierende Maßnahme. Prof. Torsten Bauer bezeichnete die Entwöhnung als zentrales Element im Kontext des Screenings.
Auf politischer Ebene werden zudem präventive Regulierungen diskutiert. Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck rechnet damit, dass das Screening bis Ende 2026 flächendeckend zur Verfügung stehen wird. Parallel dazu fordert er verschärfte Maßnahmen im Nichtraucherschutz, darunter eine Erhöhung der Tabaksteuer, ein Verbot von Aromen für Vapes sowie ein Verbot von Nikotinbeuteln, um die Neuerkrankungsraten langfristig zu senken.
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