Lungenkrebs-Screening: Niedrigdosis-CT senkt Sterblichkeit um bis zu 24 Prozent
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erkrankungen der Atemwege kündigen sich oft durch alltägliche Symptome an, doch hinter anhaltendem Husten oder Kurzatmigkeit können ernste Krankheitsbilder stehen. Mehrere Medienberichte widmen sich der Frage, ab welchem Zeitpunkt Betroffene Warnsignale wie Husten oder Atemnot ärztlich untersuchen lassen sollten und welche diagnostischen Schritte infrage kommen.
Hustendauer und Alarmsymptome richtig deuten
Nach einer Erkältung bildet sich der Husten bei gesunden Erwachsenen gewöhnlich innerhalb von drei Wochen zurück. Wie eine kanadische Studie von Liang et al. aus dem Februar 2024 darlegt, litt bis zu einem Viertel der Erkälteten mehrere Wochen nach dem Infekt an postinfektiösem Husten.
Eine postvirale Rhinosinusitis kann sich über bis zu zwölf Wochen erstrecken. Gemäß der S2k-Leitlinie Husten aus dem Jahr 2025 gilt ein Husten ab einer Dauer von acht Wochen als chronisch und erfordert einen Arztbesuch.
Bestimmte Begleitsymptome verlangen jedoch ein sofortiges Handeln. Bei Blut im Auswurf sollte unverzüglich eine ärztliche Untersuchung stattfinden, da eine Lungenembolie vorliegen könnte. Auch bei hohem Fieber oder extremer Kurzatmigkeit ist der Gang in eine Praxis notwendig, während bei milderen Verläufen zunächst die Beratung durch einen Apotheker erfolgen kann.
Bei akuter Atemnot mit Sprechschwierigkeit oder wenn ein Notfallspray keine Besserung bringt, gilt der Notruf 112; außerhalb der Praxisöffnungszeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Diagnostik bei Asthma und chronischen Beschwerden
Liegt der Verdacht auf Asthma vor, erfolgt die Langzeitbetreuung laut der Nationalen Versorgungsleitlinie NVL Asthma (Version 5.0 aus dem Jahr 2024, gĂĽltig bis zum 14. August 2029) meist beim Hausarzt beziehungsweise Kinder- und Jugendarzt. Eine Ăśberweisung in die Pneumologie ist vorgesehen, wenn Zweifel an der Diagnose bestehen, die Erkrankung trotz Therapie unzureichend kontrolliert ist oder eine Notfallbehandlung vorausging.
Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung und Spirometrie. Zeigt sich eine Verengung der Atemwege, folgt ein Reversibilitätstest mit einem kurz wirksamen Bronchienerweiterer; ein deutlicher Anstieg der Messwerte spricht für Asthma.
Eine Peak-Flow-Messung allein reicht fĂĽr eine Diagnose nicht aus. Bei Verdacht auf allergisches Asthma schlieĂźt sich eine allergologische Stufendiagnostik mit Pricktest oder spezifischem IgE im Blut an.
Lungenknoten und FrĂĽherkennung per Niedrigdosis-CT
Auf Röntgen- oder Schnittbildern festgestellte Rundherde lösen oft Sorge aus. Nach Angaben der Cleveland Clinic entdecken Radiologen Lungenknoten bei fast jeder dritten Computertomografie des Brustkorbs, wobei es sich meist nicht um Krebs handelt.
Anhaltender Husten wird oft als harmlos abgetan – dabei entscheidet der Zeitpunkt, ob eine ernste Erkrankung früh erkannt wird. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt in klaren Schritten, ab wann Husten ärztlich abgeklärt werden muss und wie die Früherkennung mit Niedrigdosis-CT abläuft. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Häufige gutartige Ursachen sind Granulome nach Infektionen wie Tuberkulose, Autoimmunerkrankungen wie Sarkoidose oder rheumatoide Arthritis, Fibrosen sowie gutartige Tumore wie Hamartome und Adenome. Dennoch kommen Lungenkrebs, Metastasen oder eine atypische adenomatöse Hyperplasie infrage. Die Abklärung geschieht mittels CT, Positronen-Emissions-Tomografie (PET), Bluttests und Biopsien.
Prof. Patrick Dorn vom Inselspital Bern führt an, dass die Mehrheit der Lungenknoten gutartig ist und der Krebsverdacht von Parametern wie Größe, Form, Wachstum sowie Risikofaktoren wie Rauchen abhängt. Eine CT-Untersuchung mit geringer Strahlung gilt als entscheidend für die Früherkennung, ist in der Schweiz jedoch noch nicht flächendeckend verfügbar.
Wird ein bösartiger Tumor frühzeitig erkannt, bestehen durch operative Eingriffe – meist minimalinvasiv – häufig gute Heilungschancen. Je nach Tumorart kommen Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, Immuntherapie oder zielgerichtete Medikamente zum Einsatz.
Eine Arbeitsgruppe der IARC mit 23 Experten bestätigte 2026 im Fachjournal New England Journal of Medicine den Nutzen von Lungenkrebsscreenings mit Niedrigdosis-CT zur Reduktion der Lungenkrebsmortalität und der Inzidenz fortgeschrittener Lungenkarzinome in den Stadien III oder IV.
Laut Prof. Bleckmann senkt dieses Verfahren die Sterblichkeit bei Hochrisikopatienten um rund 20 bis 24 Prozent. In Deutschland besteht seit April ein bundesweites Früherkennungsangebot mit Niedrigdosis-CT, dessen Start nach der Schulung von rund 1.000 niedergelassenen Ärzten im Oktober erfolgt.
Die Münsterlandinitiative stellt als erste Region eine digitale Infrastruktur bereit, um den Prozess von der Beratung bis zur Befundabklärung zu koordinieren; von den 1,6 Millionen Einwohnern der Region erfüllen rund 105.000 Personen zwischen 50 und 75 Jahren mit langjähriger Raucherhistorie die Kriterien.
In Österreich stellt Lungenkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung dar. Zu Beginn des Jahres 2025 lebten nach Zahlen der Statistik Austria rund 409.000 Menschen mit einer Krebsdiagnose, davon 5.533 Fälle an der Lunge. Für das Jahr 2024 registrierte die Statistik 2.513 Neuerkrankungen bei Frauen und 3.020 bei Männern sowie 1.761 beziehungsweise 2.463 lungenkrebsbedingte Sterbefälle.
Ein auf dem CT entdeckter Lungenknoten löst fast immer Angst aus – dabei sind die meisten Rundherde gutartig. Der Leitfaden erklärt, welche Befunde harmlos sind, wann eine Abklärung nötig ist und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Leitfaden zur Einordnung von Lungenknoten sichern
Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) beziffert die Neuerkrankungen auf jährlich rund 5.000, von denen 80 Prozent im fortgeschrittenen Stadium über Stadium 1 festgestellt werden, und verweist darauf, dass eine CT-Früherkennung die Sterblichkeit um mindestens 20 Prozent senken könne.
Während in 22 von 27 EU-Ländern bereits Programme oder Pilotphasen existieren, verfügt Österreich noch über keine Pilotphase, obwohl die dortige Raucherquote im Jahr 2023 mit 32 Prozent über dem EU-Schnitt von 24 Prozent lag.
