Lupus-Therapie, EULAR

Lupus-Therapie: EULAR rät, Kortikoide auf höchstens 5 mg zu senken

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute setzen bei SLE auf frühe Remission, Organschutz und einen geringeren Kortikoideinsatz; CAR-T-Zellen bleiben prüfungsbedürftig.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer modernen Klinik mit diffusem Tageslicht und neutraler Gestaltung. Illustration mit AI erstellt.

In der Rheumatologie zeichnet sich bei der Behandlung des systemischen Lupus erythematodes (SLE) ein grundlegender Wandel ab. Fachmediziner verabschieden sich zunehmend vom Ansatz, lediglich akute Krankheitsschübe zu kontrollieren.

Im Mittelpunkt moderner Therapiestrategien stehen das frühzeitige Erreichen einer Remission oder minimalen Krankheitsaktivität, das Verhindern irreversibler Organschäden sowie eine drastische Reduktion von Kortikoiden. Diesen Paradigmenwechsel thematisierten Experten Mitte Oktober 2026 auf einer Fachtagung der Spanischen Gesellschaft für Rheumatologie (SER) im spanischen Córdoba.

Abkehr von dauerhafter Kortikoid-Gabe

Bislang bildeten Glukokortikoide über Jahrzehnte das Rückgrat der Lupus-Therapie. Doch die langfristigen Nebenwirkungen wiegen schwer. Dr. Clara Moriano vom Universitätsklinikum León betonte auf der SER-Tagung, dass das Behandlungsziel künftig darin bestehen müsse, irreversible Schäden zu verhindern und weitestgehend auf Kortikoide zu verzichten.

Patienten mit SLE weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein etwa doppelt so hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte auf. Verantwortlich dafür seien neben traditionellen Faktoren wie Bluthochdruck und Cholesterin vor allem krankheitsspezifische Mechanismen wie die chronische Entzündung und die dauerhafte Kortikoid-Exposition.

Daten des spanischen RELESSER-Registers verdeutlichen, dass Organschäden insbesondere im ersten Jahr nach der Diagnose auftreten und kardiovaskuläre Komplikationen maßgeblich dazu beitragen. Fachleute fordern daher eine entsprechende Prävention ab dem Tag der Diagnosestellung.

Diesen Kurs stützen auch die Leitlinien der europäischen Rheumagesellschaft EULAR. Diese empfiehlt Hydroxychloroquin als Basistherapie für jeden Schweregrad. Glukokortikoide sollten hingegen so schnell wie möglich auf höchstens 5 mg Prednison-Äquivalent pro Tag gesenkt und idealerweise ganz abgesetzt werden.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen chronischer Entzündungen und deren Einfluss auf die Blutwerte befasst, sollte seine Laborergebnisse genau prüfen. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte für die Gesundheit wirklich entscheidend sind und wie man sie richtig interpretiert. Kostenlosen 25-Seiten-Laborwerte-Check hier anfordern

Wie Prof. Dr. George Bertsias von der Universität Kreta darlegte, steigen die Risiken schrittweise: Bereits ab 2,5 mg täglich drohe eine Hyperglykämie, ab 5 mg über sechs Monate wachse die Gefahr einer Osteoporose, ab 7,5 mg das kardiovaskuläre Risiko und ab 20 mg das Auftreten psychischer Auffälligkeiten.

Früher Einsatz von Biologika und zielgerichteten Therapien

Um das Immunsystem ohne hohe Steroiddosen zu kontrollieren, forderte Dr. Tarek Salman vom Hospital del Mar in Barcelona ein früheres und gezielteres Handeln. Biologika sollten nicht erst spät als Reservemittel dienen.

Mit Belimumab und Anifrolumab stehen bereits zugelassene Biologika zur Verfügung, für die Langzeitdaten über bis zu fünf Jahre einen sinkenden Bedarf an Steroiden und klassischen Immunsuppressiva belegen. Mit dem Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab erweitert sich dieses Spektrum.

Anzeige

Chronische Entzündungsprozesse im Körper belasten das System oft unbemerkt und können zu ständiger Müdigkeit oder Schmerzen führen. Ein kostenloser Ratgeber zeigt nun, wie eine gezielte Ernährung dabei helfen kann, Entzündungen auf natürliche Weise entgegenzuwirken. Die 12 stärksten natürlichen Entzündungs-Killer gratis entdecken

Auch auf internationaler Ebene setzt sich dieser Ansatz durch. Li Mengtao vom Peking-Union-Krankenhaus erklärte, dass eine Schichtung der Patienten nach Schweregrad helfe, Steroide rasch zu minimieren oder auszuschleichen, während zielgerichtete Wirkstoffe den nötigen Organschutz böten.

Wie wichtig die dauerhafte Eindämmung der Entzündung ist, belegt eine Längsschnittstudie um Nikolopoulos in den Annals of the Rheumatic Diseases: Nur eine anhaltende Remission über mehr als die Hälfte der Beobachtungszeit konnte das Risiko schwerer Krankheitsschübe und nachfolgender Organschäden signifikant senken.

Hoffnung und Vorsicht bei Zelltherapien

Für schwerste, therapieresistente Verläufe richten sich die Blicke auf neuartige Verfahren wie die CAR-T-Zelltherapie. Konsens-Empfehlungen von 31 Experten für Organisationen wie EBMT, ISCT und JACIE sehen darin eine denkbare Option nach dem Versagen von mindestens zwei immunsuppressiven Therapielinien.

Dr. Salman bezeichnete CAR-T-Zellen zwar als vielversprechend, mahnte jedoch zur Vorsicht: Nötig seien kontrollierte Studien und eine längere Nachbeobachtung. Dass dieser Weg nicht risikofrei ist, zeigten kürzliche Unterbrechungen von Studien des Herstellers Novartis aufgrund schwerer entzündlicher Nebenwirkungen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70375116 |