Lupus-Therapie, FrĂŒhdiagnose

Lupus-Therapie: FrĂŒhdiagnose und weniger Kortison sollen OrganschĂ€den verhindern

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
FrĂŒhe SLE-Erkennung und begrenzter Kortikoideinsatz sollen OrganschĂ€den mindern; Zelltherapien werden bei schwer behandelbaren VerlĂ€ufen untersucht.
Ein steriler, leerer medizinischer Laborraum mit glÀnzenden OberflÀchen und ReagenzglÀsern in einem Gestell. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle FachbeitrĂ€ge beleuchten einen grundlegenden Wandel in der Behandlung des systemischen Lupus erythematodes (SLE) und anderer schwerer Autoimmunerkrankungen. Im Mittelpunkt stehen Strategien zur Vermeidung irreversibler OrganschĂ€den durch eine frĂŒhzeitige Intervention sowie die Minimierung von Glukokortikoiden. Parallel dazu gewinnen neue zellulĂ€re AnsĂ€tze und bispezifische T-Zell-Engager bei therapierefraktĂ€ren VerlĂ€ufen an Bedeutung.

FrĂŒhdiagnose und steroidsparende Basistherapie

Eine frĂŒhzeitige Erkennung des SLE gilt als entscheidender Faktor, um langfristige OrganschĂ€den abzuwenden. Prof. George Bertsias von der UniversitĂ€t Kreta verweist darauf, dass eine verzögerte Diagnosestellung mit höherer KrankheitsaktivitĂ€t sowie einer Zunahme von SchĂŒben und OrganschĂ€den assoziiert ist. Zur Klassifikation stehen Instrumente wie die EULAR/ACR-Kriterien aus dem Jahr 2019 oder das probabilistische System SLERPI zur VerfĂŒgung.

Als universelle Basistherapie empfiehlt die EULAR den Einsatz von Hydroxychloroquin bei jedem Schweregrad. Die Substanz verringert in frĂŒhen Stadien das Auftreten einer Lupusnephritis und mindert das Risiko eines Nierenfunktionsverlusts.

Die deutsche S3-Leitlinie sieht eine Zieldosis von maximal 5 mg/kg Körpergewicht tĂ€glich vor, wobei regelmĂ€ĂŸige augenĂ€rztliche Kontrollen wegen retinaler Risiken erforderlich sind. Bei einer eGFR unter 30 mL/min/1,73 mÂČ wird eine Dosisreduktion um 50 Prozent empfohlen.

Zugleich betonen Leitlinien die Notwendigkeit, Glukokortikoide möglichst kurzfristig einzusetzen und nach Möglichkeit vollstĂ€ndig abzusetzen. Die Nebenwirkungen sind dosis- und zeitabhĂ€ngig: Eine HyperglykĂ€mie droht bereits ab 2,5 mg Prednison-Äquivalent tĂ€glich, das Osteoporoserisiko steigt ab 5 mg ĂŒber sechs Monate, kardiovaskulĂ€re Risiken nehmen ab 7,5 mg zu und psychische AuffĂ€lligkeiten ab 20 mg. Als langfristige Erhaltungsdosis gelten maximal 5 mg tĂ€glich.

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Vorgehen bei Lupusnephritis und Biologika-Einsatz

Die Lupusnephritis stellt die schwerste Organmanifestation des SLE dar und erhöht das Risiko fĂŒr chronische Niereninsuffizienz sowie kardiovaskulĂ€re Ereignisse, wenngleich Auswertungen bis 2019 einen RĂŒckgang der MortalitĂ€t um 26,1 Prozent verzeichnen.

Bei aktiver proliferativer Nephritis sieht die Leitlinie initial Mycophenolat oder intravenöses Cyclophosphamid in Kombination mit Glukokortikoiden vor. Mycophenolat Mofetil senkte in randomisierten Studien sowohl SchĂŒbe als auch das Auftreten von Nierenbeteiligungen. Begleitend werden ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker sowie SGLT2-Inhibitoren zur Renoprotektion genutzt.

Zu Behandlungsbeginn wird die Hinzunahme von Biologika wie Belimumab oder dem Calcineurin-Inhibitor Voclosporin in Kombination mit Mycophenolat geprĂŒft. Langzeitdaten ĂŒber fĂŒnf Jahre belegen sowohl fĂŒr Belimumab als auch fĂŒr Anifrolumab einen krankheitsmodifizierenden Effekt und einen reduzierten Bedarf an Immunsuppressiva. Als weitere Option befindet sich der Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab in der Diskussion.

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Bispezifische T-Zell-Engager bei refraktÀren VerlÀufen

FĂŒr Patientinnen und Patienten mit therapierefraktĂ€ren Erkrankungen eröffnen bispezifische T-Zell-Engager neue Optionen. Diese Konstrukte induzieren eine rasche B-Zell-Depletion, wenngleich die Wirkung nach einer B-Zell-Repopulation hĂ€ufig nachlĂ€sst.

Der Wirkstoff Blinatumomab besitzt eine Halbwertszeit von etwa 2,1 Stunden und wird kontinuierlich intravenös verabreicht. In einer Serie aus dem Jahr 2024 mit sechs schwer vorbehandelten Personen mit rheumatoider Arthritis fĂŒhrte eine niedrig dosierte Gabe zu einer B-Zell-Depletion und einem raschen RĂŒckgang der KrankheitsaktivitĂ€t ohne relevantes Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS).

Eine Fallserie aus dem Jahr 2026 bei fĂŒnf Erkrankten mit Antisynthetase-Syndrom, bei denen mindestens vier Therapien versagt hatten, zeigte unter Blinatumomab und anschließender Rituximab-Erhaltung ein CRS bei zwei von fĂŒnf Behandelten (Grad 2 bzw. 3).

Bei systemischer Sklerose kam es ohne Erhaltungstherapie nach einer Repopulation bei allen fĂŒnf Behandelten zwischen Monat drei und sechs zum RĂŒckfall.

ErgĂ€nzende Berichte betreffen den T-Zell-Engager Mosunetuzumab, der bei einer Patientin mit Granulomatose mit Polyangiitis ohne CRS zu einer Remission fĂŒhrte. Neben Engagern rĂŒcken auch zellulĂ€re AnsĂ€tze wie die CAR-T-Zell-Therapie in den Fokus klinischer Studien, nachdem eine 2024 publizierte deutsche Studie bei 15 Personen mit schweren Autoimmunerkrankungen vollstĂ€ndige Remissionen dokumentiert hatte.

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