Madrid, DGT

Madrid: DGT genehmigt Tests mit 20 autonomen Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 06:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die DGT erlaubt Erprobungsfahrten mit 20 Robotaxis; kommerzielle Pilotdienste hängen von weiteren technischen und administrativen Freigaben ab.
Moderne Straßenkreuzung in einem nördlichen Stadtteil von Madrid bei Tageslicht ohne Menschen oder Fahrzeuge. Illustration mit AI erstellt.

Die spanische Verkehrsbehörde DGT hat am 27. Oktober 2026 Tests mit 20 autonomen Fahrzeugen der Partner Uber, WeRide und AVOMO auf öffentlichen Straßen in Madrid genehmigt. Kommerzielle Robotaxi-Pilotdienste sollen zwischen Ende 2026 und 2027 anlaufen, vorbehaltlich der weiteren technischen und administrativen Freigaben.

Bereits am 4. September 2026 erteilte die Behörde eine bis September 2028 gültige Testgenehmigung für AVOMO in Kooperation mit WeRide und Uber. Diese umfasst 20 Level-4-Robotaxis, die mit einem Sicherheitsoperator an Bord betrieben werden.

Zum Einsatz kommt eine Flotte von 20 autonomen GXR-Fahrzeugen, deren Testfahrten sich auf den Norden Madrids konzentrieren. Erprobt werden die Systeme in den Stadtteilen Hortaleza, Sanchinarro, Las Tablas und Arturo Soria sowie in der Nachbarkommune Alcobendas. Ziel der Kooperationspartner bleibt die Aufnahme erster kommerzieller Einsätze noch vor Ende 2026.

Regulatorischer Rahmen der Region Madrid

Nach Angaben der Comunidad de Madrid ist das Pilotprojekt zunächst auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgelegt und kann anschließend verlängert werden. Die experimentelle Phase beginnt im vierten Quartal 2026. Die Regionalregierung sieht keine Vergabe neuer Taxi- oder VTC-Lizenzen vor, sondern strebt eine Integration bestehender Taxi- und VTC-Strukturen an.

Insgesamt führt die DGT in Madrid derzeit 36 autorisierte Level-4-Robotaxis. Neben den 20 Einheiten für AVOMO Cars, WeRide und Uber unter dem Aktenzeichen FVA-02/2026 verfügt Waymo über eine Genehmigung für 16 Fahrzeuge (FVA-03/2026), die vom 19. Oktober 2026 bis zum 18. Oktober 2028 gültig ist. Nach Angaben der DGT handelt es sich hierbei weder um zeitgleich verkehrende Flotten noch um reguläre kommerzielle Angebote.

Konkurrierende Pilotprojekte in der spanischen Hauptstadt

Die Alphabet-Tochter Waymo hatte am 20. Oktober 2026 angekündigt, in der Region Madrid einen vollautonomen Taxidienst vorzubereiten. Das Konzept sieht vor, 16 elektrische Jaguar I-PACE in Madrid-Stadt, Alcobendas und Getafe einzusetzen und erste Passagiere 2027 zu befördern.

Die Erprobung erfolgt im Rahmen der DGT-Instruktion VEH 2025/07. Dabei starten die Fahrzeuge zunächst im manuellen Fahrbetrieb mit lokal geschulten Autonomie-Experten am Steuer zur Datenerhebung. Waymo verweist auf mehr als 20 Millionen kommerzielle Fahrten sowie 400 Millionen vollautonom zurückgelegte Kilometer, darunter over 450 Millionen Kilometer auf öffentlichen Straßen in 15 US-Großstädten.

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Nach Unternehmensangaben verzeichnet das Fahrsystem 95 Prozent weniger Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen, 93 Prozent weniger Fußgängerkollisionen mit Verletzungen sowie 86 Prozent weniger Kollisionen mit Radfahrern im Vergleich zu menschlichen Fahrern, unabhängig von der Verschuldensfrage.

Zudem wählte der Mobilitätsdienstleister Bolt am 21. Oktober 2026 den Alpamayo-Stack von Nvidia als autonome Fahrtechnologie für sein europäisches Angebot. Bolt plant Madrid als erste Stadt für 2027 mit Elektrofahrzeugen von Lucid ein, abhängig von behördlichen Genehmigungen.

Für das europäische Gesamtprogramm nannte das Unternehmen eine Flotte von mindestens 25.000 Lucid-Fahrzeugen über mehrere Jahre, nicht jedoch ausschließlich für Madrid. Für das Madrider Programm von Bolt lag mit Stand vom 20. Oktober 2026 noch keine veröffentlichte DGT-Genehmigung vor.

Wirtschaftliche Perspektiven und Risikobewertung

Auf dem Madrid Autonomous Mobility Summit am 27. und 28. Oktober 2026 diskutierten Branchenvertreter über die Rahmenbedingungen. Uber-Manager Ildefonso Pastor erklärte vor Ort, Madrid habe die Chance, zur europäischen Referenz zu werden, und Spanien komme keineswegs zu spät.

Waymo-Managerin Aimée Jiménez betonte, die Technologie müsse schrittweise an jede einzelne Stadt angepasst werden. Bolt-Managerin Charlotte Eisner wies darauf hin, dass die Fahrzeuge permanent überwacht würden und eine Blackbox an Bord führten.

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Vertreter des Versicherers Mutua Madrileña gaben zu bedenken, dass das Risiko ohne menschliche Fahrer nicht verschwinde, sondern seinen Charakter ändere, weshalb der Fokus künftig auf den Systemen und Flottenmanagern liege. Der Anbieter Freenow by Lyft sprach sich für ein hybrides Modell aus autonomen und fahrergesteuerten Fahrzeugen aus.

Eine beim Mobilitätsgipfel am 27. Oktober 2026 vorgestellte Studie der Beratungsunternehmen Steer und Fourth Economy für die Chamber of Progress beziffert das wirtschaftliche Potenzial von Robotaxi-Diensten in Spanien bis 2050 auf einen Beitrag von rund 1,2 Milliarden Euro zum spanischen Bruttoinlandsprodukt sowie auf 31.800 unterstützte Arbeitsplätze. Das berechnete Szenario umfasst rund 52.600 autonome Pkw, womit Spanien der drittgrößte EU-Markt hinter Deutschland und Frankreich wäre.

Für die gesamte Europäische Union prognostiziert die Untersuchung einen Beitrag von 17,7 Milliarden Euro. Als Wachstumsbremse nannten die Autoren das EU-Limit von 1.500 homologierten Fahrzeugen pro Typ, welches die europäische Flotte rechnerisch auf maximal 27.000 Fahrzeuge deckeln könnte. Spanien gehört zugleich zu einer Gruppe von 22 Staaten, die grenzüberschreitende Testgelände unterstützen.

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