Männergesundheit: Nur 28 Prozent nutzen Vorsorge regelmäßig
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deRund um den Weltmännertag am 3. November 2026 rückt die gesundheitliche Situation von Männern verstärkt in den Fokus von Fachinstitutionen und Gesundheitsorganisationen.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) verweist in diesem Zusammenhang auf sein Informationsportal zur Männergesundheit und unterstreicht die Dringlichkeit von gezielter Prävention, einem gesundheitsbewussten Lebensstil sowie der Beachtung der psychischen Verfassung.
Hintergrund der Initiativen ist ein anhaltendes Ungleichgewicht bei der Lebenserwartung: Laut Angaben des BIÖG sterben Männer im Durchschnitt rund vier Jahre früher als Frauen, die Stiftung Männergesundheit beziffert diesen Unterschied auf rund fünf Jahre.
Risikofaktoren und Defizite bei der FrĂĽherkennung
Fachleute des BIÖG führen die geringere Lebenserwartung unter anderem darauf zurück, dass Männer häufiger riskanten Alkoholkonsum aufweisen und medizinische Vorsorgeangebote seltener wahrnehmen. Daraus resultieren höhere Risiken für Herzinfarkte, Schlaganfälle sowie Krebserkrankungen.
Das Institut empfiehlt regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Erholung und einen maßvollen Umgang mit Alkohol und Tabak, wobei betont wird, dass es keinen risikofreien Alkoholkonsum gebe. Konkret wird Männern ab 45 Jahren eine jährliche Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs sowie ab 50 Jahren die Darmkrebsvorsorge angeraten.
Dass Früherkennungsangebote nach wie vor zu selten genutzt werden, belegen Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demnach nahmen lediglich 28 Prozent der Männer im Alter zwischen 54 und 70 Jahren in mindestens drei von zehn Jahren an den entsprechenden Maßnahmen teil, obwohl geschätzt 6,9 Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens an Prostatakrebs erkranken.
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In Deutschland werden nach Zahlen der Stiftung Männergesundheit jährlich rund 70.000 Neuerkrankungen registriert. Bei Hodenkrebs verzeichnet die Stiftung jährlich über 4.000 Diagnosen; die Erkrankung betrifft vor allem jüngere Männer zwischen 20 und 45 Jahren, weist mit rund 97 Prozent jedoch eine sehr hohe langfristige Heilungsrate auf. Fachleute empfehlen Männern zwischen 15 und 45 Jahren daher eine monatliche Selbstabtastung.
Auch in Österreich zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Im Rahmen der dortigen Initiative zur Prostatakrebs-Früherkennung ruft die Österreichische Krebshilfe Männer ab 50 Jahren – bei familiärer Vorbelastung ab 45 Jahren – zur Untersuchung mittels Anamnese und PSA-Test auf.
Laut Statistik Austria erhielten im Jahr 2024 in Österreich 25.997 Männer eine Krebsdiagnose. Mit 8.152 Neuerkrankungen war Prostatakrebs für 31 Prozent aller bösartigen Neuerkrankungen bei Männern verantwortlich; 1.434 Betroffene verstarben im selben Jahr an den Folgen.
Belastungen in der Arbeitswelt und betriebliche UnterstĂĽtzung
Neben medizinischen Kontrollen spielt die Belastung am Arbeitsplatz eine wesentliche Rolle. Die österreichische Initiative fit2work hebt anlässlich des Weltmännertags die Bedeutung frühzeitiger Intervention hervor, insbesondere in Branchen wie Industrie, Bauwesen, Produktion und Transport.
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In diesen Berufsfeldern sprechen Beschäftigte erfahrungsgemäß selten über körperliche oder seelische Beschwerden, was zu längeren Krankenständen und dauerhaften Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit führen kann.
Der Anteil der Männer an den Erstberatungen von fit2work liegt seit Jahren stabil bei rund 42 Prozent. Für das Jahr 2026 verzeichnet die Organisation österreichweit rund 26.700 Erstberatungen.
Das Spektrum reicht von arbeitsmedizinischen Abklärungen und Case Management bis hin zur Begleitung bei der Wiedereingliederungsteilzeit. Fachleute der Initiative heben hervor, dass zeitnahes Handeln maßgeblich dazu beitrage, die individuelle Leistungsfähigkeit zu sichern.
Psychische Gesundheit und Beratungsangebote
Ein weiteres zentrales Handlungsfeld betrifft die seelische Verfassung. Laut dem „Psychreport 2025“ der Krankenkasse DAK entfielen je 100 Versicherte bei Männern 266 Fehltage auf psychische Erkrankungen, während der Wort bei Frauen bei 431 lag. Zugleich machen Männer in Deutschland fast 70 Prozent der Suizidfälle aus.
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der hkk Krankenkasse ergab, dass lediglich 57 Prozent der Männer mit Partnerin oder Familie über ihre Sorgen sprechen; im Freundeskreis tun dies nur 45 Prozent. Mehr als jeder Dritte versucht demnach, Probleme eigenständig zu bewältigen.
Fachleute weisen darauf hin, dass Betroffene bei Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Einsamkeit auf ein breites Spektrum an teils anonymen Hilfen zurückgreifen können. Neben Hausarztpraxen und speziellen Beratungsstellen bieten digitale Selbsthilfeprogramme und telefonische Angebote Unterstützung.
Sowohl das Bundesinstitut fĂĽr Ă–ffentliche Gesundheit als auch Hilfsorganisationen betonen, dass das Erkennen von Belastungsgrenzen und die rechtzeitige Inanspruchnahme von Hilfe als verantwortungsvolles Handeln fĂĽr die eigene Gesundheit zu verstehen sind.
