MÀuse mit 20 Monaten: Menin-Anhebung verbessert GedÀchtnis nach 30 Tagen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 14:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Hypothalamus gilt in der neurobiologischen Forschung seit Langem als zentrale Schaltstelle fĂŒr physiologische Prozesse. Eine grundlegende Untersuchung von Forschenden um Lige Leng an der Xiamen-UniversitĂ€t, die im MĂ€rz 2023 im Fachjournal PLOS Biology erschien, rĂŒckte dabei ein spezifisches MolekĂŒl in den Fokus: das Protein Menin.
Die Ergebnisse zeigten, dass ein altersbedingter Verlust dieses Proteins in bestimmten Gehirnzellen maĂgeblich an typischen Degenerationserscheinungen beteiligt ist und dessen Wiederherstellung zentrale Altersmerkmale bei MĂ€usen abschwĂ€chen kann.
Die Rolle von Menin im Hypothalamus
Das Team um Leng stellte fest, dass die Expression von Menin mit fortschreitendem Alter selektiv in den Neuronen des ventromedialen Hypothalamus (VMH) abnimmt. In Gliazellen desselben Areals, wie Astrozyten oder Mikroglia, zeigte sich dieser RĂŒckgang hingegen nicht.
Um die kausale Rolle des Proteins zu untersuchen, analysierten die Wissenschaftler sogenannte Conditional-Knockout-MĂ€use, bei denen das Protein gezielt in den VMH-Neuronen ausgeschaltet wurde. Diese Tiere entwickelten EntzĂŒndungen im Hypothalamus, eine verminderte Knochenmasse, dĂŒnnere Haut, kognitive Defizite sowie eine verkĂŒrzte Lebensspanne.
Dass dieser Prozess nicht unumkehrbar ist, demonstrierte ein weiterer Versuchsaufbau: Als die Forschenden das Menin-Niveau bei 20 Monate alten MĂ€usen wieder anhoben, zeigten sich nach 30 Tagen deutliche Verbesserungen.
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Die behandelten Tiere wiesen ein besseres GedĂ€chtnis und Gleichgewicht auf, verzeichneten ZuwĂ€chse bei Knochenmasse sowie Hautdicke, litten unter weniger EntzĂŒndungen und erzielten eine verlĂ€ngerte Lebensspanne. Wie Leng hervorhob, könnte Menin ein SchlĂŒsselprotein darstellen, das genetische, entzĂŒndliche und metabolische Faktoren des Alterns miteinander verbindet.
Signalwege ĂŒber D-Serin und den Hippocampus
Die Forschungsgruppe entschlĂŒsselte zudem den biochemischen Mechanismus, ĂŒber den Menin kognitive Funktionen beeinflusst. Das Protein reguliert das Enzym PHGDH und steuert auf diesem Weg die Produktion der AminosĂ€ure D-Serin im Hippocampus. D-Serin fungiert als Co-Agonist fĂŒr NMDA-Rezeptoren und unterscheidet sich funktionell von dem in Lebensmitteln wie Soja, Eiern, Fisch und NĂŒssen vorkommenden L-Serin.
Wurde gealterten MĂ€usen ĂŒber einen Zeitraum von drei Wochen D-Serin ĂŒber das Trinkwasser verabreicht, verbesserte dies deren Lern- und GedĂ€chtnisleistung messbar. Andere altersbedingte Symptome wie der Verlust von Knochenmasse oder die Abnahme der Hautdicke wurden durch die Gabe von D-Serin jedoch nicht beeinflusst, was auf verzweigte, gewebespezifische Wirkpfade von Menin hinweist.
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Der Hypothalamus im Fokus weiterer Altersstudien
Die Arbeiten der Xiamen-UniversitĂ€t fĂŒgen sich in eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen ein, die den Hypothalamus als Schrittmacher von Alterungsprozessen untersuchen. Eine Folgestudie der Washington University, die 2024 im Fachjournal Cell Metabolism erschien, belegte beispielsweise die Bedeutung der Kommunikation zwischen hypothalamischen Neuronen und dem Fettgewebe fĂŒr die Lebensspanne von MĂ€usen.
Im Jahr 2026 folgten weitere Erkenntnisse: Eine in Cell veröffentlichte Untersuchung wies nach, dass die gezielte Beeinflussung zirkadianer Rhythmen im Hypothalamus die Lebensspanne mÀnnlicher MÀuse verlÀngerte und die anhand von DNA-Methylierung geschÀtzte biologische Alterung reduzierte.
Zudem dokumentierte eine 2026 in Cell Metabolism publizierte Arbeit lebensverlĂ€ngernde Effekte ĂŒber das Protein Mimecan und die Kommunikation zwischen Muskelgewebe und Hypothalamus. Zusammengenommen verdeutlichen diese Befunde, wie tiefgreifend zentrale Schaltkreise im Gehirn die systemische Alterung des Organismus regulieren.
