Magnesium, Bluthochdruck

Magnesium bei Bluthochdruck: Experten warnen vor unnötiger Supplementierung

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Magnesium senkt Blutdruck nur bei unbehandelter Hypertonie. Bei gesunden Personen bleibt die Wirkung aus, warnen Mediziner.

Magnesium bei Bluthochdruck: UKE-Experten sehen begrenzte Wirksamkeit
Eine in einem Glas Wasser auflösende Magnesiumtablette vor einem neutralen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Supplementierung mit Magnesium wird in der Gesundheitsberatung hĂ€ufig als ergĂ€nzende Maßnahme bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen themisiert. Aktuelle Analysen und Expertenberichte, unter anderem vom UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), zeigen jedoch ein differenziertes Bild zur Wirksamkeit und Notwendigkeit solcher PrĂ€parate bei Bluthochdruck. WĂ€hrend Magnesiummangel den Blutdruck zwar erhöhen kann, ist die therapeutische Gabe bei bereits gut eingestellten Patienten oder gesunden Personen oft nicht medizinisch indiziert.

Wissenschaftliche Einordnung und Studienlage

Ein zentraler Kritikpunkt in der medizinischen Forschung betrifft den oft fehlenden Dosis-Wirkungs-Zusammenhang bei der Einnahme von Magnesium. Ulrich Wenzel vom UKE Hamburg wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass klinische Studien zur Supplementierung uneinheitliche Ergebnisse liefern. Eine umfassende Meta-Analyse aus dem Jahr 2021, die 49 Studien auswertete, konnte zwar eine signifikante Blutdrucksenkung bei Personen mit unbehandeltem oder unkontrolliertem Bluthochdruck feststellen, sofern Dosen ab 600 mg bzw. 240 mg pro Tag eingenommen wurden. Bei Personen mit normalen Blutdruckwerten zeigte die Supplementierung hingegen keine messbare Wirkung.

Aktuell gibt es daher keine allgemeine Leitlinienempfehlung fĂŒr die zusĂ€tzliche Einnahme von Magnesium zur Behandlung von Hypertonie. Ein klinisch relevanter Magnesiummangel wird in der medizinischen Praxis als selten eingestuft. Er tritt primĂ€r in spezifischen Situationen auf, etwa bei der Einnahme bestimmter Diuretika, im Rahmen einer Chemotherapie oder bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen. In diesen FĂ€llen kann eine Substitution sinnvoll sein, da Magnesium zu 99 Prozent intrazellulĂ€r gespeichert wird und Serumwerte allein oft kein vollstĂ€ndiges Bild des Versorgungsstatus liefern.

Anzeige

Wer sich mit der Regulierung seiner Werte befasst, findet in der Naturheilkunde oft ergĂ€nzende AnsĂ€tze zur klassischen Therapie. Dieser kostenlose Report erklĂ€rt, wie eine gezielte 3-Minuten-AtemĂŒbung und weitere natĂŒrliche Methoden dabei helfen können, den Blutdruck spĂŒrbar zu verbessern. 8 natĂŒrliche Maßnahmen gegen Bluthochdruck jetzt kostenlos entdecken

Risiken und gesetzliche Grenzwerte

Bei der Dosierung von MagnesiumprĂ€paraten ist Vorsicht geboten, da eine unkontrollierte Zufuhr gesundheitliche Risiken birgt. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) gibt an, dass eine Einzeldosis von 250 mg Magnesium nicht ĂŒberschritten werden sollte. Eine Tagesdosis von mehr als 300 mg kann bereits zu Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall fĂŒhren. In extremen FĂ€llen ist eine Überdosierung lebensgefĂ€hrlich; Mengen ab 2500 mg pro Tag gelten als kritisch.

Besondere Risiken bestehen fĂŒr Patienten mit Niereninsuffizienz, da hier die Gefahr einer HypermagnesiĂ€mie – einer krankhaften Erhöhung des Magnesiumspiegels im Blut – besteht. Zudem sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten dokumentiert. Magnesium kann die Aufnahme von Antibiotika, Bisphosphonaten zur Osteoporose-Behandlung sowie dem SchilddrĂŒsenmedikament Levothyroxin beeintrĂ€chtigen.

Analyse von MarktprÀparaten und Darreichungsformen

Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2025 verdeutlicht zudem Problematiken bei frei verkĂ€uflichen NahrungsergĂ€nzungsmitteln. Viele Brausetabletten enthalten nennenswerte Mengen an Zucker, SĂŒĂŸstoffen und Natrium. Im Durchschnitt wurden 0,67 g Salz pro Tagesdosis festgestellt, was fĂŒr Patienten mit Bluthochdruck kontraproduktiv sein kann, da eine salzarme ErnĂ€hrung fĂŒr diese Gruppe essenziell ist.

Hinsichtlich der Resorption unterscheiden sich die am Markt verfĂŒgbaren Verbindungen deutlich. Experten weisen darauf hin, dass organische Magnesiumverbindungen wie Citrat oder Bisglycinat vom Körper besser aufgenommen werden als anorganisches Magnesiumoxid. Dennoch betont unter anderem Katherine Tucker von der University of Massachusetts Lowell, dass die Vorteile von Supplementen nicht universell gelten. Der Magnesium Bedarf sollte primĂ€r ĂŒber eine ballaststoffreiche ErnĂ€hrung gedeckt werden.

Anzeige

Neben der Wahl der richtigen NĂ€hrstoffe spielt die generelle Lebensweise eine entscheidende Rolle fĂŒr ein gesundes Herz-Kreislauf-System. In diesem Gratis-Leitfaden erfahren Sie, wie Sie Ihren Blutdruck durch einfache Tipps und natĂŒrliche Regulationsmechanismen dauerhaft stabilisieren können. Kostenlosen Spezialreport zur natĂŒrlichen Blutdrucksenkung anfordern

Empfehlungen der Fachgesellschaften

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) gibt Referenzwerte fĂŒr die tĂ€gliche Zufuhr von Magnesium an: 300 mg fĂŒr Frauen und 350 mg fĂŒr MĂ€nner. In der Schweiz existiert derzeit kein zugelassener Health Claim, der eine direkte Verbindung zwischen Magnesiumeinnahme und einer Senkung des Blutdrucks rechtlich zulĂ€sst. Fachleute raten Patienten mit Bluthochdruck daher konsequent dazu, eine Supplementierung vorab Ă€rztlich abzuklĂ€ren, insbesondere wenn Nierenprobleme vorliegen oder weitere Medikamente eingenommen werden. Statt auf NahrungsergĂ€nzungsmittel zu setzen, wird im Expertenrat des UKE Hamburg primĂ€r zu einer ballaststoffreichen ErnĂ€hrung geraten, um den physiologischen Bedarf sicher zu decken.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69940442 |