Magnesium-Präparate, Online-Produkte

Magnesium-Präparate: 57 Prozent der Online-Produkte überschreiten BfR-Grenze

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mineralstoffe, Vitamine und Melatonin können bei falscher Einnahme Nebenwirkungen verursachen; Fachleute raten zu gezielter Anwendung.
Verschiedene Hülsenfrüchte, Getreide und Zitrusfrüchte auf einer Steinoberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich anhaltender Beliebtheit, bergen bei unsachgemäßer Einnahme jedoch gesundheitliche Risiken. Hoch dosierte Mineralstoffe können sich gegenseitig im Organismus blockieren, wie die Berliner Fachärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizin Bettina Boetticher darlegt.

Insbesondere Calcium, Magnesium und Eisen beeinflussen einander bei der Aufnahme im Verdauungstrakt. So konkurrieren Calcium und Eisen im Dünndarm um dasselbe Transportprotein, wodurch eine hohe Calciumzufuhr die Verwertung von Eisen mindern kann.

Wechselwirkungen und Risiken bei der Nährstoffaufnahme

Die Bioverfügbarkeit von Mikronährstoffen hängt maßgeblich von der Kombination mit anderen Substanzen ab. Eisen sollte nach Angaben von Bettina Boetticher getrennt von hochdosierten Mineralstoffpräparaten sowie zeitlich abgesetzt von Kaffee und Tee eingenommen werden.

Der Grund liegt in den enthaltenen Polyphenolen, die Eisen binden; ein ähnlicher Hemmeffekt geht von der Phytinsäure in Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide aus. Dagegen verbessert Vitamin C die Eisenaufnahme.

Die gemeinsame Einnahme von Calcium und Vitamin D gilt als sinnvoll, weil das Vitamin die Calciumaufnahme fördert. Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K sowie Omega-3-Fettsäuren sollten bevorzugt mit einer fetthaltigen Mahlzeit verzehrt werden.

Gleichzeitig erfordert die Dosierung Vorsicht: Eine langfristige Einnahme von Zinkpräparaten birgt das Risiko eines Kupfermangels oder Eisenmangels. Ein Überschuss an Calcium kann langfristig Nierenschäden sowie Herzrhythmusstörungen begünstigen, während zu viel Eisen Magen-Darm-Beschwerden auslöst und zu viel Vitamin D Vergiftungserscheinungen verursachen kann. Präparate sollten daher primär bei einem nachgewiesenen Mangel und nach ärztlicher Rücksprache genutzt werden.

Dosierungsprobleme bei Magnesium und Melatonin

Auch bei einzelnen Mineralstoffen und Hormonpräparaten weicht der freie Konsum oft von wissenschaftlichen Empfehlungen ab. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, über Nahrungsergänzungsmittel täglich nicht mehr als 250 mg Magnesium zuzuführen, aufgeteilt auf zwei oder mehr Portionen.

Rund 57 Prozent der online erhältlichen Produkte überschreiten diese Höchstmenge jedoch. Eine zusätzliche Zufuhr von 300 mg Magnesium pro Tag über Präparate kann laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) Durchfall hervorrufen; ab mehr als 2500 mg täglich sind laut Verbraucherzentrale Blutdruckabfall oder Muskelschwäche möglich.

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DGE-Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer verweist zudem darauf, dass Magnesium die Aufnahme bestimmter Antibiotika und Osteoporose-Medikamente beeinträchtigt, während Diuretika und Mittel gegen Sodbrennen den Magnesiumstatus verschlechtern können.

Die Studienlage zur Schlafförderung durch Magnesium bleibt geteilt: Während eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 bei älteren Erwachsenen ein um durchschnittlich etwa 17 Minuten schnelleres Einschlafen und rund 16 Minuten längeren Schlaf zeigte, wies eine Übersichtsarbeit von 2022 keinen nachweisbaren positiven Effekt auf Schlafstörungen nach.

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Beim Schlafhormon Melatonin handelt es sich bei freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln um Lebensmittel ohne Arzneimittelzulassung. Das verschreibungspflichtige Arzneimittel Circadin mit 2 mg retardiertem Melatonin ist auf die kurzzeitige Behandlung von Insomnie bei Patienten ab 55 Jahren für bis zu 13 Wochen begrenzt.

Seit 2026 besteht für Erwachsene eine eng definierte Ausnahme von der Verschreibungspflicht bei Jetlag, begrenzt auf 3 mg je abgeteilter Arzneiform, maximal 3 mg Tagesdosis und höchstens 30 mg Gesamtpackungsgröße. Das BfR rät Risikogruppen wie Schwangeren, Stillenden, Kindern sowie Personen mit Nieren-, Leber- oder Autoimmunerkrankungen von einer unkontrollierten Einnahme ab.

Grenzen der Wirksamkeit und Fehlinformationen

Ergänzungsmittel stärken das Immunsystem nicht automatisch, wie die Pharmakologin Maria Antonietta Riemma von der Universität Kampanien betont. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit mit über 11.000 Teilnehmern belegt, dass eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C das Erkältungsrisiko in der Allgemeinbevölkerung nicht signifikant senkt, wenngleich sie die Krankheitsdauer bei Erwachsenen um rund 8 Prozent und bei Kindern um 14 Prozent verkürzen kann.

Bei europäischen Referenzwerten von täglich rund 110 mg Vitamin C für Männer und 95 mg für Frauen führen hohe Dosen mitunter zu Magen-Darm-Beschwerden oder einem erhöhten Nierensteinrisiko durch Oxalat im Urin.

Zusätzliche Probleme bereitet die Vermarktung: Prof. Dr. Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sieht angesichts verbreiteter Fehlinformationen auf Social-Media-Plattformen ein erhebliches Vollzugsproblem bei den bestehenden Regeln für gesundheitsbezogene Angaben und fordert mehr Ressourcen für die Lebensmittelüberwachung sowie eine stärkere Verantwortung der Plattformen.

Auch Verbraucherschützer kritisieren den stark wachsenden Markt rund um Menopause-Präparate, da viele Produkte klinisch ungeprüft seien und mit unzulässigen Heilsversprechen vertrieben würden.

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