MagnesiumprÀparate: BfR empfiehlt höchstens 250 Milligramm tÀglich
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 13:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medienberichte thematisieren vermehrt, wie das Zusammenspiel von Magnesiummangel und jahreszeitlicher Dunkelheit zu Ein- und Durchschlafstörungen bei einem groĂen Teil der Bevölkerung beitragen kann. In der Debatte um Ursachen und GegenmaĂnahmen stehen NahrungsergĂ€nzungsmittel und ErnĂ€hrungsfaktoren im Mittelpunkt, wĂ€hrend Fachleute die wissenschaftliche Datenlage differenziert einordnen.
Kommerzieller Fokus und gemeldete Belastungen
Die Protina Pharmazeutische GmbH behauptete in einer Pressemitteilung, rund 43 % der Deutschen litten regelmĂ€Ăig unter Ein- oder Durchschlafstörungen. Als mögliche Auslöser nannte das Unternehmen Lichtmangel, Stress sowie einen erhöhten Bedarf an Magnesium.
In derselben Mitteilung bewirbt der Hersteller eigene KombinationsprÀparate mit Melatonin, darunter einen Direktstick mit 300 mg Magnesium und 1 mg Melatonin sowie eine Depot-Tablette mit 300 mg Magnesium und 1,5 mg Melatonin, aufgeteilt in 1 mg Sofort- und 0,5 mg Langzeitfreisetzung.
Das Unternehmen empfiehlt fĂŒr diese Produkte eine Einnahme 30 bis 60 Minuten vor dem Zubettgehen. Auch regionale Medien griffen die Mitteilung ĂŒber Dunkelheit, MangelzustĂ€nde und Schlafprobleme auf, ohne eigenstĂ€ndige Sachinformationen beizusteuern.
Wissenschaftliche Studienlage bleibt uneinheitlich
Die wissenschaftliche Evidenz fĂŒr die Wirksamkeit von Magnesium gegen Schlafstörungen gilt in Fachkreisen als uneinheitlich. Bisherige positive Befunde stĂŒtzen sich vor allem auf wenige kleine Studien. Ăltere Personen, Menschen mit nachgewiesenem Magnesiummangel oder Personen unter hoher Stressbelastung könnten unter UmstĂ€nden profitieren. Bei komplexeren Erkrankungen wie Schlafapnoe oder Depressionen hilft Magnesium allein voraussichtlich kaum.
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 bei Àlteren Menschen mit Schlafstörungen zeigte, dass das Einschlafen im Mittel rund 17 Minuten schneller gelang und die Schlafdauer um 16 Minuten stieg.
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Dieser Effekt war jedoch statistisch nicht signifikant; die Datengrundlage umfasste lediglich drei kleine randomisierte Studien mit insgesamt 151 Teilnehmenden. Ein Schlafmediziner sieht den idealen Einnahmezeitpunkt fĂŒr MagnesiumprĂ€parate regelmĂ€Ăig ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen.
Dosierungsgrenzen, Risiken und Darreichungsformen
Der tĂ€gliche Bedarf liegt laut der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung bei 300 mg fĂŒr Frauen und 350 mg fĂŒr MĂ€nner. Eine ausgewogene ErnĂ€hrung mit Vollkorn, NĂŒssen, Samen, HĂŒlsenfrĂŒchten und grĂŒnem BlattgemĂŒse reicht in der Regel aus, um diesen Bedarf zu decken.
ZusatzprĂ€parate sind primĂ€r bei einem festgestellten Mangel angezeigt. Magnesium trĂ€gt zur Muskelfunktion, zum Energiestoffwechsel, zur EiweiĂsynthese und zur Funktion des Nervensystems bei, ist jedoch kein nachgewiesenes Mittel gegen Muskelkater.
FĂŒr NahrungsergĂ€nzungsmittel empfiehlt das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) eine Höchstmenge von 250 mg Magnesium tĂ€glich. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2020 ergab jedoch, dass mehr als die HĂ€lfte der ĂŒberprĂŒften PrĂ€parate diesen Richtwert ĂŒberschritt.
Ab 300 mg tĂ€glich können Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden auftreten; extreme Ăberdosierungen ab 2.500 mg tĂ€glich gelten als lebensgefĂ€hrlich. Magnesium kann zudem Wechselwirkungen mit Antibiotika, Bisphosphonaten, Diuretika und Magenmitteln eingehen.
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Die Deutsche Herzstiftung rĂ€t Menschen mit einem Puls unter 60 SchlĂ€gen pro Minute zur Ă€rztlichen RĂŒcksprache; bei schweren Nierenfunktionsstörungen soll zusĂ€tzliche Einnahme vermieden werden.
Hinsichtlich der Darreichungsform betont der Sportmediziner RĂŒdiger Reer, dass keine Variante wissenschaftlich ĂŒberlegen sei, sofern VertrĂ€glichkeit und BioverfĂŒgbarkeit gegeben seien. Organische Verbindungen wie Citrat oder Bisglycinat wĂŒrden meist besser aufgenommen als Magnesiumoxid.
Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW aus dem Jahr 2025 ergab zudem, dass Brausetabletten im Schnitt 0,67 g Salz pro Tagesdosis enthalten, weshalb Personen mit Bluthochdruck diese meiden sollten.
Zur Diagnostik dient im Labor der Orientierungsbereich des Instituts fĂŒr QualitĂ€t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) von 0,70 bis 1,05 mmol/l beziehungsweise 1,7 bis 2,6 mg/dl fĂŒr Erwachsene, wobei ein normaler Blutwert einen Gewebemangel nicht völlig ausschlieĂt.
