Magnesiumpräparate, Produkt

Magnesiumpräparate im Öko-Test: Jedes zweite Produkt überschreitet 250 mg

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 21:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Prüfung beanstandet bei jedem zweiten Mittel die Magnesiumdosis; zudem wurden Talkum und synthetische Süßungsmittel entdeckt.

Öko-Test findet bei Magnesiumpräparaten häufig zu hohe Dosierungen
Leere Glasbecher und eine Analysenwaage auf einem weißen Labortisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Magnesium gehört zu den am weitesten verbreiteten Nahrungsergänzungsmitteln, doch viele Produkte auf dem Markt enthalten bedenkliche Mengen des Mineralstoffs.

Eine Untersuchung von Öko-Test in Zusammenarbeit mit Fachleuten der Goethe-Universität Frankfurt zeigt erhebliche Mängel bei der Dosierung und den Inhaltsstoffen frei verkäuflicher Mittel: Bei einer Prüfung von 28 Magnesiumpräparaten überschritt jedes zweite Produkt die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlene Höchstmenge von 250 mg Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln pro Tag. Ein Präparat wies sogar eine Verzehrempfehlung von 400 mg täglich auf.

Bedenkliche Zusatzstoffe und überhöhte Dosierungen

Neben überhöhten Nährstoffmengen stießen die Prüfer auch auf umstrittene Hilfsstoffe. In vier der untersuchten Präparate wurde Talkum nachgewiesen, das von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als möglicherweise krebserregend eingestuft wird.

Zudem enthielten acht Produkte synthetische Süßungsmittel. Öko-Test hält eine Magnesium-Supplementierung bei gesunden Personen für unnötig und sieht keine wissenschaftliche Grundlage für eine vorbeugende Wirkung gegen Muskelkrämpfe.

Die Befunde decken sich mit Erkenntnissen von Verbraucherschützern. Eine Marktstichprobe der Verbraucherzentrale ergab, dass bei mehr als der Hälfte der untersuchten Produkte Tagesdosierungen von über 400 mg angegeben waren. Laut Angaben der Verbraucherzentrale greift rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Rechtlich gelten diese Produkte jedoch als Lebensmittel und durchlaufen daher kein behördliches Zulassungsverfahren wie Arzneimittel. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) prüft eingehende Produktanzeigen lediglich auf formale Vollständigkeit. Da gesetzlich verbindliche Höchstgrenzen fehlen, stellen die Richtwerte von Behörden wie dem BfR lediglich Empfehlungen dar.

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Bedarf, Bioverfügbarkeit und wissenschaftliche Evidenz

Nach den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt der empfohlene Tagesbedarf für gesunde Erwachsene bei 350 mg für Männer und 300 mg für Frauen. Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 250 mg pro Tagesdosis, die vorzugsweise auf mindestens zwei Portionen aufgeteilt werden sollte. Eine Überdosierung kann unerwünschte Nebenwirkungen wie Durchfall hervorrufen.

Sportwissenschaftler Ingo Froböse wies darauf hin, dass Freizeitsportler bei einer ausgewogenen Ernährung in der Regel keine zusätzlichen Magnesiumpräparate benötigen.

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Eine gezielte Einnahme könne allenfalls bei einem nachgewiesenen Defizit oder extrem hohem Mineralstoffverlust durch starkes Schwitzen infrage kommen. Dabei spiele auch die chemische Verbindung eine Rolle: Magnesiumcitrat gelte als gut verfügbar für den Körper, während Magnesiumoxid deutlich schlechter verwertet werde.

Auch der oft postulierte Nutzen gegen Muskelbeschwerden ist wissenschaftlich nur schwach belegt. Eine Auswertung der Cochrane Collaboration, die elf Studien mit 735 Teilnehmenden analysierte, fand bei älteren Personen mit gewöhnlichen Krämpfen in fünf Studien mit 271 Beteiligten keinen klinisch bedeutsamen Vorteil von Magnesium gegenüber einem Placebo.

Während bei der Einnahme von Magnesiumpräparaten leichte Nebenwirkungen in 11 bis 37 Prozent der Fälle dokumentiert wurden, bleibt regelmäßiges Dehnen vor dem Zubettgehen die Maßnahme mit der verlässlichsten wissenschaftlichen Datenbasis.

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