MagnesiumprÀparate, Test

MagnesiumprĂ€parate im Test: Jedes zweite ĂŒberschreitet die BfR-Empfehlung

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

FĂŒr gesunde Menschen bringen PrĂ€parate meist keinen Zusatznutzen; Tests zeigen zudem ĂŒberhöhte Magnesiumdosierungen und weitere MĂ€ngel.

NahrungsergĂ€nzungsmittel: Verbraucherzentrale warnt vor IrrtĂŒmern und Risiken
Ein heller KĂŒchentisch mit frischem GemĂŒse und einem Glas Wasser als Symbol fĂŒr gesunde ErnĂ€hrung. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland greift rund ein Drittel der Erwachsenen regelmĂ€ĂŸig zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln. Eine Analyse der Verbraucherzentrale Sachsen zeigt jedoch, dass solche PrĂ€parate fĂŒr die ĂŒberwiegende Mehrheit der gesunden Bevölkerung keinen gesundheitlichen Mehrwert bieten. Oftmals bestehen falsche Vorstellungen bezĂŒglich der Zulassung, der Sicherheit und der tatsĂ€chlichen Wirksamkeit der frei verkĂ€uflichen Produkte.

Lebensmittelrechtliche Einordnung statt strenger Zulassung

Ein zentraler Irrtum betrifft die staatliche Kontrolle von NahrungsergĂ€nzungsmitteln. Wie ErnĂ€hrungsexpertin Verena MĂŒller von der Verbraucherzentrale Sachsen darlegt, gelten diese Produkte rechtlich als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel. Dementsprechend durchlaufen sie vor dem Markteintritt kein behördliches Zulassungsverfahren auf Wirksamkeit oder gesundheitliche Unbedenklichkeit.

Hersteller sind lediglich dazu verpflichtet, neue Produkte beim Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzuzeigen. Diese Registrierung umfasst ausschließlich eine formale PrĂŒfung auf VollstĂ€ndigkeit der eingereichten Unterlagen, beinhaltet jedoch keine inhaltliche oder toxikologische Freigabe. Die Annahme, dass frei verkĂ€ufliche PrĂ€parate automatisch risikofrei seien, trifft daher nicht zu.

Nutzen im Alltag und verbreitete IrrtĂŒmer

FĂŒr gesunde Menschen ist eine zusĂ€tzliche Zufuhr an Vitaminen oder Mineralstoffen in der Regel ĂŒberflĂŒssig. Laut der Verbraucherzentrale Sachsen existieren nur wenige klar definierte Ausnahmen, bei denen eine gezielte Supplementierung medizinisch angeraten ist: Dazu zĂ€hlen Frauen mit Kinderwunsch sowie Schwangere, die FolsĂ€ure einnehmen sollten, sowie Personen mit rein veganer ErnĂ€hrungsweise, die auf Vitamin B12 angewiesen sind.

Auch die weit verbreitete Annahme, Vitamin C könne ErkĂ€ltungen verhindern, hĂ€lt wissenschaftlichen PrĂŒfungen nicht stand. Den Auswertungen der VerbraucherschĂŒtzer zufolge beugt das Vitamin Infekten nicht vor; die Datenlage zeigt lediglich, dass die Dauer und Schwere einer ErkĂ€ltung allenfalls geringfĂŒgig beeinflusst werden können.

Fehlende gesetzliche Höchstmengen und Kontrollbefunde

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) hat Orientierungswerte fĂŒr die maximale tĂ€gliche Aufnahme ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel formuliert. FĂŒr Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene empfiehlt das Institut folgende Obergrenzen pro Tagesdosis:

  • Vitamin C: 250 ”g
  • Vitamin D: 20 ”g
  • Vitamin E: 30 mg
  • Vitamin B6: 0,9 mg
  • Magnesium: 250 mg (aufzuteilen auf mindestens zwei Portionen am Tag)
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Verbindliche gesetzliche Höchstmengen fehlen in Deutschland bislang, weshalb Verbraucherzentralen wiederholt gesetzliche Grenzwerte fordern. Anneke von Reeken, Leiterin des Teams Lebensmittel und ErnĂ€hrung bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, warnt vor diesem Hintergrund auch vor Produkten fĂŒr Kinder.

Das BfR formuliere seine Empfehlungen erst ab einem Alter von 15 Jahren; die gezielte Bewerbung fĂŒr Kinder ab drei Jahren sei riskant. So enthielten fast alle ĂŒberprĂŒften Kinderprodukte Vitamin A, obwohl das BfR hierfĂŒr gar keinen Zusatz fĂŒr Kinder empfiehlt, da Überdosierungen zu LeberschĂ€den fĂŒhren und das Knochenwachstum beeintrĂ€chtigen können.

Bei behördlichen Kontrollen in Niedersachsen wurden im Jahr 2025 rund 38.600 Betriebe ĂŒberprĂŒft, wobei mehr als jede zweite Kontrolle MĂ€ngel zutage förderte.

MÀngel bei Magnesium- und SpezialprÀparaten

Die Diskrepanz zwischen Empfehlungen und MarktrealitĂ€t belegte auch eine Untersuchung des Magazins Öko-Test gemeinsam mit dem Institut fĂŒr Pharmazeutische Chemie der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt.

Bei 28 getesteten MagnesiumprĂ€paraten ĂŒberschritt jedes zweite Produkt die vom BfR empfohlene Höchstmenge von 250 mg Magnesium pro Tag; eine Probe wies sogar 400 mg auf, was Nebenwirkungen wie Durchfall auslösen kann.

Zudem entdeckten die PrĂŒfer in vier Produkten Talkum, das von der Internationalen Agentur fĂŒr Krebsforschung als möglicherweise krebserregend eingestuft wird, sowie synthetische SĂŒĂŸungsmittel, Carboxymethylcellulose und Polysorbat 80 in weiteren Produkten. Eine vorbeugende Wirkung gegen MuskelkrĂ€mpfe bei Gesunden lasse sich laut den Frankfurter Fachleuten nicht belegen.

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Auch bei anderen Wirkstoffen raten Fachinstitutionen zu einer differenzierten Betrachtung. BezĂŒglich Melatonin wies der Verband GSAAM e.V. darauf hin, dass Berichte ĂŒber angebliche Herzauswirkungen auf einer unbegutachteten Vorabanalyse beruhten und keine Neubewertung rechtfertigten; der Stoff gelte weiterhin als gut untersucht und allgemein sicher.

Bei Kollagen rĂ€t das BfR, nicht mehr als rund 5 Gramm tĂ€glich zuzufĂŒhren, um Belastungen des Stoffwechsels und Reaktionen auf Begleitstoffe zu vermeiden.

Bei Vitamin D verweist die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung zwar auf die geringere körpereigene Bildung im Winterhalbjahr ab Oktober, betont jedoch, dass der Körper den Stoff im Fett- und Muskelgewebe speichert und ein Mangel keineswegs automatisch vorliegt.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit Daten von mehr als 60.000 Personen bestÀtigte zudem, dass eine Vitamin-D-Gabe akute Atemwegsinfektionen nicht signifikant verringert.

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