Magnesiumsulfat: WHO sieht mehr als halbiertes Eklampsierisiko
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und internationale Partner haben eine weltweite Roadmap zur Bekämpfung hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen einschließlich Präeklampsie ins Leben gerufen.
Die Strategie mit einer Laufzeit von 2026 bis 2035 wurde auf der SMFM Global Conference beziehungsweise dem SMFM Global Congress gestartet und sowohl in Genf als auch in Utrecht präsentiert. Sie soll bestehende Lücken in der Versorgung von Müttern und Neugeborenen schließen und lebensrettende Maßnahmen international koordinieren.
Hohe Sterblichkeit und gravierende Komplikationen
Hypertensive Erkrankungen stellen weltweit eine erhebliche Bedrohung dar. Nach Angaben der WHO komplizieren sie geschätzt 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften auf der Welt, wobei etwa 3 bis 5 Prozent der Schwangeren von einer Präeklampsie betroffen sind.
Rund 16 Prozent der globalen Müttersterblichkeit gehen auf hypertensive Schwangerschaftserkrankungen zurück. Dies entspricht geschätzt 42.000 Todesfällen pro Jahr bei Schwangeren und Müttern sowie über 500.000 Tot- und Neugeborenensterbefällen.
Wer sich mit dem Thema Bluthochdruck befasst, sollte die Bedeutung seiner persönlichen Werte genau kennen, um Risiken frühzeitig zu minimieren. Erfahren Sie in diesem kostenlosen 25-seitigen Report, wie Sie Ihre Laborwerte richtig deuten und aktiv Ihre Gesundheit schützen. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos anfordern
Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend. Bei betroffenen Frauen können hypertensive Erkrankungen Schlaganfälle, Lungenödeme, Herzinsuffizienz sowie akute Nieren- und Leberschäden verursachen. Bei den ungeborenen und neugeborenen Kindern führen die Störungen häufig zu Wachstumsrestriktionen, Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht oder dem Tod vor der Entbindung.
Gravierende Mängel in Diagnostik und Behandlung
In vielen Regionen scheitert eine rechtzeitige Intervention an unzureichenden Ressourcen. Laut WHO fehlt es vielerorts am Zugang zu grundlegenden diagnostischen Mitteln wie regelmäßigen Blutdruckmessungen und Urinproteintests sowie an unverzichtbaren Medikamenten wie Aspirin, Antihypertensiva und Magnesiumsulfat. Zudem weisen Überweisungssysteme, geschultes Fachpersonal und die Notfall-Geburtshilfe erhebliche Mängel auf.
Dabei kann Magnesiumsulfat nach WHO-Angaben das Risiko, dass eine Frau mit Präeklampsie eine lebensbedrohliche Eklampsie erleidet, um mehr als die Hälfte senken. In ressourcenarmen Gebieten bleibt der Einsatz dieses Präparats jedoch limitiert.
Erschwerend kommt eine weltweite Innovationslücke hinzu: Es gibt kaum spezifisch zugelassene Medikamente gegen Präeklampsie und Eklampsie, während sich die vorhandenen Forschungsinvestitionen stark auf diagnostische Verfahren konzentrieren.
Viele Betroffene suchen neben der medizinischen Versorgung nach ergänzenden Möglichkeiten, um ihre Blutdruckwerte auf natürliche Weise positiv zu beeinflussen. Dieser Gratis-Ratgeber stellt acht bewährte Maßnahmen vor, die den Blutdruck ohne zusätzliche Medikamente und deren Nebenwirkungen regulieren können. Kostenlosen Report mit 8 Sofort-Maßnahmen sichern
Dr. Pascale Allotey, Direktorin für sexuelle und reproduktive Gesundheit bei der WHO, hob hervor, dass Präeklampsie in jeder Schwangerschaft auftreten könne und das Überleben maßgeblich von einer rechtzeitigen Blutdruckkontrolle sowie einer guten Notfallversorgung abhänge.
Handlungsfelder und internationale Forschungsinitiativen
Die neue Roadmap gliedert sich in fünf zentrale Arbeitsbereiche: Forschung und Innovation, Leitlinien und Standards, den Zugang zu Arzneimitteln und Medizinprodukten, die praktische Umsetzung sowie politische Unterstützung und Rechenschaftspflicht. Für Ende 2027 plant die WHO gemeinsam mit Partnern wie der Fachgesellschaft FIGO die Vorlage globaler Leitlinien. Ab 2028 soll zudem die Aus- und Weiterbildung des Personals weltweit verstärkt werden.
An der Ausarbeitung der Roadmap war unter anderem Joyce Browne vom UMC Utrecht beteiligt, die den Arbeitsbereich für Interessenvertretung, politisches Engagement und Rechenschaft beim Global Pre-eclampsia Summit in Ruanda leitete.
Das UMC Utrecht führt zudem gezielte Forschungen zur Prävention von Präeklampsie durch: In Ghana untersucht die SPOT-Studie Risikoprädiktion, Genetik sowie digitale Werkzeuge einschließlich einer speziellen Präeklampsie-App, während das dortige Projekt BP@Home Systeme zur häuslichen Blutdruckmessung erprobt. In Tansania widmet sich das Projekt PRES H A der Erforschung von Biomarkern und der Implementierung lokaler Behandlungsleitlinien.
