Magnetische Impulse: PEMF eliminiert Tumoren in 75% der Fälle
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie der National University of Singapore (NUS), veröffentlicht in der Fachzeitschrift Smart Medicine, rückt eine ungewöhnliche Methode in den Fokus der Krebsforschung: gepulste elektromagnetische Felder, kurz PEMF.
Unter Leitung von Assoc Prof Alfredo Franco-Obregón gelang es dem Team, tumorassoziierte Makrophagen – Immunzellen, die in vielen Tumoren normalerweise das Wachstum begünstigen – gezielt in einen tumorfeindlichen Zustand zu versetzen, den sogenannten M1-Zustand.
Vier Sitzungen ohne Chemotherapie
Nach Angaben der NUS führte die Behandlung in präklinischen Modellen ganz ohne begleitende Chemotherapie in 75 Prozent der Fälle zur vollständigen Elimination des Tumors. Dafür genügten vier Sitzungen von jeweils 30 Minuten.
Auf molekularer Ebene fanden die Forschenden einen Hinweis auf den Wirkmechanismus: Bereits eine zehnminĂĽtige PEMF-Anwendung aktiviert demnach das Protein TRPC1, das offenbar eine SchlĂĽsselrolle bei der Umprogrammierung der Makrophagen spielt.
Als Zielanwendung nennt die NUS die Behandlung von Brustkrebs. Der Hintergrund der Studie verweist auf eine wachsende Krankheitslast: Die Zahl der Brustkrebsfälle soll demnach von 2,3 Millionen im Jahr 2023 auf mehr als 3,5 Millionen bis 2050 steigen, die Zahl der Todesfälle im gleichen Zeitraum von 764.000 auf fast 1,4 Millionen.
Klinischer Entwicklungsstand
Vier Sitzungen von je 30 Minuten, ganz ohne Chemotherapie — in präklinischen Modellen eliminierte die PEMF-Behandlung Tumoren in 75 Prozent der Fälle. Was hinter diesem Ansatz steckt und wie weit die Forschung wirklich ist, ordnet unser kostenloser Guide verständlich ein. Jetzt kostenlosen Patienten-Guide anfordern
Das eingesetzte PEMF-Gerät hat laut den Angaben der NUS bereits eine Phase-1-Studie abgeschlossen. Eine Phase-2-Studie ist geplant; das Forschungsteam sucht derzeit Partner, um die Wirksamkeit in einem größeren Rahmen zu überprüfen. Damit steht der Ansatz noch am Anfang der klinischen Entwicklung – die präklinischen Erfolgsraten lassen sich nicht ohne Weiteres auf Patientinnen und Patienten übertragen, zumal belastbare Daten aus größeren kontrollierten Studien am Menschen bislang fehlen.
Einordnung: Ein Trend zur Reprogrammierung von Makrophagen
Der NUS-Ansatz fügt sich in einen breiteren Forschungstrend ein, der tumorassoziierte Makrophagen als Angriffspunkt begreift. Auch ein Team der Universität Adelaide unter Leitung von Prof. Chunxia Zhao verfolgt ein ähnliches Grundprinzip, allerdings auf pharmakologischem statt elektromagnetischem Weg: Mithilfe von Lipid-Nanopartikeln, die mit einem Anti-TREM2-Antikörper sowie mit CXCL9-mRNA und dem Wirkstoff Resiquimod beladen sind, gelang es dort im 4T1-Maus-Modell, immunsuppressive Makrophagen um 60 Prozent zu reduzieren und den Botenstoff CXCL9 im Tumor vierfach zu erhöhen, begleitet von einer moderaten Tumorreduktion.
Eine Kombination mit gängigen Checkpoint-Inhibitoren wie PD-L1- oder CTLA-4-Hemmern brachte in diesem Modell allerdings keine zusätzliche Tumorhemmung, wie das Team in Science Advances berichtete.
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Diese Parallelentwicklungen unterstreichen, dass die Umprogrammierung tumorassoziierter Makrophagen – ob durch physikalische Reize wie PEMF oder durch gezielte molekulare Wirkstofftransporte – als vielversprechende Ergänzung zu etablierten Immuntherapien gilt.
Ob sich der magnetische Impulsansatz der NUS in größeren klinischen Studien bestätigt, dürfte sich erst zeigen, sobald die geplante Phase-2-Studie mit einem Industrie- oder Forschungspartner beginnt.
