Maia 300: Microsoft plant 2027 mehr als eine Million KI-Chips
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 16:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf dem OCP Global Summit 2026 in San Jose hat Microsoft mit dem Maia 300 die dritte Generation seiner hauseigenen KI-Beschleuniger präsentiert. Der Konzern plant, den Chip ab 2027 in großem Maßstab als primäres Inferenzsystem für die eigenen KI-Dienste und Cloud-Produkte einzusetzen.
Chiplet-Architektur mit HBM4-Speicher
Der Maia 300 basiert auf einer Multi-Chiplet-Architektur mit insgesamt sieben chiplets, die vom Auftragsfertiger TSMC gefertigt werden. Für die Recheneinheiten kommt TSMCs N2P-Verfahren in 2-Nanometer-Technologie zum Einsatz, während günstigere 3-Nanometer-Chiplets für die Datenbewegung zuständig sind.
Microsoft stattet jeden Beschleuniger mit acht HBM4-Speicher-Stacks aus, die eine Spitzenbandbreite von 18,0 TB/s bei einer thermischen Verlustleistung (TDP) von 950 Watt erreichen. Die Rechenleistung beziffert das Unternehmen auf 6,9 PFLOPS bei FP8 sowie 13,8 PFLOPS bei FP4.
Für den Einsatz in Rechenzentren setzt Microsoft auf überwiegend flüssiggekühlte Racks mit 96 Beschleunigern. Ein solches Rack nimmt 167 kW Leistung auf und verfügt über 27,6 TB HBM-Speicher bei einer aggregierten HBM-Bandbreite von 1,7 PB/s. Über ein zweistufiges Netzwerk lassen sich bis zu 12.288 Beschleuniger zu einem sogenannten Superpod zusammenschließen.
Fokus auf KI-Inferenz und höhere Effizienz
Architektonisch ist der Maia 300 speziell auf Inferenzaufgaben ausgelegt, darunter konversationelle KI, mehrstufige Agenten-Abläufe sowie Aufgaben mit umfangreichen Kontextfenstern.
Microsoft stellt für den Chip eine um 40 Prozent höhere Anzahl an Tokens pro Megawatt beziehungsweise 40 Prozent mehr nutzbare Rechenleistung pro Megawatt im Vergleich zu führenden GPU-Systemen in Aussicht, ohne dabei konkrete Vergleichsmodelle zu nennen. Auf Rack-Ebene soll ein Verbund aus 96 Maia-300-Chips bis zum Siebenfachen des Token-Durchsatzes eines Maia-200-Racks mit 48 Einheiten erzielen.
Wie Scott Guthrie, Executive Vice President der Sparte Cloud und KI, darlegte, soll Maia zum primären Inferenzsystem für Produkte und Dienste des Konzerns aufsteigen. Microsoft-Chef Satya Nadella bezeichnete die Reihe als die bislang größte Wette des Unternehmens auf eigenes Silizium. Mustafa Suleyman, Leiter von Microsoft AI, stufte den Prozessor als kritisch für die eigenen Modelle ein.
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Rollout-Pläne und Einordnung im Portfolio
Der Produktionsstart des Maia 300 ist für 2027 angesetzt. Microsoft plant, in jenem Jahr potenziell über eine Million Einheiten für interne Dienste zu installieren. Langfristig sind Azure-Pods mit einer Gesamtleistung von mehreren Gigawatt vorgesehen.
Bei einem Energiebedarf von rund einem Kilowatt pro Chip entspricht dies mehreren Millionen Beschleunigern sowie 288 PB HBM4-Speicher pro Million Einheiten. Laut General Manager Alistair Speirs ist der genaue Zeitplan für diese Multi-Gigawatt-Installationen allerdings noch offen.
Die Vorgängergeneration Maia 200, die im Januar 2026 nach dem Maia 100 aus dem Jahr 2023 vorgestellt worden war, befindet sich bereits in Rechenzentren in den USA, Europa und Australien im Einsatz. Sie bedient unter anderem Microsoft Copilot sowie Modelle von OpenAI und erzielt bis zu 1,7-mal mehr Tokens pro Watt als führende GPU-Infrastrukturen.
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Im Juli 2026 hatte Nadella zudem erklärt, dass der Maia 200 eine 30 Prozent bessere Leistung pro Dollar als die damalige Hardware im Bestand biete. Bis zum Jahresende sollen dort auch GitHub Copilot und Microsoft Foundry integriert werden.
Trotz des Ausbaus eigener Hardware bleibt Microsoft weiterhin auf externe Partner angewiesen: Beschleuniger von Nvidia und AMD bleiben für das Training von KI-Modellen im Einsatz. Eine stundenweise Vermietung des Maia 300 an Drittkunden ist nicht vorgesehen.
Direkte Preissenkungen kündigte der Konzern trotz erwarteter Investitionsausgaben von mehr als 175 Mrd. US-Dollar im laufenden Kalenderjahr nicht an, stellte jedoch Geschwindigkeitsverbesserungen bei Teilen von Microsoft 365 Copilot in Aussicht.
Nach Einschätzung des Analysehauses Evercore ISI in einer Kundennote dürfte Maia bis zum ersten Quartal 2027 rund 10 Prozent der KI-Chip-Ausgaben von Microsoft ausmachen. Weitere technische Details sollen auf der Ignite-Konferenz im kommenden Monat in San Francisco folgen.

