Makuladegeneration, Betroffenen

Makuladegeneration: 61,5 Prozent der Betroffenen haben Probleme mit Treppen

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen EinschrÀnkungen im Alltag durch Makuladegeneration; in Europa fehlt bislang eine zugelassene Therapie gegen geografische Atrophie.
Eine helle, sonnendurchflutete Treppe in einem modernen Wohnhaus, die UnabhÀngigkeit und MobilitÀt im Alltag symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die VernachlĂ€ssigung der visuellen Gesundheit kann die UnabhĂ€ngigkeit Ă€lterer Menschen gravierend beeintrĂ€chtigen und erfordert frĂŒhzeitige Aufmerksamkeit. Darauf weisen Initiativen wie jene der Unidad de OftalmologĂ­a y Catarata (UOC) und ihrer Partnerorganisationen ABAM sowie Canto Rodado hin, die sich verstĂ€rkt der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) widmen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation OMS ist Sehverlust im fortgeschrittenen Alter eng mit zunehmender Isolation, einer höheren SturzhÀufigkeit und einem vorzeitigen Verlust der SelbststÀndigkeit verbunden.

Als wesentliche Ursachen dafĂŒr gelten Katarakt, Glaukom und Makuladegeneration. Der Direktor der UOC unterstrich, dass die Wiederherstellung oder Bewahrung des Sehvermögens fĂŒr Betroffene bedeute, ihnen ihre persönliche SelbststĂ€ndigkeit zurĂŒckzugeben.

BeeintrÀchtigung im Alltag und MobilitÀtsverlust

Wie stark Augenerkrankungen das tÀgliche Leben einschrÀnken, belegt eine im Journal of Korean Medical Science veröffentlichte Untersuchung des Kim's Eye Hospital und der Sungkyunkwan University School of Medicine. Grundlage waren Daten des Korea National Health and Nutrition Examination Survey aus den Jahren 2017 bis 2021 von 15.030 Erwachsenen ab 40 Jahren.

Demnach berichteten 61,5 Prozent der Patienten mit geografischer Atrophie (GA), der fortgeschrittenen SpĂ€tform der trockenen Makuladegeneration, ĂŒber Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Bei Personen ohne Makuladegeneration lag dieser Anteil bei 40,1 Prozent, wĂ€hrend er bei der feuchten Makuladegeneration 64,9 Prozent erreichte.

Zudem verzeichneten 27,3 Prozent der GA-Patienten Probleme bei der allgemeinen Fortbewegung, und 15,2 Prozent fĂŒhlten sich bei ihren tĂ€glichen AktivitĂ€ten eingeschrĂ€nkt.

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Der Index fĂŒr die LebensqualitĂ€t (EQ-5D) lag sowohl bei Patienten mit geografischer Atrophie als auch bei jener mit feuchter Makuladegeneration bei einem Wert von 0,93. AuffĂ€llig war zudem der Lebensstilfaktor: Der Anteil der Raucher belief sich bei Betroffenen mit geografischer Atrophie auf 61,1 Prozent, verglichen mit 52,1 Prozent bei feuchter Makuladegeneration und 38,6 Prozent bei Personen ohne AMD.

Globale Belastung und therapeutische Entwicklungen

Nach Angaben der OMS leben weltweit mindestens 2.200 Millionen Menschen mit einer BeeintrÀchtigung des Nah- oder Fernsehens. Bei mindestens 1.000 Millionen von ihnen handelt es sich um vermeidbare oder bislang unbehandelte BeeintrÀchtigungen. Mehr als 2.500 Millionen Menschen sind weltweit auf mindestens ein Hilfsprodukt angewiesen; bis zum Jahr 2050 könnte dieser Bedarf auf 3.500 Millionen ansteigen.

WÀhrend in den USA seit etwa drei Jahren Komplementinhibitoren eingesetzt werden, die das Fortschreiten der geografischen Atrophie um 20 bis 30 Prozent verlangsamen können, und in Korea im September 2026 erstmals ein entsprechendes GA-Therapeutikum zugelassen wurde, gibt es in Europa bislang keine zugelassene Therapie gegen diese Verlaufsform.

Am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg wird derzeit in einer klinischen Studie die Behandlung mit speziellen Augentropfen erforscht. Bis zur Zulassung eines wirksamen Medikaments könnten jedoch noch bis zu drei Jahre vergehen, von dem in Deutschland rund eine halbe Million Menschen profitieren könnten.

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Hoffnung durch Mikroelektronik und AufklÀrung

Neben medikamentösen AnsÀtzen werden auch technologische Lösungen erprobt. Nach SchÀtzungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) sind in Deutschland rund 400.000 Menschen von geografischer Atrophie betroffen.

Hoffnung setzt die Forschung unter anderem auf subretinale Mikrochips wie das PRIMA-System, dessen Chip 2 mal 2 Millimeter misst, rund 30 Mikrometer dĂŒnn ist und 378 photovoltaische Pixel umfasst. Die Patientin Gisela Sudhop trug am 8. Oktober 2026 erstmals die dazugehörige Kamerabrille.

In der zugrundeliegenden PRIMAvera-Studie wurden allerdings auch 26 schwerwiegende unerwĂŒnschte Ereignisse bei 19 Teilnehmenden dokumentiert, ĂŒberwiegend in den ersten zwei Monaten nach dem Eingriff. Mögliche Erstattungsmodelle waren laut DOG mit Stand September 2026 noch nicht abschließend geklĂ€rt.

Angesichts der Schwere der Erkrankung gewinnen niedrigschwellige Vorsorge- und AufklĂ€rungsprojekte an Bedeutung. So erreichten die UOC und ihre Partner ABAM und Canto Rodado mit Augenuntersuchungsinitiativen in der Dominikanischen Republik nach einer Auftaktveranstaltung im August mit PensionĂ€ren der Banco Popular Dominicano und einer Folgetermine im September bislang ĂŒber 70 Erwachsene.

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