Malaria, Frankfurt

Malaria in Frankfurt: Zwei FĂ€lle in 5 km Entfernung vom Flughafen

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 12:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach zwei MalariafĂ€llen in Schwanheim verstĂ€rkt Frankfurt die Überwachung und rĂ€t rund um den Flughafen zu konsequentem MĂŒckenschutz.

Frankfurt: Zwei MalariafĂ€lle nahe Flughafen lösen neue Schutzmaßnahmen aus
Ein Feuchtgebiet nahe eines Flughafens bei DĂ€mmerung, das als natĂŒrlicher Lebensraum fĂŒr Insekten dient. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts neuer KrankheitsfÀlle im Umfeld des Frankfurter Flughafens hat das Frankfurter Gesundheitsamt Empfehlungen zum Infektionsschutz veröffentlicht.

Wie die Behörde in einem Bericht vom 17. September 2026 mitteilte, wird Anwohnern und Besuchern geraten, verstĂ€rkt auf MĂŒckenschutz zu achten. Dazu zĂ€hlen die Verwendung von Repellentien, das Tragen körperbedeckender Kleidung sowie die Installation von Fliegengittern, um das Risiko einer Übertragung zu minimieren.

Aktuelle Fallentwicklung in Frankfurt-Schwanheim

Hintergrund der Empfehlungen sind zwei nachgewiesene Infektionen mit Malaria tropica bei Bewohnern des Frankfurter Stadtteils Schwanheim. Laut Angaben des Gesundheitsamtes vom 15. und 16. September 2026 befinden sich beide betroffenen Personen in stationĂ€rer Behandlung. Bemerkenswert ist dabei, dass die Erkrankten weder am Flughafen tĂ€tig sind noch in der jĂŒngeren Vergangenheit Fernreisen unternommen haben.

Die Wohnorte der Betroffenen liegen etwa 5 Kilometer vom FlughafengelĂ€nde entfernt. Das Gesundheitsamt erlĂ€uterte dazu, dass Anopheles-MĂŒcken, die als ÜbertrĂ€ger der Erreger fungieren, ĂŒblicherweise Distanzen von 1 bis 2 Kilometern zurĂŒcklegen.

Bei gĂŒnstigen WindverhĂ€ltnissen sei jedoch eine Reichweite von bis zu 10 Kilometern möglich. Es wird vermutet, dass eine infizierte MĂŒcke vom Flughafen in das Wohngebiet gelangt sein könnte. Trotz dieser FĂ€lle stuft die Behörde das allgemeine Infektionsrisiko fĂŒr die Bevölkerung weiterhin als sehr gering ein.

Ausweitung der Überwachungs- und Beratungsangebote

Um die Situation genauer zu analysieren, hat das Frankfurter Gesundheitsamt das MĂŒcken-Monitoring auf den Stadtteil Schwanheim ausgeweitet. Sowohl am Flughafen als auch im Bereich der Wohnorte der Erkrankten wurden MĂŒckenfallen aufgestellt. Die dort gesammelten Proben sowie Blutproben der Patienten werden zur genetischen Untersuchung an das Tropenlabor in Antwerpen ĂŒbermittelt.

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FĂŒr besorgte BĂŒrger wurde unter der Telefonnummer 069/212-30030 eine Hotline eingerichtet. Einem Bericht vom 16. September 2026 zufolge gehen dort pro Stunde zwischen 5 und 10 Anrufe ein. Zudem wurde die KassenĂ€rztliche Vereinigung informiert, um Mediziner fĂŒr die Symptomatik zu sensibilisieren. Fachleute betonen, dass Malaria bei einer frĂŒhzeitigen Diagnose vollstĂ€ndig behandelbar ist.

Einordnung der „Flughafen-Malaria“ und historische Daten

Bei den aktuellen Ereignissen handelt es sich um die sogenannte Flughafen-Malaria. Nach Definition des Robert Koch-Instituts wird diese sehr seltene Form durch eine importierte, infektiöse MĂŒcke verursacht, die in Flugzeugen oder Frachtcontainern aus Endemiegebieten eingeschleppt wird. WĂ€hrend der letzte Einzelfall am Frankfurter Flughafen im Jahr 2023 verzeichnet wurde, kam es in diesem Sommer zu einer HĂ€ufung.

Insgesamt wurden in diesem Jahr acht FĂ€lle von Flughafen-Malaria in Frankfurt registriert. Vor den zwei Erkrankungen in Schwanheim waren Ende August bereits sechs FĂ€lle bei Flughafen-Mitarbeitern bekannt geworden.

Zwei dieser Infektionen verliefen tödlich; die SterbefĂ€lle ereigneten sich Anfang Juli sowie im August. Nach Informationen des Bernhard-Nocht-Instituts ist die Form Malaria tropica fĂŒr ĂŒber 95 % der weltweiten Malaria-TodesfĂ€lle verantwortlich.

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Die Seltenheit solcher autochthonen – also lokal erworbenen – Infektionen in Europa wird durch eine Eurosurveillance-Studie aus dem Jahr 2024 verdeutlicht. Demnach waren im Jahr 2022 ĂŒber 99 % der 6.131 gemeldeten MalariafĂ€lle in Europa importiert. Zwischen 1969 und Anfang 2024 wurden insgesamt 145 autochthone FĂ€lle dokumentiert, wovon mindestens 105 auf Flughafen-Malaria zurĂŒckzufĂŒhren waren.

Innerhalb Deutschlands entfielen davon acht FĂ€lle auf Frankfurt und einer auf MĂŒnchen. FĂŒr das gesamte Jahr 2024 wurden in Deutschland bislang 934 Malaria-FĂ€lle gemeldet, darunter vier TodesfĂ€lle. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass es in Deutschland stellenweise Anopheles-Arten gibt, die grundsĂ€tzlich in der Lage sind, Malaria-Erreger zu ĂŒbertragen.

Mehr zum Thema bei DER SPIEGEL: „Frankfurt am Main: Zwei Flughafen-Anwohner an Malaria erkrankt“

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