Malaysia öffnet Markt: Erste fahrerlose Lieferfahrzeuge auf Straßen
01.07.2026 - 23:42:01 | boerse-global.de
Die malaysische Regierung hat dem chinesischen Unternehmen Neolix die Genehmigung erteilt, ab sofort autonome Lieferfahrzeuge in Cyberjaya zu testen. Die Versuche laufen im Rahmen des nationalen Regulierungslabors und sind für das zweite Halbjahr 2026 angesetzt. Neolix arbeitet dabei mit lokalen Partnern wie Tiong Nam Logistics, Asia Mobiliti und MindHub zusammen. Getestet werden Einsatzszenarien für E-Commerce, Campuslogistik und Paketzustellung.
Milliardenmarkt Südostasien
Die Expansion kommt nicht von ungefähr. Laut einer Analyse der DBS Bank könnte der südostasiatische E-Commerce-Markt bis 2030 auf umgerechnet rund 370 Milliarden Euro wachsen – 2024 lag er noch bei etwa 166 Milliarden Euro. Malaysia ist dabei nur ein Baustein. Neolix plant, bis Ende 2026 mehr als 10.000 Fahrzeuge in den Vereinigten Arabischen Emiraten einzusetzen. Auch Saudi-Arabien, Katar und Oman stehen auf der Expansionsliste.
Weltweit betreibt Neolix mittlerweile rund 21.000 Fahrzeuge in 15 Ländern. Die kumulierte autonome Fahrleistung liegt bei über 170 Millionen Kilometern.
Roboter werden billiger – und mehr
Eine neue Studie von Transforma Insights prognostiziert, dass die Zahl der automatisierten Lieferfahrzeuge weltweit bis 2035 auf 559.000 steigen wird. Derzeit konzentriert sich der Markt noch auf Nordamerika und Europa. Doch Japan und Südkorea holen mit neuen Gesetzen auf.
Die Kosten sinken rapide: Kostete ein Roboter 2018 noch umgerechnet rund 5.000 Euro, sollen es 2026 nur noch etwa 2.000 Euro sein. Der gesamte Markt für autonome mobile Roboter (AMR) soll von rund 5 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 16,5 Milliarden Euro im Jahr 2035 wachsen.
Noch größere Dimensionen erreicht der schwere Lkw-Sektor. Analysten von MarketsandMarkets erwarten, dass der Markt für autonome Lastwagen 2026 rund 46 Milliarden Euro wert ist – mit einem Potenzial von 143 Milliarden Euro bis 2035. Zu den führenden Herstellern zählen AB Volvo, Daimler Truck und MAN.
China dominiert – mit Folgen für Arbeitsplätze
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China bleibt der unangefochtene Spitzenreiter bei der Einführung autonomer Lieferfahrzeuge. Im ersten Quartal 2026 waren dort 47.000 fahrerlose Zustellfahrzeuge im Einsatz – fast viermal so viele wie 2024. Marktführer ist Jiushi Intelligence mit 53,2 Prozent, gefolgt von Neolix mit 36,2 Prozent.
Der rasante Ausbau hat gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. JD Logistics hat einen „Nirwana-Plan" aufgelegt, um 700.000 Mitarbeiter umzuschulen. Das Unternehmen bereitet sich auf eine Flotte von drei Millionen Robotern und 100.000 Drohnen vor. Zum Vergleich: Die Zahl der Kuriere in China, einschließlich flexibler Arbeitskräfte, liegt 2026 bei über vier Millionen.
Neue Wege: Drohnen und strategische Allianzen
Auch etablierte Logistikriesen setzen auf neue Technologien. In Indien haben FedEx und das IIT Madras den ersten innerstädtischen Drohnen-Liefertest in Bengaluru durchgeführt – die Lieferzeit betrug rund 21 Minuten.
PepsiCo hat eine mehrjährige strategische Allianz mit Gatik für fahrerlose Lkw geschlossen. Seit dem Pilotstart 2022 liegt die pünktliche Lieferquote bei 98 Prozent. Das Netzwerk wird derzeit in Arizona, Texas, Arkansas und Nebraska ausgebaut.
Nicht alle setzen weiter auf den gleichen Kurs. Starship Technologies verlagert eigenen Angaben zufolge 1.200 Roboter von Universitätsgeländen in städtische Zentren. Der Grund: Campusse boten zwar kontrollierte Umgebungen, aber weniger Skalierbarkeit und niedrigere Gewinnmargen als dichte Stadtviertel.
Hürden: Regulierung und Bürgerproteste
Die Kosten für Lieferroboter sinken von 5.000 Euro (2018) auf rund 2.000 Euro (2026) – ein Einsparpotenzial von 50–70 Prozent pro Zustellung. Doch der Markt in DACH hinkt hinterher. Erfahren Sie in diesem Report, wie Sie die Technologie noch in 2026 pilotieren und von den sinkenden Preisen profitieren. Report: Autonome Zustellung jetzt starten
Der Weg zur autonomen Zustellung ist nicht frei von Hindernissen. In Großbritannien arbeitet die scheidende Regierung an einem rechtlichen Rahmen für Lieferroboter auf Gehwegen. Doch Behindertenverbände kritisieren die Pläne scharf. Sie befürchten eine „Überlastung der Bürgersteige" und Behinderungen für Menschen mit Sehbehinderungen oder eingeschränkter Mobilität.
Ähnliche Konflikte gibt es in US-Städten wie Pittsburgh und Washington D.C., wo der Betrieb teils eingeschränkt wurde. Zwar bieten Roboter Kostenvorteile von 50 bis 70 Prozent gegenüber menschlichen Arbeitskräften. Doch bei der reinen Effizienz liegen sie noch zurück: Fünf bis acht Lieferungen pro Stunde schaffen die Roboter, menschliche Fahrer kommen auf 15 bis 20.
