Malvertising: KI-Werbung auf Bing verbreitet SectopRAT-Malware
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 23:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Kriminelle nutzen manipulierte Werbung für KI-Tools, um Schadsoftware zu verbreiten. Parallel gelang dem BKA ein Schlag gegen eine globale Phishing-Infrastruktur.
Malvertising: Wenn die KI-Werbung zur Falle wird
Auf der Suchmaschine Bing schalteten Kriminelle Anzeigen für eine angebliche Desktop-Version der KI „Claude“. Das Problem: Hinter den Anzeigen steckte Schadsoftware. Mindestens 29 Organisationen wurden in den letzten 48 Stunden kompromittiert. Die Angreifer nutzten eine legitime Domain, um ein schädliches Installationspaket zu verbreiten – rund 7.100 Mal wurde es heruntergeladen, bevor es entfernt wurde.
Die eingesetzte Malware SectopRAT zielt auf sensible Daten ab: Passwörter, Kreditkarteninformationen, Zugangsdaten für Browser, FTP-Dienste oder VPNs. Technisch bemerkenswert: Die Schadsoftware nutzt die Ethereum BNB Smart Chain zur Kommunikation mit den Angreifer-Servern.
Auch die Gruppe JadeProx, der Verbindungen nach China zugeschrieben werden, ist aktiv. Sie setzt auf gefälschte Domains für KI-Produkte, um über manipulierte Installationsprogramme eine Backdoor einzuschleusen. Betroffen sind staatliche Institutionen in Malaysia und Honduras sowie medizinische Einrichtungen in Vietnam.
„Operation Olympus Blade“: BKA und FBI zerschlagen Kratos
Das Bundeskriminalamt hat gemeinsam mit FBI und indonesischen Behörden die Phishing-as-a-Service-Plattform „Kratos“ zerschlagen. Die Plattform funktionierte wie ein Baukastensystem: Kriminelle konnten damit täuschend echte Microsoft-Authentifizierungsseiten erstellen.
Seit 2024 nutzten rund 1.800 Kunden die Infrastruktur. Sie führten monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen in 35 Ländern durch. Besonders perfide: Die Techniken umgingen sogar die Multifaktor-Authentifizierung (MFA). Die Ermittler nahmen den Hauptadministrator in Indonesien fest und machten über 200 Server unschädlich. Der Umsatz der Plattform wird auf mehr als 300.000 Euro geschätzt.
In einem verwandten Einsatz zerschlugen die Behörden das Netzwerk „Tycoon2FA“, das für die Verbreitung von 96.000 gefälschten Banking-Apps verantwortlich sein soll. Zwei Verdächtige wurden in Pakistan festgenommen.
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Smartphone-Nutzer im Visier: Banking-Trojaner auf dem Vormarsch
Die Gefahr für Mobilgeräte wächst rasant. Kaspersky registrierte im ersten Quartal 2026 rund 2,67 Millionen Schadsoftware-Angriffe auf Mobilgeräte. Die Zahl der Android-Banking-Trojaner stieg um 56 Prozent. Insgesamt identifizierten die Forscher über 300.000 neue schädliche Programme für Mobilplattformen.
Ein aktuelles Beispiel: Die gefälschte Android-App „Bahrain Alert“. Sie soll zur Überwachung von Aktivisten und Journalisten in der Golfregion eingesetzt werden. Die Malware nutzt Bedienungshilfen-Schnittstellen, um Bildschirminhalte zu erfassen, Tastatureingaben zu protokollieren und SMS abzufangen.
Microsoft bleibt Spitzenreiter beim Markenmissbrauch
Der Brand Phishing Report für das zweite Quartal 2026 zeigt: Microsoft bleibt die am häufigsten imitierte Marke bei Phishing-Angriffen. Mit 22,6 Prozent liegt der Konzern deutlich vor LinkedIn (11,6 Prozent) und Google (6,7 Prozent). Erstmals schaffte es ChatGPT mit 1,1 Prozent in die Liste der zehn meistgenutzten Marken für Betrugsversuche.
Kriminelle setzen zudem verstärkt auf KI-gestützte Werkzeuge wie den „Dolphin X Stealer“. Die Software profiliert infizierte Nutzer automatisch anhand ihrer Software-Nutzung und Browser-Aktivitäten – und priorisiert lohnende Ziele für den Diebstahl von Krypto-Wallets oder Cloud-Zugangsdaten.
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Als Reaktion auf die steigende Zahl von Password-Spraying-Angriffen – sie haben sich im ersten Halbjahr 2026 verhundertfacht – kündigte Microsoft die Einführung von Passkeys für Entra ID ab September 2026 an. Auch deutsche E-Mail-Anbieter wie GMX und WEB.DE stellen ihren rund 38 Millionen Nutzern mittlerweile Passkey-Anmeldeverfahren zur Verfügung.
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