Mammographie-Screening: Teilnahme senkt Brustkrebssterblichkeit um bis zu 30 Prozent
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Knapp die Hälfte der eingeladenen Frauen nimmt Berichten zufolge nicht an den organisierten Mammographie-Screenings teil. Durch den Verzicht auf diese Früherkennungsuntersuchungen steigt das Risiko, dass bösartige Tumore erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt werden und dadurch schwerer zu behandeln sind. Regelmäßige Reihenuntersuchungen sollen Karzinome möglichst früh aufspüren, stoßen jedoch regional wie international auf anhaltende Teilnahmelücken.
Regionale Beteiligung und Zurückhaltung bei älteren Jahrgängen
In Deutschland zeigen regionale Erhebungen deutliche Unterschiede in der Inanspruchnahme. Im Bereich Nordrhein sind rund 1,7 Millionen Frauen für das Programm anspruchsberechtigt. Für die Durchführung stehen dort 29 feste Screening-Einheiten in radiologischen Praxen sowie fünf mobile Mammobile bereit. Dennoch nimmt im Rheinland derzeit lediglich rund die Hälfte der eingeladenen Frauen das Angebot wahr.
Ein ähnliches Bild ergibt sich in Hessen: Nach Angaben von Karin Bock vom Referenzzentrum Mammographie Süd West am UKGM nimmt dort ebenfalls nur gut die Hälfte der Berechtigten teil.
Besonders niedrig fiel die Quote für das Jahr 2025 bei den 70- bis 75-jährigen Frauen aus, die in diesem Jahr erstmals in das Programm einbezogen wurden; sie lag bei lediglich gut 38 Prozent. Wer das Angebot allerdings bereits früher genutzt hat, kehrt verlässlich zurück: Frauen mit einer vorherigen Teilnahme kommen zu über 80 Prozent wieder.
Brustkrebs bleibt die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich werden in Deutschland rund 75.000 Neudiagnosen gestellt, während mehr als 18.000 Betroffene an den Folgen sterben. Für das Jahr 2024 erfasste das Hessische Krebsregister allein 5.600 Neuerkrankungen.
Früherkennung senkt die Mortalität
Der Nutzen der Früherkennung ist durch Erhebungen belegt. Im Jahr 2025 veröffentlichte Daten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) belegen, dass die Brustkrebs-Sterblichkeit unter Programm-Teilnehmerinnen bei einer Nachbeobachtungszeit von bis zu zehn Jahren um 20 bis 30 Prozent geringer ausfällt als bei Nichtteilnehmerinnen. Das Bundesamt bezeichnete diesen Wert als konservative Schätzung.
Knapp die Hälfte der eingeladenen Frauen lässt das organisierte Mammographie-Screening verstreichen — dabei zeigen aktuelle Auswertungen, dass die Brustkrebs-Sterblichkeit unter Teilnehmerinnen über bis zu zehn Jahre um 20 bis 30 Prozent geringer ausfällt. Wer den eigenen Weg zur Früherkennung in 2026 klar vorbereiten will, findet in diesem kostenlosen Guide die wichtigsten Schritte und Hintergründe. Kostenlosen Früherkennungs-Guide anfordern
Ein Großteil der im Screening festgestellten Karzinome weist eine maximale Größe von zwei Zentimetern auf und befindet sich somit im ersten Stadium. Dr. Frank Bergmann von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein verwies darauf, dass eine Steigerung der Teilnahmequote auf 70 Prozent die Brustkrebssterblichkeit um bis zu 35 Prozent senken könnte.
Neben der Diagnostik greifen auch qualitative Vorgaben in der Versorgung: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Mindestmenge für Brustkrebs-Operationen auf 100 Eingriffe je Klinikstandort und Kalenderjahr angehoben. In Hessen gibt es rund 17 bis 18 entsprechend zertifizierte Häuser.
Herausforderungen auch im europäischen Ausland
Geringe Screening-Beteiligungen sind kein rein deutsches Phänomen. Nach Angaben von Santé publique France nahmen im Zeitraum 2024 bis 2025 in Frankreich 47,5 Prozent der berechtigten Frauen am organisierten Brustkrebs-Screening teil, nach 46,6 Prozent zwei Jahre zuvor.
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Die Gesamtabdeckung aus organisierten und individuellen Untersuchungen lag dort in den Jahren 2021 bis 2022 bei 60 Prozent, verglichen mit 62 Prozent im Zeitraum 2016 bis 2017. Fachleute wie Mario Campone vom Institut de cancérologie de l'Ouest und Emmanuel Ricard von der Ligue contre le cancer führen den Rückgang auf eine sinkende Zahl von Radiologen, längere Wartezeiten sowie weite Wege zu den Praxen zurück. Empfohlen wird dort ab dem 50. Lebensjahr eine Mammographie alle zwei Jahre.
In Polen liegt die Beteiligung am Früherkennungsprogramm für Brustkrebs laut dem dortigen Gesundheitsministerium bei durchschnittlich lediglich 32,77 Prozent. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verzeichnet Polen im Vergleich zum Durchschnitt der Europäischen Union zwar eine niedrigere Krebsinzidenz, jedoch eine höhere Sterblichkeit.

